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Der Volksmusikpfarrer feierte 60. Priesterjubiläum

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Freunde und Wegbegleiter waren zum 60. Priesterjubiläum von Pfarrer Monsignore Franz Niegel ins Wohnstift Marquartstein gekommen. Gemeinsam mit vielen Freunden feierten sie einen Gottesdienst mit viel Musik. Pfarrer Franz Durner (links), , Kurskollege im Priesterseminar von Franz Niegel, und Hauspfarrer Hans Krämmer (rechts), erinnerten an einige Stationen des 88-Jährigen. (Foto: Flug)

Marquartstein. Was für den ehemaligen Unterwössner Pfarrer Monsignore Franz Niegel (88) im Wohnstift Marquartstein als ein normaler Tag begann, erwies sich am Ende als besonderes Erlebnis: Viele Freunde und Weggefährten waren gekommen, um mit ihm den Dankgottesdienst zu seinem 60. Priesterjubiläum zu feiern – mit viel Musik, wie es sich für einen Volksmusikpfarrer gehört.


Festlich war das Café im Wohnstift Marquartstein für den Gottesdienst geschmückt. Gäste aus Berchtesgaden, Südtirol, aus Unter- und Oberwössen, dazu Freunde und Mitbewohner aus dem Seniorenstift hatten die Sitzreihen gefüllt. Der Hauspfarrer und Freund Hans Krämmer, ehemals Inzell, jetzt Ruhestandspfarrer in Grassau, sowie Niegels Kurskollege im Priesterseminar, Pfarrer Hans Durner, holten den Jubilar an seiner Wohnungstür ab. Schon dort brachten ihm die Walchschmied-Sänger ein erstes Ständchen.

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Im Zwiegespräch gaben die beiden Pfarrer und Freunde des von Krankheit gezeichneten Jubilars erste Anekdoten, die Niegel als in seiner Jugend bodenständigen Menschen beschrieben, zum Besten. So zum Beispiel, dass nur Niegels Humor und Schlagfertigkeit ihn vor dem Rauswurf aus dem Priesterseminar bewahrten, nachdem er den Zapfenstreich hemmungslos überzogen hatte. Es folgte ein Gottesdienst mit viel Gesang von den Walchschmied-Sängern, dem Unterreitfelder Dreigesang und dem Vokalquartett St. Martin, abgerundet durch den Andachtsjodler.

Sehr persönlich war die Predigt von Pfarrer Hans Krämmer, in der er sich immer wieder an Niegel wandte und vor allem dessen Kontaktfähigkeit und die Gabe, vorbehaltlos auf die Menschen zuzugehen, herausstellte. In all seinen Tätigkeiten habe Pfarrer Monsignore Franz Niegel schnell die Zuneigung der Bevölkerung gewonnen, auch durch seine Liebe zur Volksmusik. Manfred Bachmann und Sepp Brandstetter – früher mal Ministranten von Niegel – lasen die Fürbitten.

Nach dem Gottesdienst sprachen dem Jubilar sehr viele Gäste Dank und Anerkennung für sein Wirken aus.

Niegel selbst genoss den Gottesdienst. Schön war's, meinte er auf die Frage seiner Betreuerin und ehemaligen Pfarrsekretärin, Ursula Vollmuth, wie ihm der Nachmittag gefallen habe. Das Fest ging anschließend mit einem Beisammensein im nahen Gasthof weiter.

Dass Monsignore Franz Niegel sein Leben lang Außergewöhnliches bewirkt hat, zeigen nicht nur seine Ehrentitel und Auszeichnungen. Er ist unter anderem Ehrenbürger der Gemeinde Unterwössen. Neben dem päpstlichen Ehrentitel des Monsignores verlieh ihm die Bundesrepublik auch das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens.

Für die Bevölkerung war Niegel schlicht »ihr Volksmusikpfarrer« und an jeder seiner Wirkungsstätte wurde er mit Wehmut wieder verabschiedet. Noch heute schmunzeln die Kirchenoberen über das Wadramer Volksbegehren, als diese mit einer Unterschriftenliste 1958 ihren Kaplan Niegel halten wollten. In Unterwössen hatte er in schwierigen Zeiten die Pfarrei übernommen und die Zuneigung und das Vertrauen seiner Gemeinde gewonnen. Noch heute gründet dort das lebendige Kirchenleben auf Niegels Wirken zwischen 1963 und 1997. Zugleich blieb Niegel seinem Geburtsort Berchtesgaden allzeit eng verbunden. Eine Zuneigung, die auf Gegenseitigkeit beruht, wie die vielen Besucher aus Berchtesgaden bezeugen. Unvergesslich bleibt Niegel aber durch die Zusammenarbeit mit seinen Freunden Kiem Pauli und Annette Thoma für die Volksmusik und das Brauchtum. 30 Jahre gemeinsames Wirken, daran erinnert sich auch der Musiker und ehemalige Musikschulleiter Jochen Langer in Unterwössen, der wie viele andere Unterwössner am Gottesdienst teilnahm. lukk