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Schön geschmückt, vielleicht sogar mit echten Kerzen – so steht der Christbaum in vielen Stuben. Was den Baum zum perfekten Christbaum macht, das muss jeder für sich selbst entscheiden. Foto: dpa-tmn
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Bis aus einem Samen ein Baum in der Christbaumhöhe von rund zwei Metern wird, dauert es rund zehn Jahre. (Foto: Konnert)

Der lange Weg zum perfekten Christbaum

Soll er groß oder klein sein, breit oder schmal, dicht benadelt oder lieber etwas schütter? Soll es eine Weißtanne, eine Nordmanntanne, eine Edeltanne, Coloradotanne oder gar eine Korea-Tanne sein? Sucht man den Baum im Wald wie Anno dazumal, oder in einer der vielen Weihnachtsbaumkulturen? Kauft man ihn im Supermarkt an der Ecke, im Gartencenter oder beim heimischen Gärtner? Vielleicht sogar im Internet, Lieferung frei Haus inbegriffen? Die Rede ist vom Christbaum.


Die Zeiten, wo man am Heiligen Abend in den tief verschneiten Wald ging, um eine Fichte abzusägen, sind längst vorbei. Heute werden fremdländische Tannen– und Fichtenarten für die Christbaumproduktion auf großer Fläche angebaut. Christbaumkauf ist keine einfache Sache mehr, Christ­baumanzucht und -verkauf ein großes Geschäft.

In den vergangenen Jahren wurden in Deutschland jährlich fast 30 Millionen Christbäume verkauft. Um den Bedarf zu decken, werden jährlich bis zu acht Millionen Bäume nach Deutsch­land importiert, die meisten davon aus Dänemark und Irland. Wenn diese dann in den Geschäften, Verkaufsstellen oder Weihnachtsmärkten zum Verkauf bereitstehen, haben sie schon viele Hunderte Straßenkilometer hinter sich. Da auch in diesem Bereich die Frage der Nachhaltigkeit für den Verbraucher immer wichtiger wird, werden Christbäume aus der Region bei uns immer beliebter.

Ob die Bäume in Bayern angezogen wurden, kann man an der Banderole mit dem stilisierten Weihnachtsbaum und der Aufschrift »Bayerischer Christbaum« erkennen. Oder man kauft den Baum gleich bei einem Produzenten aus der näheren Umgebung, wo man ihn sich vor Ort in der Christbaumkultur oft auch selbst aussuchen kann.

Der Deutschen liebster Christbaum ist die Nordmannstanne (Abies nordmanniana). Gut 80 Prozent der Christbäume sind bei uns Nordmannstannen. Der Baum hat weiche Nadeln und eine relativ lange Haltbarkeit, allerdings keinen Duft. Die Nordmannstanne ist im Kaukasus daheim, vom südlichen Russland über Georgien bis in die westliche Türkei. Am gleichmäßigsten wachsen die Bäume in Georgien, in der Region um Ambrolauri. Deshalb sind die Samen von diesen Bäumen sehr begehrt.

Im September werden die Zapfen von den hohen Bäumen geerntet, oft unter schwierigsten Bedingungen. Männer aus den georgischen Dörfern klettern teils sogar ungesichert und ohne Kletterausbildung bis zu 30 Meter an den Bäumen hinauf, pflücken die Zapfen von Hand, sammeln sie in mitgebrachten Säcken oder lassen sie zu Boden fallen. Ist ein Baum abgeerntet, springt so mancher Pflücker wie ein Eichhörnchen auf den Nachbarbaum.

Das hat sich in den vergangenen Jahren auch unter dem Druck der Öffentlichkeit aus den Abnehmerländern Mittel- und Westeuropas deutlich zum Besseren gewendet, die Arbeit bleibt aber mühsam und lebensgefährlich. Die Menschen in den ärmlichen Dörfern des Kaukasus sind auf das Geld vom Pflücken angewiesen, denn es ist oft ihre einzige Einnahmequelle.

Die Zapfen oder Samen werden dann per Flugzeug oder Lkw nach Europa gebracht, wo in Baumschulen die Pflanzen angezogen und später von den Produzenten in Christbaumkulturen angepflanzt und großgezogen werden. Bis ein Baum etwa zwei Meter hoch ist, braucht es bis zu zehn Jahre.

Zunehmend werden auch in Europa Plantagen mit Nordmanntannen angelegt, um dort die Samen zur Christbaumanzucht zu gewinnen, weil dies bedeutend einfacher und ungefährlicher ist, als die Ernte an den Altbäumen im Bestand.

Für die Liebhaber des richtigen »einheimischen« Tannenbaums ist die Weißtanne (Abies alba) zu empfehlen. Sie hat unten silbrig glänzende Nadeln und erfüllt den Raum mit herrlichem Duft. Auch wenn das Nadelkleid schütterer ist als das der Nordmanntanne, so passt sie – so zumindest meine sich aus Kindheitserinnerungen nährende Überzeugung – am besten zu dem Lied »O Tannenbaum…«.

In den USA gibt es gleich mehrere Tannenarten, die als Christbäume dienen. Nicht zuletzt weil dort die Vielfalt an heimischen Tannenarten größer ist, als bei uns in Mitteleuropa. In den teils sehr großen Christbaumplantagen der USA werden die Bäume zu »ideal geformten« Christbäumen mit einem regelmäßigen Formschnitt erzogen. Dazu werden den einzelnen Bäumen kegelförmige Drahtgestelle übergestülpt und alle herausragenden Zweige abgeschnitten. So entsteht der perfekte Baum, wie man ihn aus vielen Hollywood-Filmen kennt, kegelförmig und dicht. Einige der nordamerikanischen Tannenarten werden auch in Europa angepflanzt, sei es zur Gewinnung von Schmuckreisig oder zur Christbaumanzucht. Der Nordmanntanne Konkurrenz machen können sie aber nicht.

Sehr häufig verwendet man in den USA die Frasertanne (Abies fraseri) als Weihnachtsbaum. Dazu beigetragen hat ihr gleichmäßiger pyramidaler Wuchs, ihrer Nadeldichte und ihr regelmäßiger Aufbau mit etagenförmig angeordneten Zweigen. Lange Nadelhaltbarkeit und ein angenehmer Zitronenduft sind ihre Kennzeichen. Dazu kommt, dass sie schwer entflammbar ist, ein Vorteil bei der Verwendung von Wachskerzen. Die Frasertanne wächst sehr langsam und braucht bis zu zwölf Jahre, bis sie die »übliche Christbaumhöhe« erreicht. Inzwischen ist die Frasertanne auch in England der häufigste Weihnachtsbaum.

Aus dem warmen Südwesten der USA kommt die Koloradotanne (Abies concolor), auch amerikanische Silbertanne oder Grautanne genannt. Sie wächst dort in Höhen von rund 3000 Meter. Die bis zu sieben Zentimeter langen, weichen Nadeln, blaugrau bis hin zu stahlblau, machen sie zu einem besonders attraktiven Weihnachtsbaum. Die Nadeln sind sehr haltbar und verbreiten einen angenehmen Duft. Auch für die Produzenten ist der Baum interessant, denn die Koloradotanne wächst schnell, relativ schmal und ziemlich gleichmäßig.

Die Edeltanne (Abies procera oder Abies nobilis) ist im Westen von Nordamerika im Kaskadengebirge beheimatet. Ein intensiver Duft und schöne, weiche und lang haltbare Nadeln zeichnen sie aus. Die etwa drei Zentimeter langen Nadeln sind am Ast waagerecht angeordnet und bürstenartig nach vorn gerichtet. Leider neigt die Edeltanne zu unregelmäßigem Wuchs und wird daher bei uns vor allem zur Schmuckreisiggewinnung angepflanzt.

Eine Tannenart, die wegen ihrer blauen Nadelfarbe und der schmalen Wuchsform ein äußerst begehrter Weihnachtsbaum ist, ist die Korktanne (Abies lasiocarpa var. arizonica). Wie der Name schon sagt, ist sie in Arizona beheimatet. Aus dem Felsengebirge stammt die einzige Fichtenart, die die Ansprüche der »modernen« Christbaumkäufer in etwa erfüllen kann: die Blaufichte oder Stechfichte (Picea pungens). Sie besticht durch eine besondere Nadelfarbe, die zwischen grün und intensiv blau liegt. Ihr Nachteil ist, dass ihre Nadeln stechen und daher das Schmücken schmerzhaft werden kann.

Und welcher ist nun der perfekte Christbaum? Nun, das muss jeder für sich selbst entscheiden – und ob der großen Auswahl gar nicht so einfach herauszufinden, denn jeder hat seine eigenen Vorstellungen vom perfekten Christbaum. Aber kommt es darauf denn wirklich an? Weihnachten kann auch mit einem weniger perfekten Christbaum perfekt werden.

Monika Konnert

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