Der Impfbus findet rege Zustimmung – erhitzt aber auch die Gemüter

Landratsamt Traunstein
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Foto: Pültz

Traunstein – In der ersten Sitzung des Kreisausschusses im neuen Jahr am heutigen Mittwoch blickte Landrat Siegfried Walch optimistisch in die Zukunft. Vor allem durch die Anschaffung eines Impfbusses sieht sich der Landkreis in einer bayerischen Vorreiterrolle zur Bekämpfung der Pandemie. Einige Ausschussmitglieder äußerten Bedenken, die beim Landrat jedoch nicht auf Verständnis stießen.


Seit Beginn der Impfungen am 27. Dezember sind im Impfzentrum Altenmarkt nicht nur vier stationäre, sondern auch vier mobile Teams im Einsatz. Es wird also ohnehin bereits viel „unterwegs“ geimpft – trotzdem betonte der Landrat, dass es wichtig sei, die Anfahrtsstecke für impfwillige Bürger in den Randgemeinden des Landkreises zu verkürzen. Zu diesem Zweck wurde ein Impfbus gekauft, der die ideale Ergänzung zum stationären Impfzentrum in Altenmarkt darstellt.

Florian Appelt, Sachgebietsleiter Katastrophenschutz im Landratsamt, stellte den Impfbus dem Kreisgremium ausführlich vor. Der Bus wird in den Farben des Landkreises grün und blau foliert und mit zwei Impfplätzen zum Sitzen und einem zum Hinlegen ausgestattet. Vorerst bis Ende März soll er in einer festen Route zunächst die vier Gemeinden Grassau (Sonntag + Montag/Heftersaal), Fridolfing (Dienstag + Mittwoch/Busterminal Firma Marx), Schnaitsee (Donnerstag/Gelände BRK) und Ruhpolding (Freitag + Samstag/Alte Schule) anfahren. Die Betriebszeiten sind von 9 bis 18 Uhr. Die Anmeldung für einen Termin im Impfbus kann online oder telefonisch erfolgen.

Besetzt ist der Bus mit einem mobilen Impfteam, das aus einem Arzt, einer medizinischen Fachangestellten sowie einer Verwaltungskraft besteht und vor jedem Einsatz per Schnelltest getestet wird. Die Firma Marx stellt nicht nur ihr Gelände in Fridolfing, sondern auch einige ihrer Reisebusfahrer zur Verfügung, die derzeit in Kurzarbeit sind. Jeder Fahrer wird vor Fahrtantritt ebenfalls mittels Schnelltest getestet.

Sobald der Bus nicht mehr gebraucht wird, kann er wieder in den Urzustand zurückgebaut und verkauft werden. Alternativ bestünde die Möglichkeit, ihn als Großraumrettungswagen, z. B. im Fall eines Brandes oder Bombenfundes, einzusetzen.

Impfbus Traunstein
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So soll der Impfbus für den Landkreis aussehen. Foto: Landratsamt Traunstein

Landrat Walch zeigte sich glücklich über den neuen Impfbus, einige Ausschussmitglieder äußerten jedoch ihren Unmut. Dr. Lothar Seissiger (FW/UW) machte sich Sorgen, dass die Technik im Bus ausfallen könnte. Appelt wies dies zurück; der Bus sei mit WLAN und einem LAN-Kabel ausgestattet, außerdem könne das System IMCO im Notfall auch offline arbeiten.

Seissiger wies außerdem darauf hin, dass er bei Hausbesuchen oft Patienten antreffe, die so gut wie nicht mobil seien. Diese Menschen dürften nicht vergessen werden. Walch betonte: „Genau für diese Personen schaffen wir dieses Angebot. Es gibt kein Bundesland mit so vielen Impfzentren und keinen Landkreis mit so vielen Impfstationen wie bei uns.“ Dr. Wolfgang Krämer, Leiter des Staatlichen Gesundheitsamtes, schaltete sich ein und erläuterte, dass von zukünftigen Impfstoffen andere Transport- und Lagerungsmöglichkeiten zu erwarten seien, die sich dann auch für einzelne Hausbesuche eignen würden.

ÖDP-Kreisrätin Dr. Ute Künkele zeigte sich vom Impfbus grundsätzlich überzeugt, setzte sich aber, ähnlich wie Seissiger, für ein Vor-Ort-Angebot pro Gemeinde ein: „Wenn ich von Petting nach Fridolfing mit den öffentlichen Verkehrsmitteln fahren möchte, brauche ich bis zu eineinhalb Stunden. Das ist nicht zumutbar. Es gibt doch in jedem Ort eine Turnhalle, die der Bus anfahren könnte.“ Der Landrat reagierte daraufhin mit offenem Unverständnis: „Das ergibt doch überhaupt keinen Sinn. Wenn der Bus jeden Tag eine unserer 35 Gemeinden anfährt, ist er pro Tag im Monat an einem Ort.“ Insgesamt könnten so viel weniger Menschen eine Impfung erhalten. Es gehe darum, dass mit Hilfe des Impfbusses die Menschen geimpft werden können, die in keinem Heim sind und keine Möglichkeit haben, zum Impfzentrum nach Altenmarkt zu gelangen. Diejenigen, die auch nicht zum Impfbus kommen können, werden die Möglichkeit haben, sich in einem nächsten Schritt vom ortsansässigen Hausarzt impfen zu lassen. „Und noch näher wird’s dann nicht mehr gehen. Niemand wird auf seine Impfung verzichten müssen, nur weil er immobil ist“, bemerkte Walch und beendete damit die Diskussion.

Traunsteins Oberbürgermeister Dr. Christian Hümmer (CSU) bezeichnete die Debatte als „typisch deutsch“: „Natürlich kann man immer alles noch perfekter machen und bis ins letzte Detail verbessern. Aber wir befinden uns momentan in einer Krisensituation – und in dieser geht es zuallererst darum, dass wir unsere Schwächsten schützen müssen und um keine Rundum-Sorglos-Pakete.“ Auch Kreisausschussmitglieder der Fraktionen der AfD, Bündnis 90/Die Grünen und SPDplus begrüßten den Einsatz des Impfbusses.

Weiteres Thema war der Antrag der FW-/UW-Kreistagsfraktion auf Einführung von täglich verpflichtenden Schnelltests für das Pflegepersonal in Altenheimen und ambulanten Pflegediensten. Dr. Krämer, Leiter des Gesundheitsamtes, bezog hierzu Stellung und betonte zunächst, dass aktuell bereits alle impfwilligen Bewohner in den Alten- und Pflegeheimen im Landkreis erstgeimpft wurden. Die notwendigen Zweitimpfungen hätten begonnen und seien bis spätestens Ende Februar abgeschlossen. Medizinisch erscheine es daher nicht notwendig, das Pflegepersonal mit täglichen Abstrichen zu belasten. Die Testung zweimal die Woche sei absolut ausreichend. „Die Impfbereitschaft in den Heimen war im Übrigen sehr hoch“, erklärte Krämer außerdem. „Es gab sogar Nachmeldungen von Menschen, die zuerst skeptisch waren.“

Am Ende der öffentlichen Sitzung gab Landrat Siegfried Walch darüber hinaus bekannt, dass der Landkreis insgesamt 33.800 FFP2-Masken für Bedürftige sowie 13.500 Stück für Pflegekräfte erhalten hat und ab 22. Januar verteilen wird (wir berichteten).

Einen detaillierten Bericht über alle in der Sitzung im Kreisausschuss besprochenen Themen finden Sie in der Donnerstagsausgabe (21. Januar) des Traunsteiner Tagblatts.

JuC

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