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»Der Mann an der Spitze kommt aus ihren Reihen«

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Direktor Markus Moderegger (von links) sowie die beiden Seminaristen Jacobo Kasumba und Paul Schleifer stehen vor dem Papst-Porträt, das im ersten Stock des Studienseminars hängt. (Foto: Brenninger)

Traunstein. Im ersten Stock des Studienseminars St. Michael gibt es eine kleine Ausstellung mit Schautafeln über den berühmtesten Schüler des Hauses – Papst Benedikt XVI. Einige Jahre verbrachte Joseph Ratzinger im Traunsteiner Seminar auf der Wartberghöhe und ist dort für viele Seminaristen ein Vorbild. »Die Seminaristen haben die Ausstellung in Eigenregie gemacht«, sagt Markus Moderegger, Direktor des Studienseminars.


»Es war wie ein Blitz aus heiterem Himmel«

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Als Papst Benedikt XVI. am Rosenmontag seinen Rücktritt bekannt gab, war im Seminar wegen der Faschingsferien fast niemand. »Ich war gerade auf dem Weg zum Skifahren, als meine Sekretärin angerufen und mir die Nachricht mitgeteilt hat«, erinnert sich Markus Moderegger. »Zunächst dachte ich, es sei ein Faschingsscherz.« Im ersten Moment konnte er sich den Rücktritt auch gar nicht vorstellen, erzählt Moderegger. »Es war wie ein Blitz aus heiterem Himmel«, ergänzt er. »Es ist eine mutige Entscheidung, die ich aber voll respektiere und verstehe.«

Seminarist Jacobo Kasumba lag zu diesem Zeitpunkt mit Mandelentzündung krank im Bett. »Ich habe die Meldung im Fernsehen mitbekommen«, sagt der 15-jährige Schüler, der das Chiemgau-Gymnasium in Traunstein besucht. »Ich war zuerst total geschockt.« Aber, so Kasumba weiter, man solle ihm den Ruhestand nun gönnen. »Mich hat sein Schritt beeindruckt«, ergänzt er. »Es zeigt, dass die Kirche nicht so alt eingefahren ist.« Paul Schleifer, der ebenfalls im Seminar wohnt und auf die Reiffenstuel-Realschule in Traunstein geht, pflichtet ihm bei: »Das war eine mutige Entscheidung«, sagt der 14-Jährige.

Erst eine Woche nach dem Rücktritt war für die beiden Schüler wieder der Schulalltag angesagt. Dennoch, bestätigen beide, war der Papst-Rücktritt auch Tage danach noch das Thema in den Klassenzimmern. »Wir haben im Religionsunterricht darüber gesprochen«, erzählt Paul Schleifer. »Und auch in Geschichte«, ergänzt Jacobo Kasumba. »Jeder hat es gewusst.«

Weil gerade das Seminar einen besonderen Bezug zum Papst hat, machen sich am heutigen Dienstag auch 25 Seminaristen und zehn Angestellte des Seminars nach Rom zur letzten Generalaudienz des Papstes auf, die morgen auf dem Petersplatz stattfindet – auch eine Leserreisegruppe des Traunsteiner Tagblatts wird dort vor Ort sein. »Die Schüler haben von sich aus gesagt, das wäre ganz toll, da runter zu fahren«, sagt Moderegger, »deshalb habe ich die Fahrt dann organisiert.« Seitens der Schulen war es ebenfalls kein Problem – alle die mochten, bekamen für diesen historischen Moment schulfrei. »Es konnten aber nicht alle mitfahren, einige müssen sich auf anstehende Klausuren und Schulaufgaben vorbereiten«, sagt Moderegger. Paul Schleifer und Jacobo Kasumba sind dabei und besuchen erstmals die römische Hauptstadt. Sie werden dabei auch das erste Mal den Papst aus nächster Nähe sehen. »Unsere Klassenkameraden sind schon neidisch«, sagt Kasumba, dessen Großonkel mit Joseph Ratzinger in die Schule gegangen ist. »Als er Papst wurde, war ich gerade in der 3.  Klasse«, erzählt er. »Ich habe das damals aber schon mitbekommen.«

Markus Moderegger war hingegen schon öfters in Rom. Er begegnete dort auch Papst Benedikt XVI. persönlich – letztmals im November 2010. »Für die Jungs ist es etwas ganz Besonderes, die Weltkirche in Rom erleben zu dürfen«, zeigt sich Moderegger überzeugt. »Der Mann an der Spitze kommt schließlich aus ihren Reihen.« Das findet auch Paul Schleifer: »Ich denke schon, dass wir hier alle einen größeren Bezug zu ihm haben.«

»Ratzinger hat eine ganz schöne Steilvorlage geliefert«

Was der Rücktritt des Papstes für die Kirche bedeutet, könne man momentan noch nicht sagen, so Markus Moderegger weiter. »Man wird vielleicht neu über das Papst-Amt nachdenken. Ratzinger hat eine ganz schöne Steilvorlage geliefert«, ist er sich sicher. Nun ist für ihn und die Seminaristen aber vor allem eines wichtig, in Rom dabei zu sein. »Wir wollen einfach da sein und Verbundenheit zeigen«, sagt Markus Moderegger. Paul Schleifer und Jacobo Kasumba haben aber doch auch noch einen großen Wunsch: »Es wäre schon cool, wenn wir ganz nah an Papst Benedikt XVI. ran kommen könnten.« SB