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»Der beste Pfarrer, den wir je hatten«

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Herzlicher Abschied: Oberbürgermeister Christian Kegel (von rechts) zusammen mit Pfarrer Sebastian Stahl und dessen Frau Andrea. (Foto: H. Eder)

Traunstein. Einen bewegenden Abschied bereitete die Kirchengemeinde Traunstein ihrem Pfarrer Sebastian Stahl, der – wie berichtet – die Stadt verlässt und nach Kaufbeuren-Neugablonz wechselt. Nach der offiziellen Verabschiedung beim Gottesdienst in der Auferstehungskirche traf man sich im Großen Gemeindesaal, wo die Mitglieder der Kirchengemeinde die Gelegenheit hatten, dem Pfarrer und seiner Familie persönlich auf Wiedersehen zu sagen.


Beim Gottesdienst in der gut besuchten Auferstehungskirche, der von einem sehr vielfältigen musikalischen Programm umrahmt wurde, dankte Pfarrer Stahl für all das Schöne, das er hier in den acht Jahren seines Dienstes in Traunstein habe erfahren dürfen: »Ich habe«, so fasste er zusammen, »außerordentlich gern mit den Menschen hier gearbeitet und Gottesdienst gefeiert«.

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Großes Engagement für Asylsuchende

Dekan Peter Bertram sagte, man danke Gott dafür, dass der scheidende Pfarrer seine Kräfte für die Kirchengemeinde eingesetzt und damit Gottes Liebe und Treue bezeugt habe. Zum Abschied überreichte er an Pfarrer Stahl und dessen Frau Andrea Geschenke und wünschte ihnen für den neuen Lebensabschnitt alles Gute.

Bemerkenswert vielfältig war die musikalische Gestaltung des Gottesdienstes – mit einer Mischung aus klassischer und moderner Musik: Da waren zum einen moderne, rhythmische Gottesdienstlieder, instrumental begleitet von Alexander Fietz (Gitarre), Nicola Eder (Querflöte) und Michael Wiedemann (Bass). Kantorin Ulrike Ruf (Orgel) und Simon Nagl (Cello) trugen Stücke von Giuseppe Sammartini vor, und der Chor der Kirchengemeinde sang Werke von Arnold Mendelssohn und Josef Rheinberger.

Oberbürgermeister Christian Kegel verabschiedete sich von dem »besten Pfarrer, den wir je hatten.« Vor allem ging er auf Stahls Engagement für die Asylsuchenden ein: Die Arbeit des Vereins Traunsteiner Netz, »eine wahre Erfolgsgeschichte«, beruhe ganz wesentlich auf dem Einsatz von Pfarrer Stahl. Dieser habe, so der Oberbürgermeister weiter, viel bewirkt, er sei ein Pfarrer mit Herz und Seele gewesen. So verabschiede man ihn jetzt mit einer »großen Portion Wehmut«.

Abschiedsworte sprachen auch Pastoralreferent Robert Hintereder von der katholischen Stadtkirche und Pastoralreferent Michael Kohl aus der Pfarrei Chieming. Kohl stellte fest, die Ökumene sei bei Pfarrer Stahl gut aufgehoben gewesen. Wolfgang Hofmann, der evangelische Pfarrer von Trostberg und Senior der Pfarrerschaft im Süden des Dekanats, hob unter anderem die von Pfarrer Stahl vorbereiteten Andachten bei den Pfarrkapiteln hervor. Monika Stockinger vom Traunsteiner Netz rühmte dessen Mitarbeit für die Asylsuchenden, in die er viel Herzblut gesteckt habe. Die hauptamtlichen Mitarbeiter der Kirchengemeinde überreichten einen großen Geschenkkorb und dankten damit, wie Pfarrsekretärin Susanne Hansen sagte, »für viele gute Jahre, für manche Reibereien, für gute Gespräche und unendlich viel zu lachen, auch wenn es oft schwarzer Humor war«.

Kirchenvorstand zog den Hut vor dem Pfarrer

Die Mitglieder des Kirchenvorstands zogen wortwörtlich den Hut vor dem Pfarrer und seinen vielfältigen Kapazitäten, wie zum Beispiel seinen berührenden Predigten, den stimmungsvollen Wanderungen im Advent, für die lebendigen, ökumenischen Gottesdienste und dafür, dass er »den Evangelischen in Traunstein ein Gesicht gegeben« habe. Vertrauensmann Alexander Fietz wünschte dem scheidenden Pfarrer und seiner Familie alles Gute am neuen Wirkungsort »in einem nagelneuen, völlig schimmelfreien Pfarrhaus. Wir hoffen, dass es Euch dort gefällt«. Mit dem temperamentvoll gesungenen Lied »Schön war die Zeit« verabschiedete sich der Kirchenvorstand von seinem Pfarrer. Da er begeisterter Gitarrist ist, freut er sich bestimmt über das Geschenk des Kirchenvorstands, einen Akustikverstärker.

Stahl selber war sichtlich gerührt ob der vielen herzlichen Worte und meinte dazu: »Wenn’s nicht weh tät’, wär’s nicht gut gewesen. Es war eine wunderbare Zeit mit euch.« Er hoffe, so meinte er abschließend, dass der Kontakt zu Traunstein nicht ganz abreiße. Und rief alle dazu auf, die Ökumene hoch zu halten: »Wir beten alle zu einem Gott, und die Unterschiede sind nicht mehr wichtig.« he