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Der Tuba-Alex geht in den Ruhestand

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Nach 65 Jahren ausgefülltem Musikantenleben wurde Alex Beilhack (rechts) von Musikvorstand Ernst Reiter ausgezeichnet und zugleich verabschiedet. Robert Mayer und Martin Geisreiter (von links) gratulierten.

Ruhpolding – 65 Jahre lang bildeten sie ein illustres Paar, das zum öffentlichen Erscheinungsbild gehörte wie der Rauschberg zu Ruhpolding: Alex Beilhack und seine riesige Tuba. So lange wie mit der metallenen Gefährtin ist er nicht 'mal mit seiner Frau Eveline zusammen. Die hat er erst 1964 zum Traualtar geführt. Doch jetzt zog der 85-jährige Bassist – von vielen liebevoll Tuba-Alex genannt – endgültig den Schlussstrich unter ein bewegtes (und erfolgreiches) Musikantenleben, das viel zu erzählen hat.


»Die Augen und der Oberkiefer machen einfach nicht mehr mit,« bedauert Beilhack seinen Entschluss, der ihm sichtlich nicht leicht gefallen ist. Ausgerechnet jetzt, wo das Jubiläum zu 100 Jahre Rauschberger-Waldfest vor ein paar Tagen auf dem Programm stand. Zu gern hätte er da auf der Bühne im Festzelt nochmal mitgemischt. So aber mussten seine Kameraden den geplanten Abschied ohne ihn bestreiten. Dafür gab es für ihn als Trostpflaster Gratulationen ohne Ende, nicht nur vom Dirigenten Stefan Huber, den Mitspielern und Besuchern, sondern auch die offizielle Ehrung durch den Musikbund für Ober- und Niederbayern, die stellvertretend Musikvorstand Ernst Reiter unter großem Beifall vornahm. Reiter sagte, er könne sich nicht daran erinnern, dass schon 'mal ein Musikant der Trachtenkapelle D' Rauschberger-Zell für eine so lange Zeit geehrt worden ist. Alex Beilhack sei für die ganze Kapelle ein Vorbild für kameradschaftliches Verhalten und dadurch ein wichtiges Bindeglied zwischen Jung und Alt gewesen. Mit Robert Mayer (40 Jahre) und Martin Geisreiter (50 Jahre) wurden zugleich zwei seiner Weggefährten ausgezeichnet.

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Zur Blasmusik kam Alex Beilhack eher auf Umwegen, denn der junge, aktive Plattler tendierte mehr zu Schlagzeug und Bassgeige. Als aber der »alte Steiner« ausfiel, wie Beilhack erzählt, sprang er spontan ein. Der Lierschberger-Sepp, ein versierter Militärmusiker, nahm ihn unter die Fittiche und gab ihm Notenunterricht. »Damals wurde aber noch ganz viel auswendig gespielt,« erinnert er sich. Unvergessen bleibt ihm der erste große Auftritt 1953 zur Eröffnung der Rauschbergbahn, die zu der Zeit als die kühnste Bergbahn mit nur einer Stütze galt. Bald schon ließ er sich vom Traunsteiner Musikhaus Schilbach eine volltönende Tuba aus extra dickem Blech anfertigen, die ihn bis heute begleitet. 900 Mark hat er dafür berappen müssen, viel Geld für den gelernten Waldfacharbeiter, der später auch als Busfahrer und Skilehrer tätig war.

Der boomende Tourismus der Degener-Epoche tat dann sein Übriges. Die Musikanten am Ort waren gefragte Leute und erlebten bald ihre ersten Auslandseinsätze. Als die Miesenbacher Musikanten nach Äthiopien flogen, war er mit einer Handvoll Rauschberger dabei. In der Hauptstadt Addis Abeba gab es sogar ein Zusammentreffen mit Kaiser Haile Selassie. Ein weiterer Höhepunkt war die Reise zur Sommerolympiade 1960 in Rom. Zu seinem persönlichen Olymp aber zählt Alex Beilhack das mehrmonatige Jugend-Stipendium am Mozarteum in Salzburg, das er zusammen mit den Bojern-Dirndln sowie Sepp Haberlander und Valentin Steyerer absolvierte. Eingefädelt hatte das damals Hans Pichler.

Eine Herz-Operation vor sechs Jahren zwang Beilhack dazu, nicht mehr alle Termine wahrzunehmen. Vor allem das Marschieren bei Festen machte ihm zu schaffen, sodass er sich auf Heimatabende und Konzerte beschränken musste. Aber ein bisserl Holzmachen und Radlfahren, das geht schon noch, meint er augenzwinkernd. ls