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Planungsausschuss befasste sich mit Kosten für die Stadt – Angebot besser angenommen

Der Rufbus soll bis 2021 angeboten werden

Traunstein – Geht es nach dem Planungsausschuss des Stadtrats, wird es in Traunstein auch künftig einen Rufbus geben. »Die Förderung der Regierung von Oberbayern für den Rufbus sinkt schon heuer von 70 auf 30 Prozent«, erklärte Oberbürgermeister Christian Kegel in der jüngsten Sitzung des Gremiums. »Das bedeutet für uns einen Anstieg des Eigenanteils der Stadt von rund 25 000/30 000 Euro auf dann 65 000 Euro«.

Sehr gut angenommen – Tendenz steigend – wird der Rufbus, den die Stadt Traunstein über den RVO mit den Maltesern anbietet. Geht es nach dem Planungsausschuss, wird dieser Service auch künftig angeboten. Darüber entscheidet der Stadtrat in seiner Sitzung am nächsten Donnerstag. (Foto: Archiv Volk)

Derzeit ist der Vertragspartner der Stadt der Regionalverkehr Oberbayern (RVO), der den Rufbus über seinen Subunternehmer, den Malteser Hilfsdienst, betreibt. Würde die Stadt Traunstein den Rufbus selbst betreiben, würde das etwa das Doppelte kosten, schätzte Kegel. Die Stadt müsste ein eigenes Fahrzeug kaufen für rund 70 000 Euro, einen Busfahrer anstellen (44 000 Euro) und eine Verwaltungskraft für die Koordination der Fahrten (39 000 Euro). Dazu kämen  jährliche Fahrzeugkosten von weiteren 39 000 Euro.

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Malteser stellen im Zweifel ein Ersatzfahrzeug

Zudem, so die Verwaltung, müssten Vertreter angeworben werden, um Ausfälle durch Krankheit und Urlaub zu kompensieren. Abgesehen davon verkehrt der Rufbus an sechs Tagen die Woche – ein Busfahrer würde kaum reichen, um die wöchentliche Stundenzahl abzudecken. Fällt der Bus aus oder kann wegen Wartungsarbeiten nicht eingesetzt werden, gäbe es weitere Probleme. Derzeit stellen die Malteser in derartigen Fällen ein Ersatzfahrzeug. Vom RVO erarbeitete Einsparpotenziale brächten nur geringe Einsparungen, aber deutlich weniger Attraktivität des Angebots wie etwa eingeschränkte Bürozeiten für die Koordinierung oder den Wegfall des Angebots am Samstag, hieß es.

Unabhängig von der Debatte über den Rufbus, für den Erwachsene bisher 1,70 Euro und Kinder 90 Cent zahlen, schlug der RVO der Stadt vor, über eine sogenannte »Abtarifizierung« den Bürgern das Busfahren schmackhaft zu machen. Demnach würde der RVO einen Einheitstarif von einem Euro für Erwachsene und 50 Cent für Kinder anbieten, und zwar auf allen ein- und ausführenden Linien und im Stadtbus. Dafür müsste die Stadt 1,30 Euro für Erwachsene und 70 Cent für Kinder je Fahrt dazu zahlen. Das entspräche laut Vorlage dem Mittelwert der drei im Stadtgebiet denkbaren Entfernungsstufen mit Fahrpreisen von 1,30, 2,30 und 2,90 Euro.

Stadt zahlt maximal 30 000 Euro für »Abtarifizierung«

Anhand der für 2017 ermittelten Zahlen ergäben sich für die Stadt Bruttokosten von 23 000 Euro jährlich. Vorgeschlagen wird ein zweijähriger Probebetrieb, währenddessen die Stadt maximal 30 000 Euro brutto zuschießt.

»Ich empfehle die Weiterführung des Angebots wie bisher«, sagte Oberbürgermeister Christian Kegel (SPD) dazu. Zwar bedeute der Rufbus für die Stadt durchaus eine finanzielle Belastung, doch sei er ein willkommenes Angebot, gerade auch für die ältere Generation. So sah das auch dritte Bürgermeisterin Waltraud Wiesholler-Niederlöhner. »Für manche Bürger würde es sonst schwierig mit der Mobilität«, sagte sie. Besonders der Samstag sei ein beliebter Tag, um mit dem Rufbus in die Stadtmitte zum Markt zu fahren. Auch sollten die Fahrten in der Innenstadt gleich viel kosten wie von Kammer in die Stadt. Auf den Samstag zu verzichten, würde laut Kegel auch gerade mal 20 000 Euro sparen.

Laut Christian Henneke, der bei der Stadtverwaltung für den Rufbus zuständig ist, nehme die Nutzung des Busses stetig zu. »Angefangen haben wird mit 23 bis 25 Fahrgästen, jetzt sind wir bei 40 oder mehr am Tag.« Allein am Samstag nutzten rund 40 Leute den Bus regelmäßig, und das, obwohl er da nur den halben Tag fährt. Womöglich würde bald ein zweiter Bus nötig. Er sprach sich eindeutig für die Beibehaltung des Rufbusses aus.

Oberbürgermeister Christian Kegel schlug vor, mit dem RVO über ein einheitliches Tarifsystem in der Stadt zu reden. Burgi Mörtl-Körner (Grüne) meinte, der Rufbus koste viel Geld, werde aber immer besser angenommen. Sie schlug vor, für Einzelfahrten künftig 2 statt 1,70 Euro zu verlangen, für Kinder 1 Euro, dafür aber verbilligte Jahreskarten anzubieten, um die Attraktivität zu erhöhen. »Wir sollten endlich ein Verkehrskonzept machen, das auch den ÖPNV mitnimmt«. Der Rufbus sei ein gutes Angebot, aber man solle sich überlegen, wie man ihn für Senioren noch attraktiver machen könnte.

Fahrten zum Schwimmbad nehmen zu

Hennecke ergänzte, das Angebot sei bereits attraktiv, endlich nähmen auch die Badefahrten zum Schwimmbad zu. »Auch wenn das nur ein Mosaiksteinchen ist.« Aber er habe bisher keine Beschwerden gehört, »der Rufbus ist eine super Sache.«

Letztlich entschied der Planungsausschuss, den Rufbus auch künftig – vorerst bis 2021 – anzubieten. Aus Gründen der Attraktivität soll keines der vom RVO aufgezeigten Einsparmodelle weiter verfolgt werden. Die Frage der »Abtarifizierung« soll weiter verfolgt werden. Das letzte Wort hat der Stadtrat in seiner Sitzung am Donnerstag nächster Woche. coho