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Der Biber war auch Thema im Gemeinderat

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Die Spuren der Biber sind in Grabenstätt nicht nur am Tüttensee unübersehbar. Auch im Grabenstätter Moos und sogar mitten im Dorf hat er sich schon an Bäumen zu schaffen gemacht. (Foto: Müller)

Grabenstätt – Unabhängig von der Kalbin, die nach einem Sturz in eine Biberburg verendet war (wir berichteten), waren die Schäden durch Biber auch Thema im Gemeinderat. Nachdem Andreas Danzer (Freie Wähler) in der vorletzten Sitzung die Problematik in und um Grabenstätt angesprochen und besonders auf die vielen beschädigten Bäume und den neu aufgestauten Bereich östlich des Tüttensees verwiesen hatte, ging Geschäftsleiter Peter Lex in der jüngsten Sitzung noch einmal genauer auf das Thema ein.


Nach Rücksprache mit dem Landratsamt sei der neu aufgestaute Bereich östlich des Tüttensees dort bekannt, betonte Lex. Die hauptbetroffene Aufstaufläche stehe im Eigentum des Bund Naturschutzes. Dort gebe es nach dessen Angaben keine intensive landwirtschaftliche Nutzung. Der Zulauf zum Tüttensee werde durch den Biberdamm im Oberlauf zwar temporär aufgestaut, dies ändere aber grundsätzlich nichts an der kontinuierlichen Zulaufmenge für den Tüttensee, der sich über den Damm gleichmäßig ergieße, versicherte Lex.

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Danzer hatte zuletzt von einer »Unterbrechung der Frischwasserzufuhr« und von einem »mittlerweile stehenden Gewässer« gesprochen. Zudem verwies Lex darauf, dass Biber nach wie vor einen gesetzlichen Schutzstatus genießen. Das Abfangen eines Bibers, also der gezielte Fang mit anschließendem Töten, sei nur zulässig, wenn zum Beispiel die landwirtschaftliche Bewirtschaftung für den Grundstückseigentümer stark eingeschränkt sei oder durch die Biberaktivität eine Gefahr für die öffentliche Sicherheit entstehe.

Exemplarisch nannte Lex Untergrabungen an Bahndämmen und eine offensichtliche Gefährdung durch umfallende Bäume in frequentierten Bereichen. »Schäden an Baum- oder Waldbestand alleine rechtfertigen kein Eingreifen«, stellte Lex klar. In solchen Fällen komme allenfalls die Frage von Entschädigungszahlungen ins Spiel. Die Gemeinde sei hier aber außen vor.

»Wenn sogar mitten bei uns im Dorf Obstbäume umgelegt werden, fehlt mir das Verständnis dafür, dass man da nichts machen kann, es muss gewisse Grenzen geben«, forderte Roman Metzner (CSU). Dritter Bürgermeister Maximilian Wimmer (CSU) meinte, dass so ein stark angenagter Obstbaum, durchaus eine Gefahr für spielende Kinder darstelle. Der Biber nehme überhand, teilweise seien die Baumbestände am Tüttensee und auch im Grabenstätter Moos »schon sehr licht geworden«, so Danzer, der nach eigener Aussage bereits vier Biberburgen ausfindig gemacht hat. Danzer ist sich sicher: »Wir werden da in Zukunft noch große Probleme kriegen«.

Probleme mit dem Biber gebe es in fast allen Gemeinden des Landkreises, meinten Schützinger und Lex dazu. Der Biber sei in einer Zeit unter Schutz gestellt worden, als dessen Population noch sehr klein gewesen sei. Das treffe allerdings seiner Meinung nach schon lange nicht mehr zu, gab Metzner zu bedenken.

Auch wenn die Anzahl der Biber weiter ansteigen sollte, würde von dem Pflanzenfresser keine Gefahr für den Menschen ausgehen, versicherte Lex. Der Biber verteidige sich nur dann, wenn sich zum Beispiel ein Hund an seinem Bau zu schaffen mache und er um sein Leben fürchten müsse.

Nach ihrer Ausrottung 1867 wurden die Biber von 1966 bis Anfang der 1980er Jahre mit Genehmigung des bayerischen Landwirtschaftsministeriums vom Bund Naturschutz Bayern im Freistaat wieder angesiedelt. Nach dem Bundesnaturschutzgesetz und der europäischen Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie ist der Biber streng geschützt. Heute wird sein Bestand in Bayern auf etwa 4500 Reviere mit 16 000 Tieren geschätzt bei weiterer Ausbreitung in die noch nicht besiedelten Gebiete. mmü