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Der Herr der Larven kommt aus Inzell

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Keine Angst vor hässlichen Larven hat der dreijährige Tobias. Kein Wunder, er darf Papa Hans zuschauen, wie sie in seiner Werkstatt entstehen. (Foto: Schick)

Inzell. Im Ranggelsport hat er sich durch Superleistungen einen Namen gemacht – aber auch als Schnitzer von kunstvollen Kramperl- und Perchtenlarven ist der Inzeller Hans Schwabl schon längst kein Unbekannter mehr. Seit etwa zehn Jahren fertigt der 25-jährige Betonschneider Holzmasken von mystischer Schönheit, jede ein unnachahmliches Unikat. Gerade in diesen Tagen hat Hans Schwabl alle Hände voll zu tun. Denn bereits in einigen Wochen, in der Adventszeit und in den Raunächten, treiben die groben Gesellen in ihrem schaurigen Aufzug wieder ihr Unwesen. Da sind seine Larven landauf, landab gefragt.


Dass dabei nicht nur den Kindern der Schreck in die Glieder fährt, versteht man beim näheren Betrachten der Objekte, die in seiner almhüttenähnlichen Werkstatt von den Wänden »stieren«. So, als würden sich die verzerrten Fratzen jeden Moment auf einen stürzen und einem ihre verdrehten Hörner in den Leib bohren …

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Doch Gott sei Dank hat sie ihr Schöpfer gut im Griff und weiß zu jedem Objekt eine Entstehungsgeschichte zu erzählen. Denn bis so ein Schreck einflößendes Konterfei mit Hörnern, Fellzierde und Bemalung vollendet ist, vergehen schon mal, je nach Ausführung zwischen 20 und 30 Arbeitsstunden. Schließlich ist alles Handarbeit, nur der Rohling wird mit der Motorsäge zurechtgeschnitten.

Das Holz bezieht er bevorzugt aus Oberösterreich oder aus der Steiermark. Zirbel- oder Weimutskiefer, seltener auch Lindenholz ist darunter. Danach arbeitet sich der Herr der Larven mit den großen Eisen in das Motiv, um im Anschluss mit den kleineren Schnitzmessern die gewünschte Form heraus zu modellieren und die Maske von innen dünnwandig auszuhöhlen. Denn auch der Tragekomfort mit Polsterung ist wichtig.

Mit dem letzten Schliff mit feinem Schleifpapier ist aber noch lange nicht alles getan: Erst haucht Hans Schwabl den Teufelsgesichtern mit bemerkenswerter Kreativität und Detailverspieltheit noch Leben ein. Nicht jedes Horn, nicht jede Farbe passt zu jeder Maske, da ist viel Sensibilität in der Auswahl der Accessoires gefragt, besonders bei der in Inzell heimischen Kramperllarve. Deren Charakteristik ist seit Generationen unverändert, sagt Schwabl, und das soll so bleiben.

Anders die Perchten: sie können gar nicht »greislich« genug sein. Trotzdem hält er sich auch hier an traditionelle Vorgaben aus den Hochburgen des Ostalpenraums. Darum kann er sich auch nicht damit anfreunden, wenn der überlieferte Brauch für alle möglichen kommerziellen Veranstaltungen »missbraucht« wird: Perchten gehören halt nur in die zwölf Raunächte, um die Wintermächte auszutreiben und die Kramperl dürfen nur am 5. und 6. Dezember mit dem Nikolaus unterwegs sein, heißt sein Plädoyer für das Angestammte. Auf die Nikolauszeit freut er sich schon riesig. Dann stellt er einen von 26 Kramperln dar, aus denen seine »Goaßstoapass« besteht. Hinter welcher Larve er sich verbirgt, bleibt natürlich sein Geheimnis. ls

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