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»Der Deckel passt noch nicht ganz zum Topf«

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Übersee – »Es ist wichtig, dass man mal voneinander hört. Rezepte wollen wir aber heute nicht erarbeiten.« Das war die Vorgabe von Moderatorin und Beraterin Elisabeth Engstler aus München für die mit über 70 Personen sehr gut besuchte Pfarrversammlung für alle interessierten Mitglieder der katholischen Pfarrgemeinde in Übersee. Dank des Engagements und der Kreativität der Anwesenden ging die Veranstaltung dann aber über einen losen Meinungsaustausch weit hinaus. Offen angesprochen wurden Sorgen und Kritik sowie Wünsche und neue Ziele.


Am Ende zeigten sich die Moderatoren Engstler und Diakon Michael Bichler aus Babensham beeindruckt vom engagierten Bemühen um »ein gutes Miteinander der 3500 Katholiken in Übersee«.

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Der Abend begann zunächst mit den Sachstandsberichten der Verantwortungsträger in der Pfarrei. Als Vertreterin der erkrankten Pfarrgemeinderatsvorsitzenden Fini Steinbichl lobte Marlene Genghammer die gut einjährige Amtszeit von Pfarrer Peter Bergmaier und zeigte sich dankbar, »dass wir wieder einen Pfarrer ganz für uns alleine haben«.

Finanzielle Sorgen äußerte Ludwig Klarwein von der Kirchenverwaltung. Die Erneuerung der Heizung, der Umbau der Pfarrbüros und die Sanierung der Kellerräume im Pfarrzentrum hatten bei einem Anteil der Pfarrei von 35 000 Euro insgesamt rund 133 000 Euro verschlungen.

Hohe Kosten, finanzielle Engpässe

Zudem musste die Bücherei wegen Sanierungsarbeiten in Höhe von 30 000 Euro für drei Monate geschlossen bleiben. Man will jetzt die Gemeinde um einen Zuschuss bitten und hofft, die beliebte Einrichtung in den nächsten zwei Wochen wieder öffnen zu können.

Auch für die nächste Zukunft zeichnen sich laut Klarwein finanzielle Engpässe ab. So brauche die Orgel dringend eine Renovierung und für die Schäden im Westerbuchberger Kirchlein benötige man einen Sachverständigen. Einen kleinen Zuschuss für die Orgel werde man mit einer Broschüre über die Kirchen und Kapellen in Übersee erschließen, die zu Weihnachten erscheinen soll.

Vor Veränderungen steht laut Sprecherin Beate Grebe der Verein der katholischen Frauengemeinschaft mit ihren rund 200 Mitgliedern (wir berichteten bereits ausführlich). Grebe wird nach 16 Jahren ihr ehrenamtliches Vorstandsamt aufgeben, und der Verein zum Jahresende aus dem Dachverband, der Katholischen Frauengemeinschaft Traunstein, austreten.

Von Veränderungen sprach auch das Seelsorger-Team Luitgard und Richard Mittermaier. So reduziere sich die Zahl der Sternensinger von Jahr zu Jahr, und auch die Firmung wird es künftig nur noch alle zwei Jahre geben. Zerstreut hätten sich laut Richard Mittermaier die anfänglichen Bedenken wegen des außerörtlichen Wohnsitzes von Pfarrer Bergmaier: »Er ist immer präsent und ein großer Gewinn für uns.« Als »immensen Wert« bezeichnete Luitgard Mittermaier die intensive Teamarbeit mit dem Pfarrer. »Allerdings sagt er auch immer, was er denkt.«

So nahm Bergmaier auch bei seinem Statement kein Blatt vor den Mund. In Anlehnung an den Rat eines befreundeten Pfarrers habe er bei seinem Amtsantritt das Ziel gehabt »den Laden zusammenzuhalten«. Schnell habe er bemerkt, dass das bereits gut funktioniere, vor allem dank seiner hervorragenden Mitarbeiter und der drei engagierten Ruhestandspfarrer Hans Holzner, Heinrich Zimmermann und Paul Voggenauer.

Von den 3500 Katholiken im Ort »kommt zu wenig«

»Aber die Zukunft einer Pfarrei hängt nicht vom Pfarrer ab, sondern von den getauften Christen im Ort«, stellte der Geistliche klar. Nach seinem Dafürhalten »kommt von den 3500 Katholiken im Ort einfach zu wenig. Wenn einige etwas machen, ziehen sich andere zurück.« Der Pfarrer: »Der Deckel passt noch nicht ganz zum Topf und umgekehrt.«

Anschließend gab es in kleinen Gruppen einen Austausch zu den Themen »Was liegt uns am Herzen?«, »Was soll weiter entwickelt werden?« und »Was soll verändert werden?«.

Auf der Wunschliste ganz oben standen dabei die Integration (nicht nur von Flüchtlingen), mehr Transparenz bei kirchlichen Entscheidungen, die Wiederbelebung des Krankenhausbesuchsdiensts, die Jugend zu begeistern, mehr Aktivitäten der Pfarrgemeinde beim Thema Altenheim und mehr Schöpfungsverantwortung. Mehr publik gemacht und weiterentwickelt werden solle die Internetseite der Pfarrei.

Zu den gewünschten Veränderungen zählten mehr Informationen und Erklärungen des Pfarrers bei Neuerungen, mehr Spiritualität, eine Werktagskirche, ein gemeinsames Frühstück im Monat nach einem Gottesdienst, mehr Engagement gegen den Ministrantenschwund und mehr Kommunikation zwischen Kirche und Gemeinde. bvd