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»Der Wind steht gut im Achental«

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Das »Energiekonzept Achental« wurde nun übergeben. Im Bild (von links): Heinrich Schneider, Amt für ländliche Entwicklung, Stefanie Hennes vom Ökomodell Achental, Bürgermeister Josef Loferer, Vorsitzender des Ökomodells Achental, sowie die Vertreter von ECB, Geschäftsführerin Elke Archilles und Sebastian Osenstetter. (Foto: T. Eder)

Staudach-Egerndach. Das Achental bietet für die angestrebte Energieautarkie im Jahr 2020 optimale Voraussetzungen. Dies zeigte das »Energiekonzept Achental«, das zum ersten Mal in der sehr gut besuchten Mitgliederversammlung des Ökomodell Achental vorgestellt wurde. »Der Wind steht gut im Achental«, so die Aussage des Ingenieurs Sebastian Osenstetter der Firma ECB Prien, wobei er nicht die Windkraft meinte.


Nach fast einem Jahr des Recherchierens und Auswertens sowie der Entwicklung von Konzepten liegt nunmehr das, durch das Amt für ländliche Entwicklung geförderte, »Energiekonzept Achental« vor. Tiemo Wennrich von der Firma ECB hatte die Energiebilanz im Achental analysiert. Demzufolge werden im Achental bereits 30,8 Prozent des Stroms aus erneuerbaren Energien gewonnen, darunter 14 Prozent aus Photovoltaik. Den meisten Strom liefert Marquartstein und dies über das Wasserkraftwerk mit über 60 Prozent. Der Anteil an erneuerbarer Wärme im Achental liege bei 25 Prozent. 72 Prozent der Wärme wird aus Heizöl, 14 Prozent aus Fernwärme (Spitzenreiter Reit im Winkl) und elf Prozent aus Biomasse gewonnen. Verschwindend gering ist der Bereich Flüssiggas, Solarthermie und Wärmepumpen.

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Potenziale, diese Bilanz zu verändern, sehen die Experten in der Verwendung von Biomasse, aber auch in der Solarenergie, zum einen durch einen Mix aus Photovoltaik und Solarthermie, wobei zusätzliche PV Freiflächenanlagen denkbar wären. Durch Einsparungen und effizientere Geräte könnten 25 Prozent an Strom in den privaten Haushalten gespart werden und im Bereich der Wärme würde eine energetische Sanierung und damit effizientere Heizanlagen gemeinsam mit einem besseren Nutzerverhalten rund 30 Prozent an Einsparung bringen. Bereits ein Grad weniger Raumtemperatur bewirke sechs Prozent weniger an Heizenergie. Wie Wennrich hinzufügte seien rund 25 Prozent der Ölheizungen im Achental vor 1990 gebaut worden. Zur Windkraft erklärte Osenstetter, dass Großwindanlagen im Achental nicht realisiert werden können, wohl aber Kleinwindanlagen, die vor allem für Eigenstromnutzer interessant sein dürften.

Großes Potenzial sah er hingegen in der Wasserkraft. Wasserkraftwerke an der Tiroler Ache würden rund 20 000 Megawattstunden bringen. Dazu gebe es rund 60 Standorte mit ungenutzten Altrechten und einer möglichen Stromproduktion von 1500 Megawattstunden. Auch neue Standorte wie in Bergen der »Schipfl Weiher« oder Trinkwasserkraftwerke könnten die Bilanz steigern.

Den möglichen Maßnahmen widmete sich Osenstetter. 44 Maßnahmen werden im Maßnahmenkatalog beschrieben. Als Leuchtturmprojekt könnte ein Programm zum Austausch von Umwälzpumpen sein, die über Sammelbestellungen günstig beschafft und von regionalen Heizungsbauern eingebaut werden könnten. Auch der Austausch alter Ölheizungen könnte thematisiert werden, die schnelle Amortisation aufgezeigt und die Betroffenen gezielt informiert werden. Außenwirkung würden zudem Trinkwasserkraftanlagen haben, wie bereits in Staudach-Egerndach umgesetzt. Möglich wären diese in Unterwössen, Schleching und Ettenhausen. Denkbar sei nach Osenstetter auch ein »Energieversorgungsunternehmen Achental« mit dem Vertrieb von Grünstromprodukten und dem Betrieb von Erzeugungsanlagen. Damit wäre die Region zentraler Akteur der Energiewende.

Abschließend meinte der Experte, dass die Energiewende immer im Einklang mit Themen wie Sozialverträglichkeit, Sicherheit, Nachhaltig und Tourismus betrachtet werden müsse. Das Achental aber habe optimale Voraussetzungen um die Energiewende zu realisieren. »Der Wind steht gut im Achental«, auch wenn Windkraft nicht genutzt werden kann, so Osenstetter. Als spezielle Maßnahmen verwies er auf die »Nahwärme Schleching« wie auch auf die Umstellung von Straßenbeleuchtungen auf LED Technik sowie auf Bürgeranlagen im Bereich Strom und hier im Besonderen auf Trinkwasserkraftanlagen.

Ökomodellvorsitzender Josef Loferer, der die Studie überreicht bekam, betonte, dass ganz oben die Einsparung stehen müsse. »Möglichst autark zu sein, das sind wir unseren Kindern schuldig«, so Loferer. tb

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