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Den Mindestlohn verteidigt

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Der DGB Bezirkssekretär Carsten Kuttnik sprach bei der Kundgebung zum Tag der Arbeit im Sailer Keller. (Foto: M. Peter)

Traunstein – Die Einführung des Mindestlohns zeige deutlich, wie schludrig die Arbeitszeit von Arbeitnehmern teilweise erfasst worden sei, sagte der DGB-Bezirkssekretär Carsten Kuttnik bei der Kundgebung zum Tag der Arbeit im Sailer-Keller in Traunstein. Er schob die Frage hinterher, wie deren Arbeitgeber bisher die Lohnabrechnung machten, wenn sie sich jetzt über die Erfassung der Arbeitszeit beschweren. Veranstalter der Kundgebung mit dem Titel »Die Arbeit der Zukunft gestalten wir!« war der DGB-Kreisverband mit Vorsitzenden Hans-Peter Gandler.


Zur positiven Bilanz des letzten Jahres gehöre zu allererst der Mindestlohn, meinte Kuttnik. Die Arbeitgeber würden zwar inzwischen zum Generalangriff gegen den Mindestlohn blasen, den sie ein Bürokratiemonster nennen würden. Doch den gesetzlichen Mindestlohn gebe es deswegen, weil die Löhne über Jahre gedrückt worden seien.

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Weiter meinte der Bezirkssekretär, bei den aktuellen Tarifrunden müssten in zähen Verhandlungen und mit Warnstreiks die Beschäftigten den Wert ihrer Arbeit verteidigen und hart kämpfen, um ein Stück vom Kuchen zu bekommen. Und wenn es nicht anders geht, auch mit Streik, fügte er   hinzu. In den drei großen Bereichen wie der chemischen Industrie, der Metall- und Elektroindustrie sowie im öffentlichen Dienst seien bereits Abschlüsse zustande gekommen. Im Bereich der Sozial- und Erziehungsdienste müssten die Beschäftigten noch   um eine Aufwertung kämpfen.

Sehr kritisch äußerte sich Cartsen Kuttnik zu den Minijobs. Er verbindet diese mit Niedriglohn, Altersarmut und systematischer Vorenthaltung von Arbeitsrechten. Dazu gehöre nach seinen Äußerung, dass viele mit einem Minijob    über keinen schriftlichen Arbeitsvertag verfügen, keine Lohnfortzahlung bei Krankheit erhalten, keinen bezahlten Urlaub und Pausenzeiten bekommen. Das zeige, wer wirklich von den Minijobs profitiere, so der Gewerkschaftler. Nach den Angaben von Kuttnik gibt es nach wie vor 800 000 Leiharbeiter und die Leiharbeit sei immer noch ein extremer Niedriglohnsektor mit 30 Prozent niedrigeren Löhnen für gleiche Arbeit. Es müsse aber gleicher Lohn für gleiche Arbeit gelten und da seien gesetzliche Regelungen erforderlich, so der Bezirkssekretär.

Durch illegale Beschäftigung, Schwarzarbeit und Lohndumping gehen laut Kuttnik Millionen von Steuergeldern und Abgaben verloren. Zugleich entstehe dadurch unlautere Konkurrenz und bringe die ehrlichen Betriebe in Bedrängnis. In diesen Bereich sei jedoch auch die EU gefordert. Kuttnik meinte, der DGB wolle die Tarifflucht verhindern und die Tarifbindung wieder erhöhen. Dazu werde Druck auf allen Ebenen erzeugt. Dabei können nach den Worten des Gewerkschaftsfunktionärs auch gesetzliche Regelungen helfen, die es einfacher machen, Tarifverträge für allgemeingültig zu erklären.

Weiter sprach Kuttnik die Thematik der rund 250 000 jungen arbeitslosen Menschen in Deutschland an und meinte, auch wenn es im europaweiten Vergleich wenige seien, sei jeder Einzelne zu viel. Bei der Gleichstellung und der Entgeltgleichheit ist es für ihn eine Schande, dass Frauen in Deutschland im Durchschnitt nach wie vor 22 Prozent weniger verdienen als Männer. Den beklagten Fachkräftemangel im Handwerk sieht er mit hausgemacht. Wobei sich seiner Meinung einige Branchen über die Ausbildungs- und Entlohnungssituation Gedanken machen sollten. Denn gute Ausbildungsbedingungen und eine angemessene Bezahlung seien die beste Nachwuchswerbung, so Kuttnik. MP