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Der Christbaum im Wandel der Zeit

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Als »Arme-Leut'-Christbaum« wurde dieser Weihnachtsbaum um 1890 beschrieben. Die Expertin Rosi Bauer hat den Baum dekoriert und mit Christbaumschmuck aus der damaligen Zeit, unter anderem viel Watte, behangen. (Foto: T. Eder)

Grassau. Fünf Christbäume aus fünf verschiedenen Zeiten zierten im Rahmen des Grassauer Adventsmarktes den großen Heftersaal. Die überraschende Ausstellung zeigte aber nicht nur, wie sich der Christbaum in den letzten hundert Jahren geändert hat, sondern ließ auch erahnen, wie gefeiert wurde und welche Geschenke unter dem Weihnachtsbaum zu finden waren.


Auf Initiative von Caroline Zeisberger wurde die Ausstellung organisiert. Der Christbaum, wie er wohl heutzutage in den Wohnzimmern zu finden ist, stand als Erstes zur Schau. Christbaumkugeln in zarten Metalltönen und stromsparende Lichterketten kommen heute zum Einsatz. Interessant war zu sehen, was man sich heute so schenkt, ob Smartphone oder Fernseher.

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In den 1970-er Jahren stand man auf bunte Christbäume mit Plastikkugeln und viel silbernem Lametta und bereits elektrischen Kerzen. Das Bobby Car gehörte zu den beliebtesten Geschenken wie auch der Puppenwagen, ganz der damaligen Mode nachempfunden. Typisch für die Zeit war die Bowle. Auch auf dieses kleine Detail wurde in der Ausstellung verwiesen.

In der Wirtschaftswunderzeit, in den späten Fünfzigern durfte der Christbaum üppig geschmückt werden. Bunte und silberne Glaskugeln mit schneeflockenförmiger Einkerbung zierten die Tanne. Echte Kerzen brannten am Baum. Man schenkte sich Elektrogeräte, das obligatorische Bügeleisen und vielleicht ein neues großes Schrankradio.

Mit Strohsternen, Stanniollametta und Wachskerzen behangen präsentierte sich der Fichtennadelbaum während der Weltkriege. Noch heute wird der Christbaum in der Grassauer Pfarrkirche auf diese festliche Art geschmückt. Vor allem Geschenke für die Kinder, vom Steckenpferd über Puppen und viele Handarbeiten brachte das Christkind. Der kostbare Kaffee durfte zum Fest nicht fehlen.

Schließlich wurde auch der »Arme-Leut'-Christbaum« um 1890 gezeigt. Typisch war zerzupfte Watte als Schnee-Ersatz, Krepppapier, kleine Figürchen aus Watte, Anhänger aus Goldpapier und Glanzbildchen und natürlich Engelshaar. Im Holzofen brannte das Feuer, während die Kinder mit ihren Schaukelpferdchen und Puppenhäusern in der guten Stube spielten.

Die Ausstellung bot eine Zeitreise durch 100 Jahre Weihnachten, wobei das Gefühl, dass es immer besinnlicher, gemütlicher wurde, nicht ausblieb. Im Fokus stand natürlich der Christbaum. Doch wurde auch das Wohnzimmer entsprechend ausstaffiert und selbst auf kleine Details geachtet. Der Trachtenverein sorgte während der Ausstellung mit Kaffee und Kuchen für eine angenehme Pause vom turbulenten Weihnachtstreiben. tb

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