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Den Zustand der heimischen Wälder objektiv beurteilen

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Forstdirektor Hans Lechler erläuterte den Teilnehmern in einem Waldstück zwischen Nußdorf und Chieming das Vorgehen beim Erheben der Daten für das Verbissgutachten.
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Christian Thaler (rechts) und Hans-Peter Heinrich zeigten, wie sie an einem Messpunkt die Daten über die Höhe des Wildverbisses erheben. (Fotos: Oberkandler)

Chieming – »Wir sind auf einem guten Weg« – mit diesen Worten fasste Forstdirektor Hans Lechler vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten die Situation des Wildverbisses in der Region zusammen. Seit in den 1980er Jahren das erste forstliche Gutachten zur Situation der Waldverjüngung angefertigt wurde, seien die Schäden durch Wildverbiss deutlich zurückgegangen. Bei einem Ortstermin in einem Waldstück zwischen Chieming und Nußdorf zeigten Lechler und seine Mitarbeiter, wie die wissenschaftliche Erhebung der Daten erfolgt.


Derzeit sind die Revierförster und deren Mitarbeiter dabei, zum 11. Mal ein Verbissgutachten anzufertigen. Hatte das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in den vergangenen Jahren Waldstücke mit besonders starkem Wildverbiss für diese Informationsveranstaltung ausgewählt, so ging die Behörde diesmal einen anderen Weg: Das betreffende Waldstück weist nur sehr geringe Verbissschäden auf – ein Ergebnis konsequenter Bejagung des Rehwildes.

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Die Ergebnisse des Forstlichen Gutachtens müssen bei der Abschussplanung für Reh-, Rot- und Gamswild im Frühjahr kommenden Jahres berücksichtigt werden. Ziel dieser Abschlussplanung ist es, standortgerechte und möglichst naturnahe Wälder unter Berücksichtigung des Grundsatzes »Wald vor Wild« zu bewahren bzw. herzustellen. Gewährleistet werden soll eine ordnungsgemäße forstwirtschaftliche Nutzung, die nicht vom Wild beeinträchtigt wird. Dabei müsse eine natürliche Verjüngung standortgemäßer Baumarten ohne Schutzmaßnahmen möglich sein.

Noch bis zum Mai wird es dauern, ehe die Inventur abgeschlossen sein wird. Jagdgenossen, Jäger, Waldbesitzer und Vertreter der regionalen Medien erhielten Einblick, wie diese Inventur erfolgt. Hans-Peter Heinrich und Christian Thaler demonstrierten dies an zwei Kontrollpunkten. Ausgerüstet mit Datenerfassungsgerät, Messlatte und Meterstab beurteilten sie den Zustand von Trieben und Knospen junger Bäume.

Die 15 Bäumchen, die der Messlatte am nächsten stehen, werden mit Wäscheklammern markiert und dann einzeln beurteilt. An den zwei Messplätzen, an denen die beiden Mitarbeiter das Verfahren demonstrierten, war so gut wie kein Verbiss durch Rehe festzustellen. Lediglich Hasen hatten einige Triebe an Tannen und Buchen angeknabbert. Beurteilt wird nur der Verbiss im oberen Drittel. Der Aufwuchs ist so dicht, dass die 15 gekennzeichneten Bäumchen nicht weiter als 70 Zentimeter vom Fluchtstab entfernt sind.

Hans Lechler informierte, dass man die Verbisssituation in 13 der 18 Hegegemeinschaften in der Region als günstig bezeichnen könne. Lediglich in fünf Bereichen östlich des Chiemsees sei die Situation »nicht so günstig«. Für den überwiegenden Teil der Flächen gelte, dass die Verbisssituation »tragbar für den Wald« sei. »Im Gesamtbild sind wir ein großes Stück vorangekommen«, bilanzierte der Forstdirektor. Dank eines Miteinanders von Jägern und Waldbesitzern habe man hier an den Messpunkten zwischen Nußdorf und Chieming ein »wunderbares Waldbild« erreicht. In Wäldern wie diesen, so erklärte Hans Lechler, könnten sich die Förster hoheitlich verabschieden und solche Reviere aus der Abschussplanung entlassen.

Neben der statistisch abgesicherten Aussage für die Hegegemeinschaften fuße das Gutachten aber auch auf revierbezogenen Aussagen für die Jagdpächter. Diese Aussagen seien allerdings nicht statistisch abgesichert.

Kein Zweifel wurde daran gelassen, dass der Wildbestand nach wie vor streng kontrolliert werden müsse. Ein Teilnehmer berichtete zum Beispiel, dass sich in einem Nachbarrevier nach dem Wechsel des Jagdpächters die Verbisssituation wieder deutlich verschlechtert habe.

Was bei der Bestandserhebung herausgekommen ist, soll im November bekannt gegeben werden. Dann erfolgt die bayernweite Veröffentlcihung der Ergebnisse des Forstlichen Gutachtens. Anschließend wird das Landwirtschaftsamt die Daten und die ergänzenden revierweisen Aussagen an die Untere Jagdbehörde beim Landratsamt weiterleiten. Diese gibt die ergänzenden Aussagen an die Jagdvorstände, Eigenjagdbesitzer, Revierinhaber und Leiter der Hegegemeinschaften weiter . -K.O.-

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