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Der Wandel: Sommerfrischler – Fremde – Gäste

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Grassau. Eine interessante Dokumentation über 125 Jahre Tourismus in seiner Heimatgemeinde hat der Grassauer Olaf Gruß erstellt und den Besuchern im Heftersaal damit Einblick in eine wechselvolle Geschichte mit vielen interessanten, aber auch kuriosen Gegebenheiten geboten.


Mitte des 19. Jahrhunderts sei der Fremdenverkehr völlig unorganisiert abgelaufen, informierte Gruß. Nur Gastwirtschaften hätten Fremde, meist Handelsreisende, aufgenommen. In einer historischen Aufzeichnung fand er, dass Adolf Kroher 1840 als Gast von Augsburg nach Grassau kam. Ihm gefiel die Gegend so gut, dass er in Staudach-Egerndach sein Ziegelwerk aufbaute.

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1880 gründete ein Lehrer einen Ortsverschönerungsverein, der sich jedoch nach drei Jahren, nachdem der Lehrer versetzt wurde, auflöste. Erst 1887 wurde der Verein dann erneut gegründet. Ein Schwerpunktthema des Vereins war die Ortsbeleuchtung mit ölbefeuerten Laternen. 1899 erschien der erste Reiseführer über die Gegend, wobei Grassau als Ort völlig unbedeutend war. Mit Kutschen, aber oft auch mit dem Leiterwagerl habe man die Gäste vom Bahnhof abgeholt. Die meisten aus München. Gruß nannte die Zahl 100 bis 150 Gäste, die finanziell gut ausgestattet waren und zwischen drei und sechs Wochen blieben.

1922 sei ein großes Passionsspiel aufgeführt worden, und 1926 kam im Heftersaal mit großem Kulissenbau die »Zauberflöte« auf die Bühne. 1924 wurde aus dem Ortsverschönerungsverein ein Verkehrsverein. 1925 stieg die Zahl der »Fremden« auf 1064 mit über 10 000 Übernachtungen an. 1926 versuchten die Grassauer, aus ihrer Kommune eine Wintersportgemeinde zu machen, dazu vermietete man die Grassauer Hütten an Wintergäste. Bis 1937 waren sowohl die Rachlalm wie auch die Hefteralm im Winter stets ausgebucht. 1933 begingen die Grassauer die 1000-Jahr-Feier ihrer Gemeinde mit einem kulturhistorischen Heimatspiel. 1934 löste sich der Verkehrsverein wieder auf. Im selben Jahr kamen die ersten Gäste über die NS-Organisation »Kraft durch Freude«. Kinder mussten in den Keller oder unters Dach ziehen und jeder der konnte, vermietete Zimmer. Die Übernachtungszahlen stiegen sprunghaft auf 58 000 an.

1936 erschien der erste Fremdenführer von Grassau. Gruß zeigte einen Stummfilm zur Autobahneinweihung; er zeigte ein Auto, das zunächst über den Bernauer Berg fuhr und den Blick auf den Chiemsee freigab. Das Auto fuhr dann weiter durch Felden, am Rasthaus vorbei über Bernau nach Rottau und Grassau und machte vor dem Gasthof »Bauerngirgl« Station.

1935 wurde das Bergbad eröffnet. Almtänze waren sehr beliebt, und ein zentraler Veranstaltungsort war der »Strehtrumpf«. Nach dem Zweiten Weltkrieg, so Gruß, seien viele Wohnungen und Zimmer mit Flüchtlingen besetzt gewesen.

Weltweit bekannt war das »Arabergestüt Achental«. Gruß wusste, dass die Hälfte aller deutschen Araberpferde aus dem Grassauer Gestüt kamen. 1969 wurde das Reitsportzentrum Achental ins Leben gerufen, aus dem das Sporthotel Achental entstand. Die Übernachtungszahlen gingen nach oben. 1980 eröffnete der Gasthof Sperrer sein Bettenhaus und der große Komplex des Hotels »Hansbäck«.

Bürgermeister Rudi Jantke berichtete, dass im vergangenen Jahr rund 30 000 Gäste etwa 152 000 Nächte in Grassau verbracht haben. Dies entspreche einem Umsatz von rund 7,5 Millionen Euro und Arbeit für 350 bis 400 Bürger. In den Jahren nach der Wende seien die Übernachtungszahlen mit 240 000 bis 270 000 am höchsten gewesen. Seit Mitte der neunziger Jahre sei ein kontinuierlicher Rückgang zu verzeichnen. Gründe hierfür seien Billigreisen und ein Rückgang des Bettenangebots. Musikalisch umrahmt wurde der Abend von der »Bergwiesenmusi«. tb