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Der wichtigste Mann bei einer bayrischen Hochzeit

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Foto: Foto: Andreas Plenk

Der Hochzeitslader managt für das Brautpaar den schönsten Tag in ihrem Leben. Gerhard Egger aus Inzell hat aber auch noch andere Talente.


Diesen Hochzeitslader kennen Sie alle, wenn Sie in der Chiemgau Arena einen der Wettkampftage verfolgen: Gerhard Egger (Geri), beim Weltcup aber in anderer Funktion unterwegs. Er gehört zum „Unterhaltungsprogramm“, als einer der Stadionsprecher.


Gerhard beim Biathlon   Foto: Andreas Plenk

Zwei Stunden vor dem Start ist der Geri mit seinen Kollegen Harry und Laura im Stadion und abends bei den Siegerehrungen im Championspark, um die Fans zu unterhalten. Zum Hochzeitslader ist der Geri über den Trachtenverein D`Falkenstoaner seiner Heimatgemeinde Inzell gekommen. „Ich habe schon als kleiner Bub gut Witze erzählen können, vielleicht war das der Grundstein“, lacht er. Es gibt hier im Chiemgau kaum eine Hochzeit, die ohne einen Hochzeitslader auskommt. Er ist quasi der Organisator dafür. Schon Wochen vor der Trauung beginnen seine Aufgaben. Die Bräuche sind von Ort zu Ort verschieden, wobei sie sich Inzell und Ruhpolding nur in kleinen Bereichen unterscheidenZu Beginn werden die Gäste geladen. Drei Wochen vor der Hochzeit kommt der Hochzeitslader mit dem Bräutigam zum Laden in das Elternhaus der Braut. Die Hochzeiterin muss schließlich als Erste geladen werden. Der wichtigste Tag ist natürlich jener der kirchlichen Trauung. Zur Tradition gehört, dass die Brautleute die Nacht zuvor getrennt verbringen. Auch wenn sie vorher schon zusammengelebt haben. Am Hochzeitstag kommen Nachbarsbuben und Freunde am frühen Morgen zum Hochzeitsschießen, quasi zum Aufwecken. Hierbei wird rund zehn Minuten mit Böllern geschossen. Anschließend geht es in die gute Stube und der Hochzeiter oder die Hochzeiterin bewirten die Schießer. In Ruhpolding ist es der Brauch, dass der Bräutigam die Braut zu Hause abholt. Dann geht es mit dem prächtigen Kirchenzug zum Altar. Nach der Trauung wird erneut zum Hochzeitszug aufgestellt. Am Wirtshaus angekommen, gibt der Hochzeitslader das Kommando zum Start des „Schüssellaufens“. Hierbei laufen alle männlichen Junggesellen zum Hochzeitslader und wer dort als erster ankommt, erhält von der Hochzeiterin ein Geschenk. Der Schüssellauf hat seinen Ursprung, als es weder Telefon noch Handy gegeben hat. So ist der schnellste Läufer gesucht worden, der zum Beispiel bei einem Notfall zu einem Arzt laufen musste. Schließlich geht es zur Hochzeitsfeier ins Wirtshaus. Der Hochzeitslader kümmert sich darum, dass die wichtigen Gäste an den Brauttisch kommen. Im Anschluss geht der „Lader“ mit der Braut in die Küche zum Suppensalzen.

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Suppensalzen   Foto: Andreas Plenk

Hierbei nimmt sie eine Brise Salz und gibt sie in die Suppe. Anschließend tanzt der Brautführer mit der Braut, die währenddessen von den Brautdieben gestohlen wird -. der Startschuss für das Weinstüberl.


Ausgelassene Stimmung im Weinstüberl Foto: Andreas Plenk

Hier geht es hoch her und der Bräutigam muss seine Braut oft mit einigen Litern Bier oder Wein auslösen. Nach dem Abendessen beginnt das Weisen. Das Brautpaar bekommt die Geschenke überreicht und alles wird vom Hochzeitslader genauestens verfolgt. Mit den Ehrentänzen geht die Hochzeit langsam zu Ende. Um Mitternacht wird das Brautpaar hinaus gespielt, dann endet auch für den Geri ein anstrengender, aber auch schöner Tag.

Siegi Huber