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Der geplante Jungfernflug fiel ins Wasser

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Die Paketstation mit Landeplatz für den Paketkopter steht direkt am Einstieg zur Langlaufloipe, gleich neben Tourist-Info und Maibaum. Auf dem Zaun rund um die Station steht »Sicherheitsbereich«.

Reit im Winkl – Kälte mag die Drohne nicht. Einen Test mit einem Paketkopter unter winterlichen Bedingungen in Reit im Winkl musste die Deutsche Post vor wenigen Tagen abblasen. Das Wetter habe nicht mitgespielt, hieß es offiziell. Womöglich hat aber noch mehr nicht gepasst. Hinter vorgehaltener Hand heißt es, es habe auch technische Probleme mit dem unbenannten Flugobjekt gegeben – wohl nicht die ersten. Bei Tests an der Nordseeküste setzten Sturm und Regen der Drohne zu.


Die Wetterbedingungen entlang der geplanten Flugroute in Reit im Winkl hätten nicht zugelassen, »einen optimalen Jungfernflug durchzuführen, der den von uns gesetzten Mindeststandards entspricht«, heißt es in einer Stellungnahme der Post. Die Tests würden jedoch fortgesetzt und ein neuer Termin für den Jungfernflug der fortentwickelten Drohne anberaumt.

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Zwölf Kilo schwere Drohne soll acht Kilometer fliegen

Das Ziel ist klar: Die Post will Pakete in dünn besiedelte Gebiete aus der Luft liefern. Absetzen soll der Paketkopter seine bis zu zwei Kilo schwere Ladung an einer eigens dafür geschaffenen Paketstation. Versuchsflüge gab es bereits 2013 über dem Rhein in Bonn und 2014 an der Nordsee. Bei dem Test in Reit im Winkl sollte die zwölf Kilo schwere Drohne acht Kilometer fliegen und 500 Meter Höhenunterschied hinauf zur Winklmoosalm schaffen. Fernsehteams hatten schon zugesagt, doch am Tag davor kam die Absage.

Die Post ist nicht das einzige Unternehmen, das an der Paketzustellung aus der Luft arbeitet: Unter anderem beschäftigt sich auch der weltgrößte Online-Händler Amazon seit Jahren mit dem Thema. Ende vergangenen Jahres hatte das Unternehmen die zweite Version der Amazon-Drohne vorgestellt, die rund 24 Kilometer fliegen können soll.

Die US-Flugaufsichtsbehörde FAA zeigt sich allerdings sehr vorsichtig, wenn es um den kommerziellen Einsatz kleiner Drohnen geht. Kritiker warnen unter anderem vor Gefahr durch Abstürze etwa wegen schlechter Wetterbedingungen und Chaos in der Luft, wenn zu viele Lieferdrohnen unkoordiniert unterwegs sein sollten.

Vielen Touristen in Reit in Winkl ist das futuristische Experimentierfeld im Ort nicht geheuer: Der untere Teil ähnelt einer mobilen Paketstation, auf dem Dach ist der Landeplatz für den gelben Paketkopter, der aussieht wie ein Modellflugzeug. Auf dem Zaun rund um die Station steht: »Sicherheitsbereich« – eine Warnung vor Flugbetrieb.

Für Kopfschütteln sorgt auch der Ort, der für das Experiment ausgesucht wurde. Die Station steht direkt am Einstieg zur Langlaufloipe, gleich neben Tourist-Info und Maibaum. In der winterlichen Alpenidylle wirkt der Versuchsaufbau wie von einem fernen Stern. Urlauber bleiben stehen und diskutieren, was es mit dem gelben Klotz im Schnee wohl auf sich hat.

Auf Schildern informiert die Post, dass es sich um ein zeitlich befristetes Forschungsprojekt in Zusammenarbeit mit der Uni Aachen handelt: »Nach dem Winter werden die Packstationen komplett zurückgebaut und die Grundstücke können wieder landwirtschaftlich genutzt werden.« Tatsächlich soll die Versuchsanlage Ende März verschwinden. An eine Verlängerung wird bei der Post nicht gedacht – noch nicht.

Flüge versetzen viele Anwohner in Sorge

Auf Wunsch der Post hatte sich der Gemeinderat von Reit im Winkl in nichtöffentlicher Sitzung mit dem Projekt befasst. Als die Pläne durchsickerten, regte sich prompt Widerstand. Die zentrale Lage des Testfelds sei viel zu kostbar und müsse allein dem Tourismus vorbehalten bleiben, hielten Hoteliers und Vermieter von Ferienwohnungen der Rathausspitze vor. In einem offenen Brief an Bürgermeister Josef Heigenhauser hieß es, allein schon die Ankündigung der Flüge »versetzt viele der betroffenen Anwohner in Reit im Winkl in Sorge«.

Alles halb so wild, sagt der Rathauschef von Reit im Winkl. Der Initiator des Schreibens stamme gar nicht aus dem 2300 Einwohner zählenden Dorf. Die Zusammenarbeit mit der Post sei professionell. Heigenhauser nennt es im Nachhinein freilich »unglücklich«, die Aktion anfangs geheim gehalten zu haben. »Die Warnlampen sind angegangen.« Zumindest die betroffenen Grundstücksanlieger hätte er informieren sollen, so der Rathauschef. Dem Tourismus habe das Drohnen-Experiment aber nicht geschadet – im Gegenteil: »Die Sache hat uns weltweit Aufmerksamkeit beschert.« dpa