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Der Tetrafunk Mast in Neukirchen kommt

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Teisendorf. Die Veranstaltung zum Tetrafunk beim Wirt in Neukirchen war ein Versuch, die Gemüter zu beruhigen. Erreicht wurde aber wenig. Die behördliche Seite bestand auf der Notwendigkeit der Einführung des Tetra-Funksystems, ein Großteil der Anwesenden hatte große Bedenken. Doch war die Veranstaltung ohnehin ein Placebo, denn wie Bürgermeister Thomas Gasser sagte, hätte auch eine Ablehnung eines Funkmasten seitens der Gemeinde keinen Effekt. Diesen Beschluss könnte der Regierungsbezirk Oberbayern aushebeln, der Mast würde trotzdem gebaut. Von zuerst drei Standorten in der Gemeinde sei jetzt nur noch einer übrig in der Nähe von Girstling.


Zu Beginn sagte Alexander Moser von Diginet, schon 1996/97 sei beschlossen worden, alle behördlichen- und Notfall-Dienste mit einem gemeinsamen Funksystem auszustatten. Die Wahl sei damals auf den Tetrafunk gefallen. Nach damaligen Planungen sollte dieses System schon 2006/07 in Gebrauch sein. Technische Probleme und öffentlicher Widerstand hätten die Einführung aber hinausgezögert, die flächendeckende Inbetriebnahme stehe erst jetzt bevor. Moser erklärte anhand von Landkarten den Fortschritt der Installationen. Die Grenzwerte für Strahlenschutz würden deutlich unterschritten. Es gebe keine Belege für Gesundheitsschäden, in Großbritannien habe eine elf Jahre dauernde Studie keine Gefährdungen feststellen können.

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Ulrich Wittfeld von Telent erklärte, der Aufbau des Funknetzes sei nicht von kommerziellen Einflüssen abhängig. Natürlich erwiesen sich die Standortbestimmungen der Funkmasten als sehr komplex, denn die Funkzellen müssten an den Rändern überlappen, um ununterbrochenen Funkkontakt zu gewährleisten. Die Topografie spiele dabei eine große Rolle, besonders in Berg- lagen. Zu gesundheitlichen Bedenken meinte er, jedes Handy habe einen größeren Effekt und besonders das Internet über Funk sei gefährlicher als der Tetrafunk.

Gerhard Schusser von der Polizeidirektion Rosenheim war vor allem ein gut funktionierendes, flächendeckendes Kommunikationssystem wichtig. Mit dem veralteten Analog-Funksystem hätten die Einsatzkräfte massive Probleme und es sei zunehmend schwieriger, technischer Hilfe für Reparaturen zu erhalten. »Wollen Sie auf schnelle Einsätze der Polizei und von Rettungskräften verzichten?«, fragte er in die Runde. Es könne nicht sein, dass ein Funksystem für die öffentliche Sicherheit von finanziellen Erwägungen abhänge.

Baubiologe Johannes Schmid beteuerte, auch er sei sehr für ein leistungsfähiges Funksystem für öffentliche- und Hilfs-Organisationen. Dieses sollte aber für Einsatzkräfte und Bürger völlig unbedenklich sein. Über das Tetrasystem seien jedoch ernste Bedenken von vielen Seiten geäußert worden, etwa von Gewerkschaften, dem Bayerischen Gemeindetag, dem Rechnungshof, in Feuerwehrforen und in vielen weiteren Organisationen, wie der Ärztekammer und der WHO (World Health Organisation).

Doch das System habe sich als nicht so funktionstüchtig und ungefährlich erwiesen, wie dargestellt. Bei Abwägungen sollten nicht nur Ingenieure und Architekten konsultiert werden, sondern auch Ärzte und weitere Experten aus dem Gesundheitsbereich. Der Wellenbereich, in dem das System arbeite, sei im selben Spektrum wie das natürliche elektromagnetische und biometrische System des Körpers, sagte Schmidt und dieses, zum Beispiel Gehirnströme, könnten daher beeinträchtigt werden.

Schmidt kritisierte aber auch, es gebe viele Berichte über Ausfälle und Störungen, die Zweifel an der Funktionssicherheit aufkommen ließen. So zitierte er Beispiele wie eine vorsätzliche Störung des Systems bei einem Großeinsatz in Berlin. Schmidt hatte auch Beispiele für Alternativen, die allerdings von den Befürwortern als ungeeignet bezeichnet würden.

Die zum Teil recht emotional geführte Diskussion zeigte, die Befürworter haben noch einen langen Weg vor sich, bevor das System akzeptiert wird, denn sie konnten, trotz Fürsprache hiesiger Einsatzkräfte, die Skepsis keineswegs ausräumen. Bürgermeister Gasser meinte abschließend, obwohl der Mast nicht verhindert werden könne, sollte doch das Thema weiter verfolgt werden. al