weather-image
22°

Der Finanzcrash ist unausweichlich

3.7
3.7
Bildtext einblenden
Um Wege aus der Finanzkrise ging es bei Veranstaltungen in der Berufsschulaula und im Rathaus. Ökonom Matthias Weik (von links), Chiemgauer-Vorstand Christophe Levannier, Chiemgauer-Initiator Christian Gelleri, Traunsteins Oberbürgermeister Christian Kegel und Ökonom Marc Friedrich freuten sich über das große Interesse.

Traunstein – Viele Zuhörer kamen zu einer Veranstaltung der beiden international erfahrenen Ökonomen und Buchautoren Marc Friedrich und Matthias Weik in der Traunsteiner Berufsschulaula mit ergänzendem Workshop im Rathaussaal. Beide Schwaben landeten mit ihren provokanten Büchern »Der größte Raubzug der Geschichte« (2012) und »Der Crash ist die Lösung – warum der finale Kollaps kommt und wie Sie ihr Vermögen retten« (2014) Besteller, die zu den erfolgreichsten Wirtschaftsbüchern 2013 und 2014 wurden.


Auf Einladung des Regionalgeldvereins »Chiemgauer« zeigten Friedrich und Weik in einer Analyse die Ursachen und Hintergründe auf, warum aus ihrer Sicht das gegenwärtige Finanzsystem zum Scheitern verurteilt ist und wie nachhaltige Lösungsstrategien aussehen können. Einbezogen wurden dabei auch zahlreiche Fragen der Zuhörer. Wie Friedrich erklärte, hätten er und Weik zu Zeiten des aufblühenden Neuen Marktes vor der Jahrtausendwende studiert und seien selbst überzeugte Verfechter des »Turbokapitalismus« gewesen.

Anzeige

Ein Aufenthalt in Argentinien habe Friedrich 2001 seinen Worten nach die Augen geöffnet und »alle bisherigen Werte völlig auf den Kopf gestellt«: Er erlebte die dortige Staatspleite am eigenen Leib mit, die Entwertung von Geld und Versicherungen, bürgerkriegsähnliche Zustände und in der Folge den Niedergang des Mittelstands. Seitdem haben sich er und Weik – parallel zu Aufenthalten im Ausland – mit der Geschichte von Geldsystemen, Finanzkrisen, Staatspleiten und Lösungsmodellen beschäftigt.

Aufgrund von mathematischen und historischen Gewissheiten sei das derzeitige, auf ungebremstes Wachstum ausgelegte Geldsystem des Euros zum Scheitern verurteilt. »Spätestens seit 2010 liegt der Euro sterbenskrank auf der Intensivstation«, so Friedrich. Mit immer neuen Rettungspakten und Geldspritzen seien die Krisenverursacher, also Banken und die Finanzindustrie vor der Pleite gerettet worden. Die anfangs versprochenen Regulierungsmaßnahmen habe man aber nicht realisiert.

Wichtig sei, so die beiden Bestsellerautoren, dass jeder einzelne Vorsorge treffe, um die Folgen eines Finanzcrashs abzufedern. Lebensversicherungen und staatliche Vorsorgemodelle wie Riester/Rürup, Bausparvertrag und Anleihen sowie Aktien erhielten von den Referenten als »reine Papierwerte« und aufgrund von »manipulierten Märkten« schlechte Noten. »Setzen Sie auf das, was sie verstehen und anfassen können«, rieten die Experten. Dazu gehören Edelmetalle wie Gold und Silber, die man, so die Empfehlung, anonym im Tafelgeschäft erwerben sollte, oder Investments in Obstwiesen, Wald und Acker. In Frage kommen auch direkte Unternehmensbeteiligungen.

Der feste Besitz mache Immobilien zwar attraktiv als sichere Anlageform, Abstriche gebe es aber aufgrund von Besteuerungen und künftiger Unterhaltskosten. Christian Gelleri, Initiator des »Chiemgauer«, zeigte auf, wie die Regionalwährung im Lauf der letzten elf Jahre zunehmend Vertrauen bei Verbrauchern und Unternehmen gefunden habe. Inzwischen habe das Modell für viele internationale Initiativen Vorbildwirkung. Gründe für die gute Resonanz seien das Vertrauen und die Unterstützung regionaler Projekte. Der Chiemgauer sei zwar an den Euro gekoppelt, könnte im Fall eines Crashs aber auch schnell zur Ersatzwährung ausgebaut werden, so seine Worte. Christophe Levannier, Vorstand des Vereins »Chiemgauer«, erklärte, die Vereinigung habe sich die Bildung und Forschung über das Gemeinwohl auf die Fahnen geschrieben, dazu die Stärkung der regionalen Wirtschaft und den Bewusstseinswandel für alternative Wirtschaftsformen. Bereits Michael Ende habe vor über 40 Jahren die problematische Abhängigkeit von Geldsystemen in seinem Klassiker »Momo« aufgegriffen. Dieser sei heute aktueller denn je. fb