weather-image
25°

Der eigentliche Sinn ging weitgehend verloren

5.0
5.0
Bildtext einblenden
Die Ursprünge des Adventskalenders reichen zurück ins 19. Jahrhundert.
Bildtext einblenden

Der Advent spielt sich für immer mehr Menschen zwischen Back-Marathon und Einkaufs-Wahnsinn ab. Dabei ist jetzt die »stade« Zeit, in der wir uns auf das Fest der Geburt Jesu vorbereiten sollen. Früher haben allerlei Bräuche die Menschen auf den Heiligen Abend hingeführt. Einige davon sind noch lebendig, andere fast vergessen. Brauchtumskenner Siegi Götze aus Marquartstein erinnert in der Adventsserie des Traunsteiner Tagblatts an die vielfältigen Weihnachtsbräuche und ihre Ursprünge. Heute: der Adventskalender.


Der Adventskalender ist, wenn auch in stark veränderter Form und ebenso stark verändertem Sinngehalt, auch heute noch Teil der Zeit vor Weihnachten. Ursprünglich ging es darum, sowohl Kindern als auch Erwachsenen den Weg zu einer christlichen Weihnacht zu weisen. Das hatte sich wohl auch die Mutter von Gerhard Lang, eine Pastorengattin aus dem Schwäbischen in den Jahren zwischen 1881 bis 1890 gedacht, als sie ihrem Sohn Gerhard einen selbstgebastelten Kalender mit 24 Fenstern für die Zeit vor Weihnachten geschenkt hatte, die dieser nach und nach hatte öffnen dürfen. Sinn und Zweck des Ganzen war die Hinführung auf das Christfest, zur Erinnerung an die Geburt Christi im Stall zu Bethlehem.

Anzeige

Nicht selten verbargen sich in der Folgezeit Sinn- beziehungsweise Bibelsprüche oder religiöse Symbole aller Art hinter dem jeweiligen Fenster. Das änderte sich nach und nach. Ab dem Jahr 1900, als der Adventskalender erstmals serienmäßig gedruckt wurde, erschienen Bilder, die zunächst auch noch einen direkten Bezug zu Weihnachten aufwiesen wie zum Beispiel Engel, Sterne und am 24. Dezember hinter einem Doppeltürchen die Darstellung einer Krippe mit dem Jesuskind darin. Auch verschneite Tannenbäume, glitzernde Sterne oder Glocken konnte man da entdecken, wenn man als Kind, meist noch kurz vor dem Ins-Bett-gehen, das nächste »Türl« öffnen durfte und wusste, dass wieder ein langer Tag des Wartens auf Weihnachten vorbei war.

Um das Jahr 1960 herum gab es dann die ersten süßen Überraschungen, die sich hinter den Türchen des Kalenders verbargen, und später dann waren nicht selten Dinge drin, die an den Inhalt von Kaugummi-Automaten erinnerten. Der eigentliche Sinngehalt eines Adventskalenders ist, bis auf wenige Ausnahmen, heute nicht mehr präsent.

Übrigens: Während des Zweiten Weltkriegs war wegen Papierrationierung bis auf eine einzige Ausnahme den Verlagen der Druck von Adventskalendern verboten. Lediglich der Verlag, der »Mein Kampf« druckte, durfte noch Adventskalender herstellen, nachzulesen in Paul Werners »Weihnachtsbräuche in Bayern«. Erst im Jahr 1949 gab es dann wieder Adventskalender mit christlichen Inhalten. fb