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»Der Humor hat uns immer zusammengehalten«

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Seit 65 Jahren glücklich verheiratet sind Johanna und Christian Hohl aus Grassau. (Foto: T. Eder)

Grassau. Auf 65 gemeinsame Ehejahre blicken Johanna und Christian Hohl zurück. Sie haben sich 1946 in Grassau kennen und lieben gelernt und 1948 geheiratet. Glücklich sind die beiden immer noch miteinander und ihr besonderes Rezept für eine glückliche Ehe liegt auf der Hand: viel gemeinsam lachen und nicht streiten.


»Die Not hat uns zusammengehalten«, sagt Johanna Hohl und erinnert sich, wie sie ihren Mann kennengelernt hat. Eigentlich habe er sich zunächst für ihre Schwester interessiert. Doch bei einem Besuch in ihrem Elternhaus verliebte sich Christian Hohl sofort in Johanna, und auch Johanna war begeistert von ihm. Sechs Jahre lang hatte er im russischen Barras gedient, war in Polen zu den Deutschen übergelaufen und mit einem Freund nach Marquartstein gekommen.

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Christian Hohl ist einer von vielen Schwarzmeerdeutschen, die sich in der Ukraine ihre deutsche Identität bewahrt haben. An die Kriegszeit möchte sich der heute 94-Jährige nicht mehr erinnern. Er erzählt lieber von den Jahren in Grassau. Arbeit habe es gegeben, aber kaum jemanden, der dafür zahlen konnte und so verdingte er sich die ersten beiden Jahre in Grassau als Knecht. Dann sei er bei der Firma Beutin beschäftigt gewesen und wechselte zu Körting, bis er im Wasserwirtschaftsamt eine Anstellung fand. Dort blieb er 30 Jahre bis zur Rente.

Johanna habe ihm gleich gefallen, sagt er, und so wurde zwei Jahre nach dem Kennenlernen geheiratet. »Wir hatten nicht viel«, sagt sie dazu. Der Sohn der beiden war bereits geboren und vom Staat bekam damals jeder 40 Mark »Kopfgeld« nach der Währungsreform. »Also mussten wir mit 120 Mark für die Hochzeit auskommen«. Das Hochzeitsgewand wurde ausgeliehen – weil der Sohn ja bereits auf der Welt war, durfte sie nicht in Weiß heiraten und trug daher ein schwarzes Kleid mit weißem Schleier. Die Trauung in der Grassauer Kirche übernahm Pfarrer Johannes Hausladen. Auch Johanna Hohl arbeitete bei der Firma Körting. Zuerst kam die Familie in einer sehr kleinen Wohnung unter, ehe sie von der Firma Körting eine kleine Baracke in Moosbach kaufen konnte. Mit viel Kraftaufwand und noch mehr Ausdauer wurden um diese Baracke feste Mauern aufgezogen und so schließlich ein schönes Haus gebaut. Noch heute lebt das Paar, das einen Sohn und eine Tochter hat, elf Enkel, viele Urenkel und Ururenkel, glücklich in dem Haus mit einem wunderschönen Garten.

»Von Jahr zu Jahr ging es uns besser«, sagt die 86-jährige Johanna Hohl, die mit zehn Geschwistern in Grassau aufgewachsen ist. Beide haben ein Leben lang hart gearbeitet. Meinungsverschiedenheiten habe es schon gegeben, »wir haben aber nie gestritten«, betont Johanna Hohl und Christian Hohl fügt hinzu »und der Humor hat immer zusammengehalten«. Noch heute necken sich die beiden, lachen einander an und sind ganz offensichtlich glücklich. Sie lieben die Natur, kümmern sich gemeinsam um Haus und Garten, gehen spazieren und manchmal auch noch auf den Berg. Auch freuen sich die beiden immer über viel Familienbesuch.

Bürgermeister Rudi Jantke überbrachte einen Gruß von Ministerpräsident Horst Seehofer und gratulierte zum eisernen Ehejubiläum, ein, wie er betonte, seltenes Jubiläum. Gleichzeitig freute er sich, im kommenden Jahr zum 95. Geburtstag von Christian Hohl erneut kommen zu dürfen und die Gastfreundschaft der Familie genießen zu können. tb