weather-image
27°

»Der hat gesagt, er möcht' mit mir tanzen«

4.8
4.8
Bildtext einblenden
Katharina und Viktor Aman aus Taching am See feiern am heutigen Donnerstag ihre Eiserne Hochzeit, sind also seit 65 Jahren miteinander verheiratet. (Foto: Aman)

Taching am See – Er, der aus Rumänien stammende Flüchtling, den der Krieg nach Taching verschlagen hatte, sie die Tochter des angesehenen Tachinger Schreinermeisters Johann Haller – das konnte im Bayern der Nachkriegszeit eigentlich nicht zusammenkommen.


Aber mit Zuneigung und Beharrlichkeit schafften es Katharina und Viktor Aman nicht nur, die familiären Hindernisse zu überwinden, sondern eine 65 Jahre dauernde, gelungene Ehe zu führen und sich eine solide Existenz aufzubauen. Am heutigen Donnerstag wird Eiserne Hochzeit gefeiert – mit einem Gottesdienst in der alten Tachinger Kirche, in der Katharina getauft und gefirmt und in der das Paar auch getraut worden war, und einem anschließenden Zusammensein beim Bergwirt.

Anzeige

Bei einer Hochzeit in Taching kennengelernt

Es war 1945, als in Taching nach dem Krieg wieder die erste »laute« Hochzeit stattfand. Mit dabei war auch die damals 19-jährige Katharina Haller. Die Erinnerung daran ist lebendig geblieben: »Da war einer im Soldatengwand«, erzählt sie. »Der hat gesagt, er möcht' mit mir tanzen. Da hab ich gesagt: 'Ich kann's aber nicht.' Da hat er gemeint: 'Dann probier ma's halt'.« Ganz offensichtlich hat das Probieren ganz gut geklappt. Denn als sie ihr Vater später zum Heimgehen aufforderte, wollte sie gern noch ein Weilchen bleiben.

Und offensichtlich war auch das Interesse – nicht nur – am Tanzen geweckt; denn in der Zeit danach wurden im kleinen Kreis, im Haus der Schwester, wo es auch ein Grammophon gab, die Tanzstunden fortgeführt – stets mit dabei war »der im Soldatengwand«, Viktor Aman, der damals als Hilfsschweizer (Melker) in der Hofmühle arbeitete.

Ganz offensichtlich war beiden Tanzpartnern schnell klar, dass sie füreinander bestimmt waren. Wie sagte doch Katharina Aman beim Gespräch mit dem Traunsteiner Tagblatt: »Es ist komisch, dass man einen Mann liebt, der nix hat und den man kaum kennt.« Denn sowohl sie wie auch ihr späterer Mann mussten viel Geduld aufbringen. Nur selten konnte Viktor Aman während seiner Zeit in München – wo er Tiermedizin studierte – nach Taching kommen. Sechs Jahre dauerte es, bis er sich unter extrem schwierigen Bedingungen durch sein Studium gekämpft hatte. 1951 machte er sich als Tierarzt selbstständig, und erst dann konnte geheiratet werden: am 28. April 1951.

Viktor Aman kam am 19. Januar 1924 in Temesvar (Rumänien) als einziger Sohn des Lehrers Adam Aman und seiner Frau Elisabeth zur Welt. Er hatte eine gute Kindheit. Er genoss am »deutsch-römisch-katholischen Knabenlyceum Banatia« eine streng katholische Erziehung, und studierte zunächst Mathematik, ehe der Krieg nach nur zwei Semestern seine akademische Laufbahn unterbrach, weil er einrücken musste. Aman hatte Glück, überstand den Krieg unbeschadet und gelangte nach kurzer Gefangenschaft nach Taching.

Das jüngste von fünf Kindern des angesehenen Schreiners

Katharina Haller wurde am 22. März 1926 als jüngstes von fünf Kindern der Schreinerfamilie Haller geboren. Sie unterstützte während des Kriegs ihren Vater in der Werkstatt. Auch war sie auf den Höfen beim »Milchmessen« unterwegs. Und wie alle Mädchen musste sie ein Pflichtjahr absolvieren – auf einem Gut in Eggenfelden, wo sie vor allem in der Bäckerei beschäftigt war.

Ihr Vater hätte für sie allerlei gute Partien mit Männern aus der Gegend eingefädelt, sie aber blieb ihrem Viktor treu – selbst als ihr Vater allmählich zu befürchten begann, dass sie übrig bleiben würde. Er stellte sich nämlich vor, dass Viktor Aman, wenn er denn sein Studium als Tiermediziner beendet hätte, bestimmt eine reiche Bauerstochter ehelichen würde. Das aber geschah nicht, und so erlebte er wenige Wochen vor seinem Tod gerade noch, dass auch seine jüngste Tochter unter die Haube kam.

Das junge Paar bezog eine sehr einfache Zwei-Zimmer-Wohnung in Taching, die bis 1960 als Domizil für sie und die ersten beiden Kinder diente. Die Wohnung war gleichzeitig Praxis, und im Winter musste dort auch das Motorrad eingestellt werden, damit es am nächsten Morgen wieder ansprang. Aber, so Katharina Aman: »Es kommt nicht auf das Geld an. Wenn man sich gern hat, verzichtet man auf vieles.«

So baute sich Viktor Aman unter wenig komfortablen Bedingungen einen Kundenstamm und einen guten Ruf auf. Verfügbar war er zu jeder Tages- und Nachtstunde, bei widrigsten Witterungsbedingungen und durch moderne Behandlungsmethoden. Die Bauern zwischen Taching, Palling und Fridolfing mussten sich zwar erst an den »Flüchtling« gewöhnen, lernten ihn aber schnell schätzen.

Katharina Aman assistierte bei schwierigen Operationen. Sie war daheim für den Telefondienst zuständig, machte die Abrechnungen, führte freundlich, aber bestimmt die Verhandlungen mit den Bauern und mahnte ab und zu auch eine ausstehende Bezahlung an.

Nach 36 Jahren als Tierarzt in den Ruhestand gegangen

1960 wurde das neue Haus an der Almfeldstraße in Taching bezogen, und nach Elisabeth und Viktor kam Nesthäkchen Margarete zur Welt. Die Familie hatte nun endlich genügend Platz, auch für die Praxis im Erdgeschoß. 36 Jahre arbeitete Viktor Aman als Tierarzt, ehe er 1987 in den Ruhestand ging.

Aus den vielen Reisen im Ruhestand wurde aus gesundheitlichen Gründen nichts mehr. So widmeten sich die beiden ihrem Garten, den vier Enkeln und den Hunden. Katharina Aman las sehr viel und gerne, solange es das Augenlicht zuließ. Und immer noch gehen sie gemeinsam spazieren, auch wenn das Katharina nach ihrem Schlaganfall vor fünf Jahren nicht leicht fällt: »Ich hänge dann so an meinem Mann, dass es aussieht, als ob ein verliebtes Paar durchs Dorf geht.« he