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Der Club Kafka ist vorerst gerettet

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Gute Nachrichten für die jungen Leute in Traunstein: Das Kafka darf erst mal bleiben. (Foto: Reiter)

Traunstein – »Wir sind natürlich sehr zufrieden, dass das Kafka vorerst gerettet ist«, sagte Alex Wolff, einer der Betreiber des Traunsteiner Clubs nach einer äußerst überraschenden Entscheidung des Bauausschusses. Dieser stimmte am Donnerstag – anders als von der Verwaltung empfohlen – einer Nutzungsänderung zu.


Zum Hintergrund: Das Kafka gibt es seit gut zehn Jahren. Es besitzt bislang allerdings nur eine Genehmigung als Schank- und Speisewirtschaft, nicht aber als Vergnügungsstätte. Nun hatte der Betreiber des Kafka, die Firma Monta Music GmbH, eine Änderung der genehmigten Nutzung in eine Vergnügungsstätte beantragt. Die Voraussetzungen liegen nach Ansicht des beauftragten Rechtsanwalts vor, da das Kafka sich in einem Mischgebiet befinde, die Lärmvorschriften eingehalten werden könnten, die Stellplätze vorhanden seien und auch das Gebot der Rücksichtnahme gegenüber den Nachbarn gewährleistet sei.

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Das sah die Stadt allerdings anders. Sie empfahl dem Bauausschuss, einer Nutzungsänderung nicht zuzustimmen. Dazu führte Bernhard Glaßl, der Leiter des Bauamts, verschiedene Gründe an. Eine kerngebietsspezifische Vergnügungsstätte, zu der der Club Kafka zähle, sei in einem Mischgebiet nicht zulässig. Dazu gebe es auch Gerichtsurteile. Außerdem sei das Gebiet ein Mischgebiet mit überwiegender Wohnbebauung. »So wertvoll das Kafka für unsere Jugend ist, wir müssen auch die Anwohner verstehen«, sagte Oberbürgermeister Christian Kegel.

Die Betreiber des Clubs Kafka hatten ein Lärmgutachten in Auftrag gegeben. Dieses kam zu dem Ergebnis, »dass keine Schallschutzmaßnahmen erforderlich sind und aus schalltechnischer Sicht die Richtwerte an den Immissionsorten in der Nachbarschaft rechnerisch eingehalten werden«. Dieses Lärmgutachten ließ die Stadt überprüfen. Das beauftragte Büro kam allerdings zu einem anderen Schluss: »Die Prüfung der schalltechnischen Untersuchung zeigt, dass zum einen die schalltechnischen Berechnungen nicht ausreichend dokumentiert sind und zum anderen wesentliche Geräuschquellen beziehungsweise erforderliche Prüfungskriterien nicht oder nicht korrekt enthalten sind. (...) Zusammenfassend ist daher der nächtliche Betrieb der Gaststätte Club Kafka nach 22 Uhr in der engen räumlichen Nachbarschaft mit einem bestehenden allgemeinen Wohngebiet in der beantragten Form aus unserer Sicht nicht genehmigungsfähig«.

Josef Kaiser (UW) sagte im Bauausschuss, dass es in unmittelbarer Nähe zum Kafka zwei weitere Lokalitäten mit Bestandschutz gebe. »Es ist doch wurscht, wo die Leute rein- und rausgehen. Die Nachbarn werden auch da gestört.«

Letztlich stimmte der Bauausschuss nur mit zwei Stimmen für den Beschlussvorschlag der Stadt, der Nutzungsänderung nicht zuzustimmen. Oder anders ausgedrückt: Die Mehrheit war für eine Nutzungsänderung von einer Schankwirtschaft in eine Vergnügungsstätte.

»Damit hätten wir eigentlich nicht gerechnet«, sagte Alex Wolff nach der Sitzung im Gespräch mit dem Traunsteiner Tagblatt. Er geht allerdings davon aus, dass es das noch nicht gewesen ist. »Wir schauen mal, was auf uns zukommt. Aber vielleicht klagt ja der Anwohner.« KR