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Der Signalkrebs breitet sich immer mehr aus

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Auffallend ist die Fähigkeit des Signalkrebses, die Scheren bei der Verteidigungsstellung besonders weit nach hinten zu bewegen. Dieses Exemplar wurde in der Traun bei Stein gefangen.

Traunreut – Er überträgt eine Krankheit, die ihm selbst nichts anhaben kann, für den bei uns heimischen Edelkrebs aber tödlich ist: der Signalkrebs. Bislang kam er in unserer Gegend nur sporadisch vor, doch nun sieht es so aus, dass die Population sprunghaft steigt. Ein Beispiel ist die Traun unterhalb von Traunreut: Krebse gab es hier bislang so gut wie keine, ganz selten wurde mal ein Edelkrebs gesichtet. Doch in diesem Jahr stellten die Fischer ein starkes Vorkommen des Signalkrebses fest.


Damit setzt sich in der Traun fort, was Experten seit einiger Zeit in ganz Bayern beobachten: dass der Signalkrebs sich schlagartig vermehrt und immer neue Gewässer besiedelt. Inzwischen dringt er auch in die Forellen- und Äschenregion vor, wie Dr. Bernhard Gum von der Fischereifachberatung des Bezirks Oberbayern auf Anfrage bestätigte. Dass er nun auch schon in der Traun dermaßen gehäuft vorkommt, war Gum allerdings neu, wenngleich es für ihn angesichts des bayernweiten Vormarschs des Signalkrebses »keine ganz ungewöhnliche Nachricht« sei. Nun sei zu befürchten, dass der Signalkrebs sich auch im Oberlauf und in Seitenbächen etabliert.

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Eigentlich sollte der Signalkrebs in unseren Gewässern gar nicht vorkommen. Er ist hier nämlich nicht heimisch und stellt eine große Gefahr für die auf der Roten Liste stehenden Edel- und Steinkrebse dar. Der Signalkrebs ist nämlich ein latenter Dauerüberträger der Krebspest, die ihm selbst nichts anhaben kann, für den Edel- und den Steinkrebs jedoch tödlich ist.

Signalkrebse stammen ursprünglich aus Nordamerika. Ab 1960 wurden Signalkrebse zunächst von Schweden, später auch von anderen europäischen Staaten eingeführt und haben sich seither in fast allen europäischen Staaten etabliert. Man wollte mit der Einbürgerung des Signalkrebses die Krebsfischerei wiederbeleben, nachdem die Edelkrebsbestände aufgrund der Krebspest stark dezimiert waren. Man wusste, dass der Signalkrebs gegen die Krankheit resistent ist – was man aber damals nicht wusste ist, dass er die tödlichen Erreger überträgt.

In der Traun wurden nie Signalkrebse ausgesetzt, weshalb das plötzliche starke Auftreten in dem Fluss die Fischer doch etwas überrascht hat. Wie es dazu gekommen ist, darüber kann man nur rätseln. Eine mögliche Erklärung ist, dass die Krebse beim »Jahrhunderthochwasser« 2013 aus einem anderen Gewässer in die Traun gelangt sein könnten und sich dort dann so stark vermehrt haben. Dr. Gum schließt aber auch nicht aus, dass sie von anderen Gewässern flussaufwärts die Traun »erobert« haben. In Sachen Reproduktion und Besiedelung ist der Signalkrebs laut Gum dem Edelkrebs hoch überlegen: Ein Signalkrebsweibchen legt bis zu 400 Eier, etwa doppelt so viele wie ein Edelkrebsweibchen. m