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Den Rasern den Kampf angesagt

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Auch die Hauptstraße auf Höhe des Gewerbegebiets ist ein neuralgischer Punkt, wo nach Beobachtung des Gemeinderats oft viel zu schnell gefahren wird. (Foto: Giesen)

Marquartstein. Ein Jahr lang hat die Gemeinde Marquartstein die Verkehrsüberwachung des Zweckverbands für kommunale Verkehrsüberwachung Südostbayern getestet. Nun beschloss der Gemeinderat, dem Zweckverband beizutreten und die Verkehrsüberwachung beizubehalten.


Bürgermeister Andreas Dögerl berichtete im Gemeinderat über die Ergebnisse. Anfangs sei die Organisation ein »immenser Aufwand« gewesen, da alle Standorte, an denen »geblitzt« wird, rechtlich begründet sein müssten. Auf der Bundesstraße, wo täglich 1100 Autos und 700 Lkw fahren, gab es zehn Prozent Überschreitungen. An der Loitshauser und der Pettendorfer Straße seien keine Raser festgestellt worden.

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Auf der Schlossstraße, der Zufahrt zur Heimvolksschule Niedernfels, habe es jedoch 39 bis 43 Prozent Überschreitungen gegeben, ebenso auf der Dorfstraße und der Alten Dorfstraße auf Höhe des Staatlichen Landschulheims, wo tagsüber eine 30-km/h-Zone eingerichtet wurde. Hier kam es zu häufigen und starken Überschreitungen der zugelassenen Geschwindigkeit mit sieben Entzügen von Führerscheinen, berichtete der Bürgermeister.

Insgesamt sei festzustellen, dass ein- bis zweimal Blitzen als »erzieherische Maßnahme« wirken könne, weil dann wenigstens kurzzeitig an der Stelle weniger schnell gefahren werde. Nach längerem »Nicht-Blitzen« fielen Autofahrer jedoch schnell in alte Fahrgewohnheiten zurück. Insgesamt habe sich die Überwachung »bewährt und als sinnvoll erwiesen«.

Anke Entfellner-Häusler bezweifelte den erzieherischen Effekt, denn die Leute fahren ja nach zweimal Blitzen bald wieder genauso schnell. Sie halte es für »reines Abkassieren« und sei bereits bei der ersten Abstimmung dagegen gewesen wie auch Franz Aigner. Seiner Meinung nach solle man lieber öfter Anzeigegeräte zur Information der Autofahrer wie in anderen Orten aufstellen. So treffe es überwiegend Mütter, die ihre Kinder zur Schule fahren – was allerdings Protest im Gremium auslöste.

Bürgermeister Dögerl erinnerte daran, dass es besonders im Bereich der Schulen viele Schwierigkeiten und Beschwerden wegen überhöhter Geschwindigkeit gab. »Erzieherische Maßnahme« sei sicher das falsche Wort, aber in einem Schulort wie Marquartstein diene die Verkehrsüberwachung dem Schutz der Kinder. Die Strecke werde immer von den gleichen Fahrern genutzt.

Auch Hans-Peter Butz bekräftigte, Verkehrszeichen seien keine Empfehlungen, sondern Vorschriften. Bei Zuwiderhandlungen müsse es Konsequenzen geben. Dögerl erklärte, die Aufstellung des Anzeigegerätes habe nicht die erwünschte Wirkung gebracht. Autofahrer fahren genauso weiter wie vorher, »weil sie wissen, dass nichts passiert«.

»Wer nicht sehen will, muss fühlen«, meinte auch Zweiter Bürgermeister Günter Richter. Er sei froh, dass es die kommunale Verkehrsüberwachung gebe. Richter forderte, auch beim Norma-Markt an der Hauptstraße sei eine Überwachung der Geschwindigkeit notwendig, weil Fußgänger trotz Verkehrsinsel wegen der vielen Raser die Straße zu Fuß oft nur schwer überqueren könnten. Dem stimmte Dögerl zu, denn der Übergang werde wegen der neuen Brücke auch von Schulkindern häufig benutzt. Der Standort für Messungen müsse rechtlich noch geprüft werden. gi

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