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"Der Klimawandel setzt den Bäumen immer mehr zu"

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Die mit einem orangefarbenen Punkt markierten Eschen am Sportpark Empfing werden in den nächsten Wochen gefällt. Sie sind vom sogenannten Eschentriebsterben betroffen oder wurden beim Sturm im vergangenen August stark beschädigt. (Foto: Wannisch)

Traunstein – Noch vor 15 Jahren war die Esche ein Zukunftsbaum, gegen die Monokultur in der Forstwirtschaft und als robuster Stadtbaum. Doch seit Längerem macht ein Pilz diesen Laubbäumen zu schaffen.

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Fachleute, wie der Leiter der Stadtgärtnerei, Reinhard Niederbuchner, sprechen vom Eschentriebsterben. »Es betrifft junge wie alte Bäume, zunächst verdorren die Triebspitzen, der Baum vertrocknet von der Krone her, bis er schließlich das Starkholz zersetzt«, beschreibt Niederbuchner das Problem. Ist abgestorbenes Holz dem Wind ausgesetzt, kann er zur Gefahr werden.

Damit es soweit nicht kommt, werden Ende Januar im Stadtgebiet von Traunstein verteilt rund 30 Bäume gefällt. Mehrheitlich vom Eschentriebsterben betroffene 60 bis 70 Jahre alten Bäume, wie an der Salinenstraße, am Sportpark in Empfing oder am Guntramshügel. Aber auch eine Linde am Krankenhaus oder ein Ahorn an der Gabelsbergerstraße müssen weichen. Vor einem Kahlschlag müssen die Traunsteiner aber keine Angst haben, versichert der oberste Stadtgärtner. Es werde nachhaltig gewirtschaftet, und stetig nachgepflanzt.

Im Kernstadtgebiet von Traunstein stehen rund 3200 Bäume; dazu zählen keine forst- und waldähnlichen Flächen oder der Auenwald. Verzeichnet sind die Stadtbäume in einem digitalen Kataster. Über 60 Prozent des Baumbestands in Traunstein setzt sich aus Esche, verschiedene Linden-, Buchen-, Ahorn-, Eichen- und Kastanienarten zusammen. Vor allem heimische Baumarten prägen das Stadtbild. Die ältesten unter ihnen sind zwei rund 160 Jahre alte Hainbuchen; sie sind im Stadtpark gegenüber dem Landratsamt zu finden.

Heimische Bäume haben es zunehmend schwer

Doch die heimischen Bäume haben es zunehmend schwer. Vibration und Feinstaubbelastung durch den Verkehr, Platzmangel durch verdichteten Boden und unterschiedliche Rohr- und Wasserleitungen im Boden, Streusalz und Verletzungen durch Fahrzeuge oder Bauarbeiten – ein Stadtbaum muss an sich schon viel aushalten. »Der Klimawandel – besonders der Wassermangel und lange Trockenphasen – setzt den Bäumen immer mehr zu«, sagt Niederbuchner. Daher ist man auch in der Stadtgärtnerei gezwungen, umzudenken und nach Alternativen zu suchen. Kriterien für Zukunftsbäume sind Faktoren wie Wuchskraft, Lebenserwartung, Pflegeaufwand, Widerstandsfähigkeit und Bruchsicherheit.

Schon jetzt gibt es vereinzelt »Exoten« wie den Eisenholz- und Tulpenbaum, den Ginkgo oder den japanischen Schnurbaum in Traunstein zu entdecken. Auf kurze Sicht wird sich das Stadtbild anhand exotischer Baumarten aber nicht verändern. Die Stadtgärtnerei setzt auch weiterhin auf heimische Baumarten, variiert hier aber zusehends. So will man die Gefahr bannen, dass sich Krankheiten oder Schädlinge ausbreiten und eine große Anzahl von Bäumen befallen.

Heimischen Baumbestand erhalten

Ein Beispiel dafür ist die Crailsheimstraße, eine typische Kastanienallee. Diese will man trotz der Miniermotte, die das Blattgrün der Kastanie schädigt und braun werden lässt, als Kastanienallee erhalten. »Wir setzen hier künftig statt auf die Ross- auf die rotblühende Kastanie«, sagt Niederbuchner. Diese Art sei für die Miniermotte nicht anfällig.

Grundsätzlich ist der Stadtgärtner zufrieden – Traunstein ist für die Zukunft gut aufgestellt. Sein ganz persönlicher Lieblingsbaum ist übrigens der Ginkgo. »Er ist der Ur-Baum, der sich immer durchgesetzt hat und keine Mimose ist.« vew