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Der Dialekt ist noch kein Selbstläufer

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Sie kommen jedes Jahr zur Versammlung des Vereins »Verein Bairische Sprache und Mundarten Chiemgau-Inn« nach Traunstein und erhielten dafür einen extra Applaus: Gabriele Mai und Jörg Mühlheim aus Schleswig-Holstein. (Foto: Waldherr)

Traunstein. Der Verein »Bairische Sprache und Mundarten Chiemgau-Inn« hat derzeit 705 Mitglieder, 31 davon kamen im vergangenen Jahr hinzu. Dies wurde bei der Jahreshauptversammlung im Sailer-Keller bekanntgegeben. Für die musikalische Umrahmung des Nachmittags sorgten »Heine Albrecht (Ziach) und seine Musikanten«, Elisabeth Anfang (Harfe) und Florian Seestaller (Kontrabass). Ein besonderer Applaus galt Gabriele Mai und Jörg Mühlheim aus Schleswig-Holstein, die jedes Jahr extra wegen der Versammlung nach Traunstein kommen.


Vorsitzender Rudi Mörtl betonte, wenn sich auch derzeit viele Menschen, Geschäfte und Veranstalter wieder ihrer Muttersprache besinnen, so sei der Dialekt noch kein Selbstläufer, sondern würde wieder verschwinden, wenn man nicht dranbleibt. Mörtl berichtete von einem Brief, den er im Namen des Vereins an den Bayerischen Rundfunk zum Thema Dialekt geschrieben hat. Diesen haben viele maßgebliche Funktionsträger aus Politik und Kultur und Personen des öffentlichen Lebens in der Region und darüber hinaus mit unterschrieben. Die Landtagsabgeordnete Ingrid Heckner habe parallel dazu einen eigenen Brief an den BR geschrieben. »Es ist wichtig, dass uns diese Leute nicht allein gelassen, sondern uns dabei unterstützt haben und wir mit einem gewissen Gewicht und Druck auf den Bayerischen Rundfunk einwirken können«, sagte Mörtl. Man müsse die Sendungen des BR weiterhin beobachten und schauen, ob der Brief Wirkung zeigt und was dabei heraus kommt.

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Siegi Götze erzählte »a bissl was zum Gsundlacha« aus der Feder von Toni Lauerer. Zuerst lobte er Rudi Mörtl und den Verein, dass sie sich so für die »boarische Sprach« einsetzen und dass auch mit dem Vereinsvermögen verantwortlich umgegangen wird. Das sei nicht überall so selbstverständlich. In den G'schichten von Siegi Götze ging es um ein Karpfenrennen auf dem Starnberger See, während dem der See für Fußgänger gesperrt ist, und um lustige Geschichten von Karl Stieler, der sich sehr der Mundart angenommen hatte. Dabei hatte er ein ganz aktuelles Thema, die Kommunalwahlen, im Visier und fragte unter anderem, wie ein Wirt wählt, wenn alle politischen Parteienfarben bei ihm zu Gast sind.

Bei den lustigen Gschichten vom Lauerer-Toni erkannten sich viele Zuhörer selbst wieder. Da ging es um den jungen Toni, der seine ängstliche Tante zum Doktor fährt und dabei allerhand erlebt, um einen Bikini, der zum Eheglück herhalten muss, um Erlebnisse beim Hausbauen, um Sinn und Unsinn vom »Bockzimmer«, um eine Schildkröte im Gefrierschrank und um einen überraschenden Besuch, während der Herr des Hauses im Bad ist, weiters ums Einkaufen für eine Gäste-Mahlzeit, um den »Hosenkauf« und den »Geburtsdog von der Mama«.

Weiter ermunterte Siegi Götze die Besucher, volksmusikalisch mitzusingen beim Lied »Hintn bei der Stodltür«. Bei der vierten Strophe meinte er ganz lapidar »d' Melodie hamma kinna, aber de Textilien ham uns gfehlt.« cw