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»Der Chiemgau ist ein attraktives Ziel für Besucher«

Waging am See. Das IHK-Gremium Traunstein als Vertretung der regionalen Wirtschaft möchte der Bedeutung des Tourismus im Landkreis Traunstein und in der gesamten Region 18 eine noch stärkere Bedeutung zukommen lassen. Denn der Wirtschaftszweig, der allein im Chiemgau mit 4,165 Millionen Übernachtungs- und rund 5,7 Millionen Tagesgästen 448,6 Millionen Euro Bruttoumsatz (2009) erwirtschaftete, hat eine relevante Wirkung auf die Wirtschaftskraft des Landkreises. Das wurde bei einer Diskussionsveranstaltung im Waginger Kurhaus betont.

Empirische Studie wurde vorgelegt

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Der Geschäftsführer der »dwif-Consulting GmbH« in München, Dr. Manfred Zeiner, hatte den »Wirtschaftsfaktor Tourismus im Chiemgau« eingehend untersucht und stellte die Zahlen vor. Die resultieren aus einer empirischen Studie und stützen sich sowohl auf umfangreiche Auswertungen als auch auf bereits vorliegendes Datenmaterial.

Manfred Zeiner kam zu dem Ergebnis, dass ein Gesamt-Bruttoumsatz von 448,6 Millionen Euro erzielt wurde. Davon entfielen 206,6 Millionen Euro auf gewerbliche Übernachtungen, 112 Millionen Euro auf private sowie Touristik- und Dauercamping. 130 Millionen Euro ließen die Tagesgäste da. Gespeist wurde der Gesamtumsatz aus rund 4,165 Millionen Übernachtungen und von rund 5,7 Millionen Tagesreisenden.

Der Chiemgau sei ein attraktives Ziel für Besucher, die ein paar schöne Stunden in der Region verbringen möchten. Davon profitierten am allermeisten das Gastgewerbe, das 51,2 Prozent des Umsatzes (durch Tagesgäste) für sich verbuchen kann, und der Einzelhandel mit 41,3 Prozent. Beim zweiten Profiteur, dem Einzelhandel, sei es vorwiegend der Bereich »Einkäufe«, der den meisten Umsatz generiere, informierte Zeiner. »Daher sind attraktive und florierende Einzelhandelsgeschäfte sehr wichtig, weil die Besucher auch schauen, bummeln und kaufen möchten«.

Großer Nachholbedarf bei guten Hotels

Laut Zeiner bringt das Marktsegment »Hotellerie« nur etwa 20 Prozent der Übernachtungszahlen hervor. Es gebe zu wenig Hotels mit vier und fünf Sternen und damit großen Nachholbedarf an Häusern mit qualitativ hohem Niveau. Auf die weiteren Dienstleistungsbetriebe der ersten Umsatzstufe, die das breite Spektrum an Freizeit-, Transport- und sonstigen Dienstleistungen umfassen, entfallen 73,2 Millionen Euro Umsatz, der von Tages-und Übernachtungsgäste stammt.

Der Tourismus trage auch zu großen Beschäftigungseffekten bei, so Zeiner. »Etwa 214 Millionen Euro an Einkommen haben darin ihre Wurzeln«. Rund 9630 Personen sind es im Chiemgau, die mit einem durchschnittlichen Primäreinkommen von 22 228 Euro pro Kopf ihren Lebensunterhalt bestreiten könnten. »Insgesamt sind es aber viel mehr, die anteilig von diesem Wirtschaftszweig leben.« Der relative Beitrag des Tourismus zum Primäreinkommen betrage 5,6 Prozent.

50 Millionen Euro pro Jahr

Hinzu komme der fiskale Aspekt: Der Fremdenverkehr löse ein Steueraufkommen allein bei der Mehrwert- und Einkommenssteuer von rund 50 Millionen Euro pro Jahr aus. Hinzu kommen nicht nur die diversen anderen Steuern, sondern auch die touristischen Steuereinnahmen der Kommunen.

Da in das Segment »Einkäufe« über 40 Prozent des Umsatzes fließen, wünschte sich auch der Geschäftsführer des Chiemgau Tourismus Verbandes, Michael Lücke, eine stärkere Beteiligung der regionalen Unternehmen. Er freute sich, »dass die Zusammenarbeit mit regionalen Betrieben gut läuft.«

Zudem berichtete er über die Struktur, die Organisation, die Trägerschaft und über den Etat des Verbandes, der knapp 2 Millionen Euro umfasst, wovon rund 1,1 Millionen Euro in das Marketing fließen, und über die aktuellen Projekte. So stehe die Eröffnung des Rupertiweges demnächst an. Es gebe Überlegungen zur Schaffung eines Naturparks »Chiemgau«. Für die Kleinvermieter, »von denen etwa 80 Prozent weitermachen wollen«, versuche man ein Unterstützungsprogramm aufzulegen. Nach dem Minus bei den Übernachtungen im Jahr 2010 sei im darauf folgenden Jahr ein leichtes Plus zu verzeichnen »und in den ersten fünf Monaten dieses Jahres gab es sogar ein überraschendes Plus von elf Prozent«.

Stocker drängt auf Zusammenschluss

In der Diskussion forderte der Vorsitzende des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbandes (BHG) Traunstein, Peter Stocker, der zugleich der Vorsitzende der im Jahr 2009 gegründeten Interessengemeinschaft Tourismusregion 18 ist, das Mitspracherecht der indirekten Profiteure des Tourismus in den entscheidenden Gremien der Tourismusverbände. Dies führe auch zu Änderungen in der Einstellung, denn der Tourismus genieße in der Bevölkerung und bei den übrigen Wirtschaftszweigen noch nicht die Wertschätzung und Anerkennung, die für eine touristische Destination erforderlich seien.

Zudem drängte Stocker auf einen Zusammenschluss der beiden Tourismusverbände Chiemgau Tourismus e.V. (Traunstein) und Chiemsee-Alpenland Tourismus (Rosenheim), um eine Destinationsvermarktung entwickeln zu können, die am Markt auch tatsächlich wahrgenommen wird.

Bisherige beachtliche Arbeit wurde gewürdigt

IHK-Gremiumsmitglied Andreas Barmbichler würdigte die bisherige beachtliche Arbeit des Vereins Chiemgau Tourismus, dem er eine gute Zukunft prognostizierte. Er wünschte sich aber, »dass die Leistungsträger mehr in die Arbeit des Verbandes eingebunden werden.«

Linhardt, der Vorsitzende des IHK-Gremiums, betonte, dass die Notwendigkeit außer Frage stehe, die Leistungsträger mit ins Boot zu holen. Die Frage laute jedoch, wie man dies vor dem Hintergrund enger EU-Vorschriften bei der Verwendung öffentlicher Steuergelder am besten bewerkstellige. Resümierend hob Linhardt die große Bedeutung des Fremdenverkehrs für die Region hervor und merkte an, dass Veränderungen in der organisatorischen Struktur eintreten sollten. ca