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Der Rehwildabschuss wurde zu 99 Prozent erfüllt

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Gehörne, Geweihe und Krucken von Reh, Hirsch und Gams zeigten die Jäger des Landkreises bei der Hegeschau der BJV-Kreisgruppe Traunstein im Waginger Strandkurhaus. (Foto: Buthke)

Waging am See. Im Jagdjahr 2013/14 brachten die Jäger im Landkreis Traunstein 8279 Stück Rehwild zur Strecke. Dies entspreche einer Abschusserfüllung von 99 Prozent, berichtete der für das Niederwild zuständige Jagdberater Anderl Wimmer bei der Hegeschau der Kreisgruppe Traunstein im Waginger Strandkurhaus. Mit einer Abschusserfüllung von 135 Prozent war die Niederwildhegegemeinschaft Traunberge an erster Stelle. Der Bewertungsausschuss vergab beim Rehwild 22 goldene, 23 silberne und 35 bronzene Bewertungsschilder.


Wimmers Ausführungen war weiter zu entnehmen, dass im Landkreis 683 Hasen und 731 Füchse erlegt wurden. Die Schwarzwildstrecke sei mit 31 erlegten Sauen etwa gleichbleibend wie im vorigen Jagdjahr, so der Jagdberater. »Die meisten Sauen konnten in der Hegegemeinschaft Schnaitsee mit 20 und der Hegegemeinschaft Unteres Alztal mit sieben Stück erlegt werden«, so Wimmer.

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Gams wird immer weniger geschossen

Das Gamswild sei weiterhin besonders betroffen von der Neuauflage bzw. Verlängerung der Verordnung über die Aufhebung der Schonzeiten in den Sanierungsgebieten«, erklärte Jagdberater Georg Nusser, zuständig für die Hochwildhegegemeinschaften Chiemgau West und Ost. Die Abschüsse bei der Gams würden sich künftig nach unten bewegen. Als Gründe nannte er ständig schwindende Lebensräume, die Reduzierung des Waldgamsvorkommens und Verjüngungsmaßnahmen in den Sanierungsgebieten.

In der Hegegemeinschaft Chiemgau Ost wurden 221 Stück Gamswild erlegt, was einer Abschusserfüllung von 89 Prozent entspricht. In der Hegegemeinschaft Chiemgau West kamen 154 Stück Gamswild zur Strecke (80 Prozent). Der überwiegende Teil davon wurde in den Staatsjagdrevieren geschossen, denn mit Ausnahme des Gemeindejagdreviers Schleching wurde in den Gemeindejagdrevieren keine Gams mehr erlegt. »Es mangelt sozusagen an der Altersklasse über acht Jahre«, stellte Nusser fest. Da war es kein Wunder, dass bei den Gämsen nur noch ein goldenes Bewertungsschild für einen Einserbock vergeben werden konnte.

»Die Schälschäden sind passé und die Verbisssituation ist als 'tragbar' anerkannt«, sagte der Jagdberater zur Situation beim Rotwild und zog das Fazit: »Der jährliche Abschuss kann so geplant werden, dass zahlenmäßig der jährliche Zuwachs abgeschöpft wird.« Die jagdliche Praxis müsse professioneller und das empfindliche Rotwild wieder sichtbar gemacht werden, lautete seine Forderung. Wintergatter seien oft die letzte Möglichkeit, Rotwild schadlos zu überwintern.

Ein zahlenmäßig angepasster Rotwildbestand sei auch dann nicht in Ordnung, wenn bei den Hirschen die gesamte Altersklasse über zehn Jahre fehle. »Da eigentlich alle Reviere Einserhirsche hatten, aber kein Einziger erlegt wurde, liegt es nicht an der persönlichen Enthaltsamkeit der einzelnen Jäger oder am Wetter, sondern am jahrelangen Fehlen dieser Altersklasse, die vor allem aus wildbiologischen Erkenntnissen für die Sozialstruktur wichtig ist«, so Nusser. Die Jagdzeitverlängerung vor Jahren habe sich als verhängnisvoll erwiesen, denn ein Überhang an alten und reifen Hirschen habe zu keiner Zeit bestanden. Die Folge ist, dass der Bewertungsausschuss heuer beim Rotwild kein einziges Bewertungsschild vergeben konnte.

»Nachtjagd auf Rotwild ist kontraproduktiv«

Die in den Landkreisen Berchtesgadener Land, Rosenheim und Traunstein zur Normalität ausgewachsenen Ausnahmegenehmigungen vom Nachtjagdverbot auf Rotwild seien bayernweit fast einmalig, so Nusser. »Die Nachtjagd auf Rotwild ist und bleibt kontraproduktiv und ist vor dem Ende der Brunft ein wildbiologischer Unfug«, kritisierte er. Auch die über 50 Jahre alte Verordnung über die Ausweisung von Rotwildgebieten in Bayern als Abgrenzung zu den vom Rotwild freizuhaltenden Revieren sei längst fragwürdig. Jeder Neuankömmling wie Wolf, Bär, Luchs oder Biber sei dagegen überall in Deutschland willkommen.

In der Hegegemeinschaft Chiemgau West wurden laut Nusser 162 Stück Rotwild erlegt, 92 davon in den Gemeindejagdrevieren und nur acht in rotwildfreien Gebieten. Die Abschusserfüllung betrug 66 Prozent. In der Hegegemeinschaft Chiemgau Ost wurden 107 Tiere geschossen, davon 104 in den Staatsjagdrevieren. Die Jäger in den Gemeindejagdrevieren konnten ihren Abschuss nur noch zu 15 Prozent erfüllen, während er insgesamt zu 76 Prozent erfüllt wurde.

Über die Seuchenlage berichtete der Leiter des Veterinäramts Traunstein, Dr. Jürgen Schmid. Derzeit bereite die afrikanische Schweinepest, die aus Osteuropa bereits bis nach Polen gelangt sei, große Sorge. Als wichtige Maßnahme gegen die Ausbreitung nannte er die Reduzierung der Wildschweinbestände und die Durchführung des Schweinepestmonitorings. Die Jäger im Landkreis seien aufgefordert, 30 Blutproben beim Veterinäramt abzugeben.

Zur Lage bei TBC sagte Schmid, die Hälfte der untersuchungspflichtigen Rinder im Landkreis seien bereits untersucht, davon alle 189 Almtiere. Beim Rotwild seien 100 Proben genommen worden, die alle negativ gewesen seien. Bei der Tollwut seien das Problem die Warnschilder in den Gemeinden. »Die gehören runter, denn die erhoffte Schutzwirkung kann man vergessen«, meinte der Tierarzt. Sie hätten vielmehr negative Auswirkungen auf vermeidbare Impfungen gerade bei Kindern oder schürten unbegründete Ängste bei den Urlaubsgästen.

Auch die Tiere des Waldes gehörten zu unserer heimischen Kulturlandschaft, betonte Landrat Hermann Steinmaßl. Beim Miteinander der Gestaltung dieser Kulturlandschaft spielten die Jäger eine hervorragende Rolle, denn die Jagd sei ebenfalls ein Kulturgut. Er war auch überzeugt, »dass wir ein Miteinander von Jagd, Land- und Forstwirtschaft als wichtigste Akteure unserer Kulturlandschaft hinkriegen«.

Landkreis will Schutzgebiete vernetzen

Die Hegeschau sei für die Jägerschaft eine gute Gelegenheit zu demonstrieren, was los sei und um Aufklärung zu betreiben. Bereits vor rund zehn Jahren habe der Landkreis die erste Aufklärungsversammlung über das frühzeitige Erkennen und Bejagen von Schwarzwild durchgeführt. »Damals sind wir dafür belächelt worden. Heute zeigt sich, dass dies sehr vorausschauend war«, so Steinmaßl. Der Landkreis plane die Vernetzung von Schutzgebieten. Auch außerhalb des Waldes müsse es Gebiete für das Wild geben.

Auf die große und gemeinsame Verantwortung der Jäger, Jagdgenossen, Politik und Verwaltung für unsere Heimat und Erholungslandschaft wies Wagings Bürgermeister Herbert Häusl hin. Aufgabe der Jäger sei es, das Wild zu hegen und zu pflegen, aber auch für Verständnis dafür zu werben. Die Politik müsse die Rahmenbedingungen schaffen und die Verwaltung diese umsetzen. »Die einzige Möglichkeit, unsere Kulturlandschaft zu erhalten, ist, wenn alle diese Akteure zusammenarbeiten«, stellte der Bürgermeister fest. Bjr