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Der Rücken liebt Bewegung und wenig Stress

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Luise Fehringer aus Siegsdorf (rechts) vermittelte den Teilnehmern, wie viel Spaß Wirbelsäulen-Übungen auf dem Gymnastikball machen können. (Foto: Mergenthal)

Inzell. »Das bricht ihm das Kreuz« oder »Mir ist etwas ins Kreuz geschossen«: Solche Redensarten zeigen, wie wichtig die Wirbelsäule für unsere Gesundheit ist. Rückenprobleme sind heute zu einer Volkskrankheit geworden. Das große Interesse am Gesundheitsforum »Für einen starken Rücken« an der Kritischen Akademie Inzell mit 83 Teilnehmern bestätigte dies.


Petra Müller-Knöß aus der Abteilung Sozialpolitik der IG Metall in Frankfurt verwies in ihrem Eröffnungsvortrag auf die Gesundheitsberichterstattung des Bundes aus Dezember 2012. Demnach hatten 21 Prozent der Deutschen in den letzten zwölf Monaten Rückenschmerzen erlebt. Bei vielen Krankenkassen nehmen Muskel-Skelett-Erkrankungen mit über 20 Prozent einen Spitzenplatz ein.

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Eine Beschäftigtenumfrage der IG Metall zeigte, dass neben körperlich anstrengenden Arbeiten Stress, Sorgen, Zeitdruck und Konflikte privat oder im Betrieb Rückenprobleme fördern. Sorge macht der IG Metall der Umgang mit Arbeitnehmern, die ihre Rückenleiden auf die Belastungen am Arbeitsplatz zurückführen und einen Antrag zur Feststellung einer Berufskrankheit stellen: Bei mehr als 180.000 Krankenhausaufenthalten wegen Erkrankung der Wirbelsäule wurden 2011 gerade mal 5000 Anträge gestellt und nur 388 als Berufskrankheiten anerkannt. Müller-Knöß forderte, das Arbeitsschutzgesetz ernstzunehmen und auch Stress und psychischen Druck zu verringern.

Der Diplom-Sporttherapeutin Susanne Scale gelang es, den Aufbau und die Funktionsweisen des Rückens deutlich zu machen. Ein lebensechtes Modell des Rückgrats war dabei sehr behilflich. Die enormen Belastungen, die das Rückgrat beim falschen Heben von Gewichten ertragen muss, erstaunten die Teilnehmer. Die Notwendigkeit, monotones, dauerhaftes Sitzen zu vermeiden und sich im Alltag möglichst viel zu bewegen, wurde deutlich. Während der bekannte »Ötzi« noch 30 Kilometer am Tag unterwegs war, schafft es der moderne Mensch gerade mal noch 400 Meter weit.

Roland Schmitt von der Berufsgenossenschaft (BG) Energie Textil Elektro Medienerzeugnisse verdeutlichte am Beispiel der Arbeitsplätze für eine Näherin und einen Monteur, wie körperliche Belastungen in den Fabriken reduziert werden können. Zur Frage nach dem optimalen Stuhl sagte er, trotz vieler wichtiger Erkenntnisse gebe es den einen Stuhl, auf dem alle Menschen gut sitzen könnten, immer noch nicht. Durch regelmäßigen Haltungswechsel bei der Arbeit – Sitzen und Stehen sollen im Verhältnis 60 zu 40 Prozent stehen – und die Möglichkeit, sich im Flur oder auf Treppen zu bewegen, ließen sich Belastungen reduzieren, und der Körper werde aktiviert. Einen großen Raum nahmen auch Workshops mit über zehn unterschiedlichen, im Alltag leicht umsetzbaren Bewegungsangeboten ein. vm