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Der größte Teil der Exponate lagert nach wie vor im Speicher

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Viele Raritäten befinden sich – für die Öffentlichkeit nicht zugänglich – im Speicher der Reit im Winkler Schule. Die Aufschriften auf den Skiern sind noch von Otto Langer, der die Sammlung abgeschlossen und verkauft hat. (Fotos: Ostermaier)
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Eine kleine, feine Auswahl der Sammlung ist im Skimuseum in der Grundschule ausgestellt.

Reit im Winkl – Ist es nun ein Fluch oder ein Segen für eine Gemeinde, wenn sie etwas ganz Außergewöhnliches erwerben kann, etwas historisch Einzigartiges und gleichzeitig touristisch Bedeutsames? Genau vor diese Frage sah sich Reit im Winkl vor rund 20 Jahren gestellt und es wurde im Gemeinderat damals heftig diskutiert, ob der Ankauf der bis dato als weltweit größten Sammlung von Skiern sinnvoll sei oder nicht: Eine weit über die nationalen Grenzen hinaus bedeutsame Sammlung an Skiutensilien, das passe zum Wintersportort Reit im Winkl, meinten die einen. Was aber bloß machen mit all den mehr oder minder ausstellungswürdigen Exponaten, erwiderten andere. Die Gemeinde jedenfalls ergriff damals diese Chance, kaufte für 100 000 Mark rund 2500 verschiedene Exemplare an Skiern aus verschiedenen Jahrhunderten und zudem kistenweise Skiausrüstungen, vorwiegend Bindungen und Schuhe, und lagerte sie zunächst ein. Der überwiegende Teil dieser Ansammlung lagert bis heute. Eine kleine, feine Auswahl dagegen wird im Skimuseum in der örtlichen Grundschule ausgestellt.


Otto Langer, wohnhaft in Rohrdorf, hatte – wie sein Vater und Großvater vor ihm – über Jahrzehnte diese Ansammlung zusammengetragen, hatte Herstellerfirmen um Belegexemplare aktueller Ski- und Bindungsmodelle gebeten, war auf Sportartikelmessen auf der Jagd, hatte Sperrmüllsammlungen durchforstet, hatte getauscht und gehandelt. Und er hatte sich im Laufe vieler Jahre ein Sammelsurium zusammengesammelt, das die Lagerkapazitäten seines kleinen Anwesens unweit von Pfaffenhofen an der Ilm schließlich immer mehr überstieg. Anfang der 90er Jahre war er schließlich bemüht, sein Lebenswerk zu veräußern, seine Nachfahren zeigten wenig Interesse an diesem einzigartigen Schatz. Eine lukrative Offerte aus Japan schlug er aus, wie er damals erzählte, er wollte diese Sammlung in seinem Heimatland behütet wissen. So entstand über den mittlerweile verstorbenen ehemaligen Reit im Winkler Gymnasiallehrer Dr. Alfons Egger der Kontakt zum Ort Reit im Winkl. Und der entschloss sich schließlich zum Kauf. Zum Kauf von höchst seltenen Schneereifen, Tret- und Schneeschuhen, nordischen Laufskiern, Monoskiern, Sprungskiern und Militärskiern, Gleit- und Abstoßskiern, Schuhen und Bindungen- die Fülle an Material dieser Sammlung aus über dreihundert Jahren ist unbeschreiblich. Darunter sind auch komplette Serien von Bindungen verschiedener Marken, die teils schon längst nicht mehr existieren. Kuriose Prototypen, deren Sinn sich im Nachhinein lediglich auf deren Entwicklung beschränkte, kostenintensive Sonderanfertigungen, aber auch Erfolgsski namhafter Skistars und -legenden.

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Es dauerte bis in das Jahr 2002, ehe in einer ehemaligen Wohnung im Untergeschoß der Reit im Winkler Schule mehrere Räume zu einem schmucken Skimuseum umgebaut werden konnten. Eine behutsam ausgewählte Anzahl an Skigerätschaften, ergänzt mit Schautafeln und Exponaten namhafter Größen des Wintersportes, werden hier gezeigt. »Wir versuchen aber auch immer wieder, Ausrüstungsgegenstände aktueller Stars zu erhalten oder die Geschichte des Wintersportes mit modernen Ausstellungsgegenständen fortzuschreiben«, sagt Franz Höflinger. Der ehemalige Amtsrat kümmert sich, zusammen mit weiteren Mitstreitern, von Anfang an um die außergewöhnliche Skisammlung. Der weitaus größere Teil der Langer Sammlung lagert aber immer noch drei Stockwerke höher, im Speicher des Schulgebäudes. Ob diese vielleicht doch irgendwann in einem größeren Museum gezeigt werden kann, wie dies vor 20 Jahren angedacht war, das sei derzeit sehr ungewiss, erklärt Bürgermeister Josef Heigenhauser auf Anfrage. So kann Reit im Winkl zwar sein kulturelles Angebot mit dem höchst interessanten Skimuseum bereichern. Er sieht sich aber auch in der Pflicht, den Großteil der einzigartigen Sammlung lediglich zu erhalten, ohne aber diesen öffentlich präsentieren zu können. ost