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Der Mais ist heuer so mickrig wie lange nicht mehr

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Hüfthoch ist der Mais auf den Feldern von Landwirt Josef Kaiser aus Höpperding bei Traunstein ... (Foto: Schwaiger)
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... vor genau einem Jahr überragten ihn die Halme seiner Pflanzen schon deutlich. Damals berichtete unsere Zeitung ebenfalls.

Der Mais ist heuer so mickrig wie selten. Dauerregen und Kälte haben ihm stark zugesetzt. Der Unterschied zum vergangenen Jahr ist darum gravierend. Landwirt Josef Kaiser aus Höpperding bei Traunstein hat vor genau einem Jahr von unten auf die Spitzen seiner Maishalme schauen können. Heute reichen ihm die Pflanzen gerade mal bis zur Hüfte.


»Der Mais misst nicht mehr als einen Meter«, sagt Kaiser im Gespräch mit dem Traunsteiner Tagblatt. Vor genau einem Jahr war er mehr als doppelt so hoch. Nein, es ist bislang alles andere als ein ideales Maisjahr gewesen. »Das Meiste ist erst in den letzten zwei Wochen gewachsen«, erzählt der Bauer aus Höpperding. Der viele Regen und die kühlen Temperaturen, die heuer lange herrschten, haben den Pflanzen zugesetzt. Jetzt passt das Wetter einigermaßen – nur, dass es langsam ein wenig trocken wird. »Einen kleinen Spritzer würde der Mais in den nächsten Tagen schon vertragen«, sagt Josef Kaiser. Bang ist ihm aber noch nicht um seine Ernte. »Abgerechnet wird zum Schluss«, meint der Landwirt mit einem Augenzwinkern. In zwei, drei Wochen könne sich beim Mais viel tun.

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Der Mais steckt auch bei Landwirt Johann Jäger aus Pirach bei Fridolfing quasi noch in den Kinderschuhen. Einen Meter sind die Halme auf seinen Feldern etwa hoch. Vor genau einem Jahr hatte der Jungbauer Pflanzen, die bereits auf eine Höhe von 3,15 Metern geschossen waren. »Wir sind heuer in jedem Fall hinten dran«, resümiert Jäger. Er glaubt, dass die Ernteerträge aus dem vergangenen Jahr heuer auf keinen Fall mehr zu erreichen sein werden. »Das ist heuer wirklich kein Vergleich zum vorigen Jahr«, sagt auch Stefan Weiß vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Traunstein. Die Entwicklung sei deutlich zurück. Der extreme Regen Ende Mai, Anfang Juni hätte dazu geführt, dass vor allem im Achental viele Flächen ganz ausgefallen seien. Und die Maispflanzen, die das feuchte Wetter überstanden hätten, hätten kurz darauf gleich noch einen zweiten Dämpfer bekommen. »Dann kam nochmal eine richtig kalte Woche«, erinnert sich Weiß. »Da hat der Mais wieder richtig einen draufgekriegt.« Von den beiden Rückschlägen hätten sich die Pflanzen bis heute nicht erholt. »Wenn jetzt noch Trockenheit eintreten würden, dann wäre das katastrophal«, so der Fachmann.

Das Bild, das sich momentan zeige, sei sehr unterschiedlich – und Stefan Weiß glaubt, dass das bis zum Schluss so bleiben wird. »Die Ernte wird stark auseinanderwachsen«, glaubt er. Der Grund: Dort, wo die Bodenstruktur in Ordnung sei, hätte der Mais noch die Chance, sich auf eine durchschnittliche Ernte zuzubewegen. Wo dies nicht der Fall sei, werde der Mais dauerhaft zu kämpfen haben.

Eine stabile Bodenstruktur kommt laut Weiß nicht von irgendwoher: Landwirte, die etwa auf eine ordentliche Kalkversorgung achten, Zwischenfrüchte anbauen oder nur trockene Felder mit schwerem Gerät befahren, hätten einen viel widerstandfähigeren Untergrund.

Was der diesjährige Mais noch braucht, das bringt der Experte knapp auf den Punkt: »Viele warme Nächte.« san