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Der Geruch von Leder liegt in der Luft

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Die Ausstellung »Schusterbude« im Moor- und Torfmuseum ist noch bis Ende Oktober zu besichtigen. (Foto: T. Eder)

Grassau. Man riecht das Leder und wartet förmlich darauf, dass sich Franz Lindlacher auf seinen Stuhl setzt, Leder über den Leisten spannt und beginnt, einen neuen Schuh entstehen zu lassen. Am Tag der offenen Werkstatttür präsentierte der Museumsverein Torfbahnhof Rottau die Ausstellung »Schusterbude« im Moor- und Torfmuseum. Anlass hierzu gab der 100. Geburtstag, den der Firmeninhaber Franz Lindlacher am 2. April hätte feiern können.


Ein Zeitzeuge erinnert sich zurück

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1950 hatte Schuhmachermeister Franz Lindlacher den Schuhmacherbetrieb Beuthin übernommen und eine kleine Schuhfabrik an der Bahnhofstraße in Grassau eröffnet. Bis zu 15 Beschäftigte hatte Lindlacher. Gerne erinnerte sich der letzte Lehrbub, Franz Kolbeck, der ebenfalls die Ausstellung besuchte, an diese Zeit in der Werkstatt, die liebevoll als »Schusterbude« bezeichnet wurde, zurück. Lindlacher sei ein besonderer Lehrherr gewesen, stets freundlich und ausgeglichen, der auch viele Späße vertrug und nie nachtragend war. »Ein feiner Mensch«, sagte Kolbeck anerkennend.

Lindlacher gelang es in den sechziger Jahren, den Ruf der kleinen Schuhmacherei weit in die Welt hinauszutragen, denn er fertigte den »Grassauer Sportschuh« und zudem Skistiefel. Namhafte Sportler ließen sich in Grassau ihre Füße vermessen und die Schuhe anfertigen. Dass dieses Handwerk nicht einfach war und viel Gefühl und Wissen erforderte, darüber sprach Kolbeck ebenfalls. Er beschrieb aber auch das Leben in der »Schusterbude«, in der es immer schön warm gewesen sei, viel gearbeitet wurde und es immer lustig zuging.

Noch zu Lebzeiten verschenkte der im März 2005 verstorbene Franz Lindlacher seinen kleinen Betrieb an den Verein für Technik und Industriegeschichte mit dem Wunsch, man möge diese für die Nachwelt erhalten. 2005 öffnete der Verein dann die »Schusterbude« als Geschichtswerkstatt an der Bahnhofstraße. Nachdem das alte Gebäude abgerissen werden sollte, wurde ein neuer Platz gesucht und im Museumsgebäude des Torfbahnhofs Rottau zwei Räume für die Geschichtswerkstatt bereitgestellt. Alle Maschinen konnten hier nicht ausgestellt werden, dennoch gelang es dem Verein, eine authentische Ausstellung zusammenzufügen. Werkzeuge, Pressen und auch Nähmaschinen sind zu bewundern, und durch ein Fenster kann man auch einen Blick auf die vielen Leisten werfen.

»Schusterbude« kann bis zum Spätherbst bleiben

Die Tage der »Schusterbude« im bayerischen Moor- und Torfmuseum sind aber gezählt (wir berichteten). Der Museumsverein Torfbahnhof Rottau hat sich entschieden, diese Ausstellung, die so gar nichts mit dem Exponat Torfbahnhof gemein hat, aufzulösen und sucht nun einen geeigneten Platz für die »Schusterbude«. Noch bis zum Spätherbst kann die Schusterbude aber bleiben und zu den Öffnungszeiten des Museums besichtigt werden. tb