weather-image

Der gute Geist hinter dem Krankenhaus-Besuchsdienst

0.0
0.0
Bildtext einblenden
Maria Schmidbauer aus Traunstein erhielt von Bezirkstagspräsident Josef Mederer die Bezirksmedaille. (Fotos: Englmaier/Pressestelle Bezirk Oberbayern)
Bildtext einblenden
Auch Herta Simson wurde mit der Bezirksmedaille ausgezeichnet.

Traunstein – Gleich zwei engagierte Frauen erhielten jetzt als Zeichen der Anerkennung die Bezirksmedaille des Bezirks Oberbayern, weil sie sich in besonderer Weise ehrenamtlich um das öffentliche Wohl in Oberbayern verdient gemacht haben.


Bezirkstagspräsident Josef Mederer erklärte, wie wichtig das ehrenamtliche Engagement jedes Einzelnen sei. Gleichzeitig betonte er die Bedeutung von Vorbildern: »Vorbilder können Mut machen, als Inspirationsquelle dienen oder eine Orientierungshilfe für das eigene Handeln und Tun bieten.« Die ehrenamtlich tätigen Menschen, die der Bezirk mit der Bezirksmedaille ehrt, seien solche Vorbilder.

Anzeige

»Menschen, die sich für Gemeinschaft einsetzen«

»Wir brauchen Menschen, die sich für die Gemeinschaft einsetzen, die ihre Fähigkeiten der Allgemeinheit zur Verfügung stellen. Wir brauchen Menschen, die als Vorbilder gelten können, wir brauchen Menschen, die sich außergewöhnlich stark im Ehrenamt engagieren. Kurz: Wir brauchen Menschen wie sie! Deshalb möchten wir sie für ihre ehrenamtliche Tätigkeit ehren.«

Zu den Geehrten zählt Maria Schmidbauer aus Traunstein. »Sich ehrenamtlich für andere einzusetzen, ist für sie seit vielen Jahrzehnten eine Selbstverständlichkeit. Seit mehr als einem halben Jahrhundert hilft sie im katholischen Frauenbund Traunstein«, so Mederer. Besonders segensreich sei dabei ihre Tätigkeit beim ehrenamtlichen Besuchsdienst im Krankenhaus Traunstein – ein Service, den Schmidbauer 1981 erst gegen Widerstände durchsetzen musste, der heute aus dem Klinikalltag aber nicht mehr wegzudenken sei.

»Wir schenken Zeit statt Blumen« – für andere mit einer helfenden Hand da zu sein, sei das Motto, dem Schmidbauer und ihr Besuchsdienst treu blieben. Der kostenlose Dienst der ehrenamtlich tätigen und fachlich geschulten Frauen orientiere sich an den Bedürfnissen der Patienten im persönlichen Bereich während ihres stationären Aufenthalts. Er verstehe sich als ergänzendes Angebot zur professionellen medizinischen Versorgung.

Getreu dem Motto »Zeit haben – zuhören, einfühlen und helfen«, gehörten dazu Gespräche am Krankenbett, die Begleitung Schwerkranker und Sterbender sowie deren Angehöriger. Wichtig sei auch die Hilfeleistung für verunglückte und erkrankte Urlauber und die Mitbetreuung von deren Angehörigen.

Bei alleinstehenden Patienten, gerade, wenn sie unverhofft ins Krankenhaus müssen, schauten die Frauen des Besuchsdienstes auch mal nach der Wohnung, »schließen Fenster, bringen Haustiere ins Tierheim und besorgen dringend notwendige Sachen für den Krankenhausaufenthalt.«

Trägerin der Bayerischen Verdienstmedaille

Ihr segensreiches Engagement sei bereits mit der Bayerischen Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland, mit dem Bayerischen Verdienstorden und der Goldenen Ehrenamtskarte des Landkreises Traunstein gewürdigt. Der Bezirk Oberbayern fügt diesen Ehrungen nun die Bezirksmedaille hinzu. Ebenfalls geehrt wurde Herta Simson aus München, die ehrenamtlich den Aufbau und die weitere Entwicklung des Hospizdienstes im Landkreis Traunstein vorangebracht hatte. Zuvor war sie selbst als Hospizbegleiterin tätig – ebenso ehrenamtlich im Krankenhausbesuchsdienst speziell auf der Onkologischen Station. Diese Erfahrungen brachte sie dann in ihr ehrenamtliches Engagement beim Hospizdienst ein.

»Nicht dem Leben mehr Tage, sondern den Tagen mehr Leben geben« – das Motto der modernen Hospizbewegung hat Herta Simson in England kennen gelernt. Aus den Erfahrungen entstand bald der Wunsch, die Hospizarbeit im Landkreis Traunstein zu etablieren. 1994 wurde der Ambulante Hospizdienst gegründet, der bis heute am Caritaszentrum Traunstein angesiedelt ist. Herta Simson arbeitete nicht nur ehrenamtlich als Hospizbegleiterin, sie kümmerte sich auch um die Ausbildung von weiteren Ehrenamtlichen und das Thema Öffentlichkeitsarbeit. 1999 übernahm sie den Vorsitz im Hospizbeirat am Caritaszentrum. Außerdem engagierte sie sich im Vorstand des Vereins Netzwerk Hospiz. Dieser ist ein Förderer des Hospizgedankens und der Palliativmedizin. Er bietet auch Ethikberatung für Patienten, Angehörige, Hausärzte und Fachkräfte.

Definitiv keine Sterbehilfe

Wichtig war es Simson immer, mit einem negativen Bild zur Hospiz aufzuräumen. »Viele setzen das mit Sterbehilfe gleich, was es aber definitiv nicht ist«, erklärt Simson. Heute ist die Hospizbewegung im Landkreis Traunstein dank des unermüdlichen Einsatzes von Simson nicht mehr in der Aufbauphase, sondern gefestigt. Allein beim Ambulanten Hospizdienst sind derzeit mehr als 50 Helfer im Einsatz; vor 20 Jahren waren es gerade mal drei bis vier. Herta Simson unterstützt mit ihrer Stiftung die Hospizarbeit im Landkreis Traunstein auch finanziell.

Für dieses menschlich-soziale ehrenamtliche Engagement für schwerst kranke und sterbende Menschen verleiht ihr der Bezirk Oberbayern die Bezirksmedaille. Diese Anerkennung reiht sich ein in Ehrungen wie die Pater-Rupert-Mayer-Medaille des Caritasverbands und das Große Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland. fb