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Der Siegsdorfer Christoph Stoiber wird Teil der »Garmisch Cops«

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»Ich lebe meinen Traum«, sagt Christoph Stoiber über die Schauspielerei. Dreieinhalb Monate drehte der 31-Jährige heuer für die ZDF-Serie und pendelte dabei zwischen seinem Wohnort in Siegsdorf sowie den Drehorten in München und Garmisch hin und her.
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Um einen toten Skiflugtrainer müssen sich die Garmisch Cops mit den Kommissaren Anton Wölk (Schauspieler Thomas Unger, links), Robert Bähr (Jan Dose, rechts) und Oberwachtmeister Franz Obermayr (Christoph Stoiber, 2. von links) zusammen mit Sekretärin Marianne Zagelmann (Sara Sommerfeldt) in der heutigen Folge kümmern. (Foto: ZDF/Marco Meenen)

Siegsdorf. »Entweder jetzt oder nie«, sagte sich Christoph Stoiber vor fünf Jahren und kündigte seinen Job als Kaufmann im Groß- und Außenhandel, um auf die Münchner Schauspielschule Zerboni zu gehen. Der Siegsdorfer wollte seinen Traum leben und ist diesem Ziel nun einen großen Schritt näher gekommen. Heute Abend startet um 19.25 Uhr die neue ZDF-Krimiserie »Garmisch Cops« und mit dabei ist auch Christoph Stoiber als Oberwachtmeister Franz Obermayr.


Eine »Traumrolle« findet der 31-Jährige, der sich schnell an seine Arbeitskleidung, die grüne Polizeiuniform samt Lederjacke und Waffengürtel, gewöhnt hatte. Insgesamt dreieinhalb Monate drehte er heuer im Frühjahr und Sommer mit der in München angesiedelten Bavaria Fernsehproduktion. Zusammen mit den Kommissaren in seinem Ermittlerteam, den »Garmisch Cops«, muss sich Stoiber als urbayerischer, gelassener, liebenswerter und trotzdem hartnäckiger Polizist, um die Aufklärung von mehreren Mordfällen kümmern. Ganz im Stile altgedienter Formate wie den »Rosenheim Cops« oder »Der Bulle von Tölz«. Zehn Folgen werden bis Weihnachten jeweils mittwochs ausgestrahlt.

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Es ist die erste große Hauptrolle für den 1,76 Meter großen Siegsdorfer, der bisher ausschließlich kleinere Rollen bei Fernsehproduktionen bekommen hatte. So sah man ihn in den letzten zwei Jahren mit Ottfried Fischer alias Pfarrer Braun, bei den Rosenheim-Cops, oder auch im ARD-Film »Ellis neuer Mann« mit Jutta Speidel. Im Theaterbereich hat er da schon viel mehr Erfahrung etwa am Bayerischen Volkskunsttheater in München und ist auch im südlichen Landkreis Traunstein kein Unbekannter. Mehrere Jahre spielte er die Hauptrollen in Aufführungen des Siegsdorfer Theatervereins.

Dafür hat er momentan jedoch keine Zeit mehr. Wenn er nicht gerade für eine Fernsehproduktion vor der Kamera steht oder ihn seine Agentin auf Castings schickt, dann geht Christoph Stoiber ganz normal arbeiten. Denn leben kann er von der Schauspielerei noch nicht und nur auf die große Karriere hoffen, will er momentan auch nicht. »Ich bin bodenständig erzogen und brauche die tägliche Arbeit«, sagt er und fing deshalb nach der Schauspielschule wieder bei seinem alten Arbeitgeber, einem Großhandel für Haustechnik, an.

Um seine Schauspielrollen kümmert er sich nach Feierabend oder an seinen freien Tagen. Da lernt er dann unter anderem Texte, zuletzt im September für eine Rolle in einem Beitrag bei »Aktenzeichen XY ungelöst«. Geübt wird dann während des Abwaschens, beim Einkaufen in aller Öffentlichkeit oder auch beim Singen. Letzteres hat er ebenso wie die japanische Kampfkunst Aikido, die Entspannungsform Yoga oder auch klassische Literatur auf der Schauspielschule für sich entdeckt.

Seinen bayerischen Dialekt – »Hochdeutsch konnt' ich vorher nicht« – hat sich Christoph Stoiber in München hart abtrainiert. »Das war vielleicht ein Kampf«, erinnert er sich schmunzelnd und musste dabei unter anderem viele Texte gurgelnd oder mit einem Korken zwischen den Lippen sprechen. Heute kann er innerhalb von Sekunden zwischen Hochdeutsch, Bayerisch, Kölsch, Sächsisch und Österreichisch hin und her wechseln. Umso mehr Spaß machte es ihm aber, dass er sich bei seiner neuen Rolle in den »Garmisch Cops« nicht verstellen musste. »Das war wie ein Heimspiel«, auch wenn sein Oberbayerisch für den Zuschauer außerhalb Bayerns etwas »entschärft« wurde.

Nie um einen Scherz verlegen, ist Christoph Stoiber sowohl als Oberwachtmeister in seiner Rolle bei den »Garmisch Cops« als auch privat. »Man kann schon sagen, dass mir komödiantische Rollen leicht fallen.« Zuletzt machte der 31-Jährige, dessen Vorbilder Gerhard Polt, Josef Hader oder auch Jan-Josef Liefers sind, unter anderem mit einem eigenen Kabarettprogramm auf sich aufmerksam. Zusammen mit Florian Günther, einem Kollegen von der Schauspielschule, schrieb er im vergangenen Jahr das Stück »Es kannt lustig werden, oder a ned«. Während der ZDF-Dreharbeiten hat er damit pausiert, in den nächsten Monaten will er aber wieder damit auftreten.

Auch in zwei Videos der Band »Django 3000« hat Christoph Stoiber bereits mitgespielt. Als er erfuhr, dass die Chiemgauer mit ihrem Hit »Heidi« die Titelmusik für die »Garmisch Cops« liefern, war die Freude groß. Die jungen Musiker werden dem Start der neuen ZDF-Krimireihe am heutigen Mittwoch ebenso entgegen fiebern, wie Christoph Stoiber mit seiner Freundin und seiner Familie.

Denn nur wenn die Einschaltquoten hoch sind, wird die Serie mit vielen weiteren Folgen im kommenden Jahr fortgesetzt. Dann könnte sich der Siegsdorfer vielleicht endgültig seinen Traum erfüllen, und als Angestellter einer Produktionsfirma für einige Jahre ausschließlich von der Schauspielerei leben. apo