weather-image
12°

Der Unterwössner neigt zu Bespitzelung und Selbstanzeige

4.0
4.0
Bildtext einblenden
Johanna und Peter Steiner und Claudia Schweinöster (von links) brillierten bei ihrem umjubelten Einakter von der »Schwalbacher Diplomatie« beim Starkbierfest in Unterwössen. (Foto: Flug)

Unterwössen – Es war eine großartige Veranstaltung, das Starkbierfest in Unterwössen – darin waren sich Zuschauer und Mitwirkende unisono einig.


Angefangen beim Anzapfen durch den Bürgermeister über den grandiosen Einakter der Theaterer des Trachtenvereins »D' Achentaler« bis zur Fastenpredigt von Bruder Andreas Steiner, der gehörig aus dem »Nähkästchen« plauderte: der Unterwössner neige zur Bespitzelung und Selbstanzeige, witzelte er angesichts seiner vielen Informanten.

Anzeige

Das Bier schoss auf den Bühnenboden

Aber zurück zum Anfang, dem obligatorischen Anzapfen des Wieninger Fastenbieres: Die größten Lacher erntet der Spaßmacher, wenn ihm das immer schief Gegangene gelingt, dafür das Leichte misslingt. Es ist zu bezweifeln, dass das der Plan von Bürgermeister Ludwig Entfellner war. Allerdings sorgte sein Starkbieranstich für kräftige Lacher. Zwar gelang es ihm souverän, das Zapfzeug mit drei Schlegelhieben souverän ins Faß zu hauen, den ersten Krug hielt er dann aber unter das Ventil und nicht unter den Hahn. Und so schoss der kräftige Strahl des Bieres doch wieder auf den Bühnenboden.

Keine Choreografie hätte eine bessere Stimmung zum Festauftakt bringen können: Munter ging es zu in der großen Schwimmhalle des Alten Bades. Die großen Tische waren voll besetzt und die Besucher heiter und entspannt zur Musik der Wössner Tanzlmusi.

Lustig und einmalig gespielt war der Einakter der Theaterer im Trachtenvereins. In der »Schwalbacher Diplomatie« von Walfried Ridi ruft die Bürgermeistersekretärin (Claudia Schweinöster) verzweifelt beim Bürgermeister daheim an, weil der es nach einer Geburtstagsfeier in der Früh nicht ins Büro geschafft hat. Sie fühlt sich überfordert, weil vor der Tür zwei Nachbarn wüten, die sich seit 25 Jahren streiten (Peter Steiner und Johanna Steiner). Der Bürgermeister rät zu einem diplomatischen Versöhnungsversuch – was kräftig nach hinten los geht. Wie die Zuschauer erfuhren, fing der Streit vor 25 Jahren an, als das Liebeswerben des Nachbarn von der Nachbarin abgewiesen wurde. Die Sekretärin kommt der Aussöhnung, ja, sogar einer Heirat der beiden spürbar nah, ehe beide wieder in Streit verfallen. Da platzt der Sekretärin der Kragen und es bricht ein Schimpfkanon los, dass den Streithanseln die Ohren wackeln. Fluchtartig verlassen sie das Rathaus. Stück und Schauspieler bekamen lang anhaltenden Beifall.

Eine Einheitspartei für Unterwössen

Eine Fülle von lustigen Episoden hatte Fastenprediger Bruder Andreas Steiner zusammengetragen, dank vieler Unterwössner, die – zumindest was die Starkbierpredigt angeht – zu Bespitzelung und zur Selbstanzeige neigen. Beim Gemeinderat fühlte sich der Fastenprediger angesichts der vielen Harmonie das erste Mal in seiner Starkbierfest-Karriere bewogen zu singen: »Ebony und Ivory – living in perfect harmony«. Wenn sich jetzt die Parteien noch im Bürgerforum zusammenfänden, sieht Steiner schon eine Einheitspartei im Rathaus regieren. Doch dann kam er zu der Gemeinderätin, die diese Harmonie »aufmische« und die »Gemeinde obirutschn« sehe.

Bürgermeister Entfellner musste auch herhalten, weil er im Büro nach Handy und Aktentasche suchte, die vor dem Garagentor übernachtet hatten. Eine gewisse Zerstreutheit führte zu weiteren Anekdoten: So habe der Bürgermeister seine Landmaschine bei der BayWa eingelagert, aber geschätzte zwei Monate keinen Reparaturauftrag erteilt. Dazu hat er die passende Sekretärin, die erst als Maikäfer auf einer Party feiert, ehe sie in diesem Outfit beinahe die Chorprobe sprengt. Zurück zur Party findet sie die Tür verschlossen. Sie fühlt sich auf dem richtigen, alternativen Weg zur Feier, als sie sich mit einem gut aussehenden, jungen Nachbarn in dessen Wohnung schleicht.

Dass Trachtenvorsitzende Andrea Größ Bratensoße in den Schlund kippt, wie andere das Bier, zeigte sich auf dem Gautrachtenfest. Wie der damalige Trachtenvorstand Hauptstraße, Autos und Gartenzäune in Kruchenhausen odelt, ist nur eine Geschichte aus dem Straßenverkehr. Bei der anderen ließ ihn die Polizei die Hackschnitzel aus seinem Anhänger schaufeln. Gebirgsschützenhauptmann Georg Haßlberger wird sich demnächst mehr auf seine Marketenderinnen verlassen, als auf die eigene Erinnerung, wo er seinen Säbel vergessen hat.

Die Semmeln im Unterhemd der Frau

Toni Brandstetter wird beim Bäcker künftig immer ein Einkaufssackerl dabei haben, nachdem sich das Unterhemd seiner Frau als Behältnis für die Semmeln nicht bewährt hat. All das und noch einiges mehr war dem Prediger zugetragen worden. Dem Publikum hat es ausgesprochen gut gefallen und die Betroffenen trugen es mit Fassung.

Lob gab es für Reinhard Kurz-Hörterer, Vorstand des Trachtenvereins »D' Achentaler«, für die Idee zu dieser Feier. Er habe das Starkbierfest angestoßen und zu dem gemacht, was es heute sei. Kräftiger, lang anhaltender Beifall aus den vollen Bankreihen der Schwimmhalle des Alten Bades bescheinigte: Es war eine gute Idee und heuer wieder eine großartige Veranstaltung. lukk