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»Den Worten müssen endlich Taten folgen«

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Die Hirschauer Bucht im Winterkleid. Jenes Schwemmholz, das seit dem Jahrhunderthochwasser Anfang Juni 2013 noch nicht im Schlamm und Morast versunken ist, liegt derzeit unter einer dicken Schneedecke verborgen. (Foto: M. Müller)

Grabenstätt – »In den letzten 60 Jahren sind in zahlreichen Studien immer wieder die Aufweitung des Achendeltas und andere Maßnahmen zur Rettung der Hirschauer Bucht gefordert worden, aber gemacht worden ist nichts«, kritisierten die Sprecher der Interessengemeinschaft (IG) Hirschauer Bucht, Rosa-Maria Multerer und Norbert Lohwieser, bei einem Info-Abend im Gasthof zur Post. »Den Worten müssen nun endlich auch Taten folgen«, betonten sie auch mit Blick auf das Antwortschreiben des Bayerischen Umweltministeriums auf die IG-Petition.


Intensiver Dialog mit den Beteiligten wichtig

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Die Petition beinhaltete fünf Anträge, nämlich die Deichrückverlegung an der Tiroler Achen nördlich der Autobahn, die vorsichtige Wiederöffnung des in die Hirschauer Bucht führenden Achenarms, die unverzügliche Entfernung des Treibholzes bei künftigen Hochwässern, die Entfernung des Uferbewuchses vor der Gaststätte in der Hirschauer Bucht und die Errichtung eines Naturkundepavillions mit von diesem ausgehenden Stegen ins Achendelta.

Im gerade einmal vierseitigen Antwortschreiben von Ministerialrat Erich Eichenseer entdeckten die anwesenden IG-Mitglieder »nicht gerade sehr viel Vielversprechendes.« Aber immerhin wird darin die Rückverlegung der Hochwasserschutzdeiche an der Tiroler Ache für sinnvoll erachtet, da damit eine langfristige Verbesserung des Hochwasserschutzes für die nördlich der Autobahn gelegenen Ortsteile von Übersee und zumindest eine Verzögerung der Verlandung im Deltabereich erreicht werden könnten. Darüber hinaus wird im Schreiben auch darauf hingewiesen, dass »die Ideen nur durch einen intensiven Dialog mit den Beteiligten vor Ort weiterverfolgt werden könnten.« Konkrete Unterstützung seitens des Ministeriums wurde allerdings nicht in Aussicht gestellt.

Mit aktuellen Bildern von der Tiroler Achen belegte Ulrich Wertenson aus Chieming eindrucksvoll, dass dem Fluss durch die Kanalisierung und die Ausweisung von Bauflächen am Ufer südlich der Autobahn auf bayerischer Seite weitgehend jedwede Möglichkeit genommen wurde, bei Hochwasserereignissen in Retentionsflächen zu fließen. Auch deshalb, so Wertenson, sei es wichtig, dem Fluss wenigstens im Deltabereich den entsprechenden Raum zu geben.

Was die fortschreitende Verlandung in der Hirschauer Bucht anbelange, gelte es, nicht nur an den Symptomen rumzudoktern, sondern den Ursachen auf den Grund zu gehen, mahnte der Grabenstätter Architekt Jochen Urbat an. Schon ohne Hochwasser würden jährlich an die 300 000 Kubikmeter Kies und Sand in den See gelangen, so Urbat. In Zeiten, in denen Kies und Sand Mangelware seien, könnte man diese natürlichen Materialen effektiver nutzen. Zudem stellte er das bereits an österreichischen Flüssen praktizierte Zyklonsystem vor, mit dem die Feststoffe des Flusses abgelagert werden könnten.

Bedenken der Weideberechtigten

Was die geforderte Deichrückverlegung anbelange, werde man die konkrete Ausgestaltung selbstverständlich den Fachbehörden überlassen, versicherten die IG-Sprecher Lohwieser und Multerer. Wichtig sei, dass »die Belange aller Beteiligten, insbesondere derer, die in diesem Gebiet Rechte haben, zu berücksichtigen sind.«

Die beim Info-Abend anwesenden Überseer Willi Siglreitmeier und Sepp Kreuz brachten unter anderem die Bedenken der Weideberechtigten als auch der »Unterlandler« zum Ausdruck. Diese sollten bei der ergebnisoffenen Suche nach einer bestmöglichen Lösung mitberücksichtigt werden, war man sich einig. Einer erfolgreichen Zusammenarbeit stehe eigentlich nichts im Wege, da es nach Ansicht der IG sowohl östlich als auch westlich der Tiroler Ache ein großes Interesse am Hochwasserschutz, Naturschutz und der Eindämmung der Verlandung gebe.

IG-Sprecher Lohwieser berichtete noch kurz von einem Treffen mit MdL Klaus Steiner (CSU), bei dem vor allem die Tatsache zur Sprache gekommen sei, dass die Grabenstätter von Unterhochstätt einmal abgesehen, keinen Zugang mehr zum See hätten. Aufgrund der Kernzonenausweisung in der Hirschauer Bucht, gebe es hier ein absolutes Betretungsverbot. Zudem könnten die Bürger diese nicht einmal mehr richtig sehen, da ein entsprechender Grünstreifen nördlich des Wirtshauses zur Hirschauer Bucht quasi als Sichtschutz fungiere, so Lohwieser. Einen freien Blick habe man nur noch vom dortigen Aussichtsturm.

Multerer erinnerte in diesem Zusammenhang daran, dass die Gemeinde 1986 quasi als Gegenleistung für die Ausweisung der Kernzone »eine Bestandsgarantie für die Liegewiese unmittelbar am See« bekommen habe, was mittlerweile völlig in Vergessenheit geraten sei. »Das sollten wir uns nicht gefallen lassen«, appellierte sie. Für einen geplanten Info-Stand sucht die IG noch alte Fotos, Dias, Filme und Geschichten von der Hirschauer Bucht, insbesondere aus jenen Zeiten, als es dort vor wenigen Jahrzehnten noch den schönsten Badestrand am Chiemsee gab. mmü