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Der Kalkofen in Otting ist fertig beschickt

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Sehr sorgfältig wurde auch noch der oberste Teil des Kalkofens abgedeckt – mit kleinen Kalkstein-Brocken, die zuvor aus den großen Steinen zerkleinert worden sind. Kurz vor dem Anzünden des Ofens, das für den 18. Juni terminiert ist, wird darauf noch eine Abdeckung aus Stroh und eine Abdichtung aus Kalkmörtel aufgebracht. (Foto: H. Eder)

Waging am See. Das Brennen von Kalk, der einst vor allem zur Mörtelherstellung diente und heute noch für alte Fassaden verwendet wird, hat in der Gegend um Otting eine lange Geschichte. Allein in der Umgebung von Dieperting, wo der letzte Kalkofen ist, gab es früher ein halbes Dutzend solcher Öfen. Die Tradition lebt weiter: Der Kalkofen bei Dieperting ist fertig beschickt; das heißt, das runde »Silo«, unter dem in einigen Wochen das Feuer entzündet wird, ist bis oben hin aus Kalksteinen aufgeschichtet.


Bereits vor einer Woche wurde das tragende Gewölbe am Grund des Silos fertiggestellt. Das ist eine Art Iglu aus Kalksteinen (wir berichteten). Jetzt wurde über der ersten Kuppel eine zweite errichtet, um die Tragfähigkeit zu unterstützen. Dann wurde der Ofen bis ganz oben aufgefüllt. Die großen, schweren Steine wurden mit dem sogenannten Galgen hinunter gelassen und mit viel Gefühl aufgerichtet, um die Belastung gut zu verteilen. Als der Ofen voll war wurde oben der »Gupf« aufgesetzt. Er besteht aus vielen kleinen Steinen, die ebenfalls sorgfältig angeordnet werden müssen.

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Vor dem Anzünden des Kalkofens wird dieser »Gupf« noch mit Stroh abgedeckt und mit Kalkmörtel gut abgedichtet, damit die Hitze nicht ausströmt. Das Anzünden ist für den 18. Juni vorgesehen. Danach brennt der Ofen gut 100 Stunden – begleitet von einem abwechslungsreichen Veranstaltungsprogramm. Durch das Brennen der Kalksteine, die überwiegend aus Calciumcarbonat bestehen, bei einer Temperatur von rund 1100 Grad, entweicht nach Angaben des Sprechers des Kalkbrenner-Vereins, Franz Gröll, CO2. Dadurch wird der Stein um rund die Hälfte leichter und weiß. Was übrig bleibt, ist Brandkalk. Dieser wird entweder als Brocken oder in Wasser »gelöscht« abgegeben und vor allem bei historischen Gebäuden zum Weißeln verwendet. Dabei ist der Diepertinger Kalk von seiner Farbgebung her eher transparent, also nicht so blendend hell weiß. he