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Den Menschen Gott und die Bibel nahebringen

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Markus Huber – noch – in seinem aktuellen Beruf als Bereichsdirektor der Raiffeisenbank in Traunreut an seinem perfekt aufgeräumten Schreibtisch. (Foto: H. Eder)

Traunreut – Seit genau 20 Jahren ist er Mitarbeiter der Raiffeisenbank, zuletzt fünf Jahre als Geschäftsstellenleiter in Altötting und seit eineinhalb Jahren als Bereichsdirektor in Traunreut. Nun aber geht für den 36-jährigen Markus Huber diese Berufskarriere abrupt zu Ende. Am kommenden Freitag räumt er seinen Schreibtisch – um Priester zu werden. Er will den Menschen die Bibel näherbringen und damit verbunden die Botschaft, sich Gott wieder zuzuwenden; dies sei die einzige Möglichkeit zu einer Wende in der heutigen Welt, die immer mehr ins Chaos abdrifte. »Wenn eine Gesellschaft ohne Gott lebt, verfällt sie!«


Wenn man Markus Huber zum ersten Mal begegnet, steht ein junger Mann vor einem, der in das Idealbild eines Bankers passt. Wenn man dann aber mit ihm ins Gespräch kommt, hört man Sätze, wie man sie von einem Bankmenschen nicht erwarten würde. »In der Bibel«, so sagt er, »wird vielfach vor Reichtum gewarnt. Geld allein macht blind. Gott will schon auch, dass es uns materiell gut geht, aber den wenigsten Menschen gelingt es, mit ihrem Reichtum in Gottes Sinn umzugehen.« So praktiziere er für sich seit Jahren, was die Bibel dazu empfiehlt: nämlich den Zehnten dessen zu geben, was man einnimmt. Das heißt, er spendet mindestens zehn Prozent seines Verdienstes.

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Noch wichtiger ist es Markus Huber aber, den Menschen in seinem Umfeld die Perspektive dafür zu eröffnen, »dass wir Gott in unserem Leben brauchen. Die Lebensfülle, die uns Gott schenken will, bekommen wir auf keinem anderen Weg. Der Schlüssel dazu ist, sein Leben nach dem Wort Gottes, der Bibel, auszurichten.« Mit deutlichen Worten beklagt Huber den Zustand der Gesellschaft, vor allem den Verfall des Glaubens. Und er ist überzeugt, den Grund dafür zu kennen: »Wir alle brauchen eine Ordnung in unserem Leben, und die hat uns Gott mit der Bibel gegeben. Im Zentrum stehen die zehn Gebote. Gott gibt uns in der Bibel viele Zusagen, was er alles für uns tun könnte, wenn wir uns darum bemühen, unser Leben danach auszurichten.«

Menschen interessieren sich nicht mehr für Gott

Der Wohlstand aber habe dazu geführt, dass der christliche Gott die Menschen nicht mehr sonderlich interessiere, geschweige denn, dass sie sich noch an irgendwelche Gebote halten würden, so Huber. »Heute muss alles frei sein. Jeder soll machen können, was er will. Da wir in der Regel alles Materielle haben, glauben wir Gott nicht zu brauchen. Das ist einer der größten Irrtümer unserer Zeit. Wir sehen die Konsequenzen im eigenen Leben: Neid, Unfrieden, Gewalt, Missbrauch, Ängste, Überforderung, Orientierungslosigkeit, innere Unruhe, Schlaflosigkeit, Krankheiten, vor allem auch psychische, Süchte, zerfallende Familien. Das ist die Konsequenz, wenn man ohne Gott und damit ohne seine Liebe lebt. Gott gibt uns in der Bibel den Ratschlag: 'Haltet euch an meine Gebote, damit ihr ein gutes Leben habt!'«

Dass es Gott gibt und der Heilige Geist auf die Menschen einwirkt, das ist für Huber keine Frage. Zum einen: Wie sonst wäre die Welt mit all ihren Wundern entstanden? Und zum anderen: Jeder verspüre in sich eine Stimme, die einen anspricht, die ihn entweder ermutigt oder warnt – das Gewissen nämlich. Und da ist es für Markus Huber eine klare Sache: »Damit spricht uns Gott an.« Für ihn ist ebenso klar, dass es auch die andere Seite gibt, die sehr aktiv ist – »der Teufel. Durch unser gottfernes, sündhaftes Leben geben wir ihm Anrechte, unser Denken, Sprechen und Handeln zu beeinflussen.« Zu diesen Einsichten sei er gekommen, so Huber, obwohl er letztendlich »ein rational geprägter Bankmensch« sei. Glaube und Vernunft seien kein Widerspruch.

Bis Markus Huber diese Überzeugungen gewonnen hatte, verging einige Zeit. Sport war ihm in seiner Jugend sehr wichtig, und seine Banklehre packte er mit viel Ehrgeiz an. Ein Bruch in seinem bisherigen Leben ergab sich dann aber zum einen dadurch, dass innerhalb kurzer Zeit Vater, Großeltern und Uroma starben, und zum anderen dadurch, dass sein Vorwärtsstreben in der Bank einen Dämpfer erhielt. Und auch seine damalige Beziehung sei ein ständiges Auf und Ab gewesen. In jener Zeit sei er einem Burnout nahe gewesen, erzählt er, ehe ihm dann ein Freund – inzwischen selbst Priester geworden – im Jahr 2009 den Rat gegeben hatte, doch an Exerzitien teilzunehmen.

»Damals wusste ich nicht einmal, was Exerzitien sind«, schmunzelt Huber. Diese einwöchige Veranstaltung aber mit vielen Vorträgen, lebendigen Gottesdiensten und Glaubenszeugnissen mancher Teilnehmer hat bei ihm bleibenden Eindruck hinterlassen. Die Botschaften seien dort in einer Weise transportiert worden, dass man gemerkt habe, »das ist kein Witz. Das ist die Wahrheit, das ist Gottes Wort – und das gilt für jeden.« Seit 2015 organisiert er selbst ähnliche Exerzitien. Und seitdem ist mit Markus Huber einiges geschehen. Er besucht jeden Tag einen Gottesdienst, liest täglich in der Bibel und betet während seiner Fahrten zur und von der Arbeit je einen Rosenkranz.

Die Sehnsucht, sich noch mehr für Gott und die Menschen einzusetzen, sei schon länger in ihm vorhanden gewesen. Der Wunsch, Priester zu werden, eigentlich nicht. Ein paar Begebenheiten in den vergangenen Monaten und insbesondere zwei prägende Treffen mit Priestern haben dann aber zu einem Umdenken geführt. »Gott hat mich angesprochen«, ist Huber überzeugt. Daraufhin hat er seinen Arbeitsplatz gekündigt. Schon im Oktober wird er mit seiner Ausbildung beginnen – und zwar an der Hochschule Benedikt XVI. Heiligenkreuz in Österreich. Was ihn dabei weniger freut ist die Tatsache, dass er, da er kein Abitur hat, zunächst ein Vorbereitungsjahr absolvieren sowie Griechisch, Latein und Hebräisch lernen muss. Aber das ist es ihm wert, wenn er sich anschließend ganz für Gott und seine Mitmenschen einsetzen kann.

Huber wird im Gespräch nicht müde, auf Stellen aus der Bibel zu verweisen. Die Menschen suchten nach Heilung an Leib und Seele, und die Kirche habe den Auftrag von Gott dazu bekommen. Sie komme diesem jedoch kaum nach. Die Kirche müsse den Menschen, nicht zuletzt den Jugendlichen, ein Angebot machen, das sie auch anspricht und zugleich aber dem Willen Gottes entspricht und klare Orientierung bietet. Wenn dies die Kirche versäume, werden die Menschen ihr weiterhin den Rücken kehren und alternative Angebote aufsuchen, ist Huber überzeugt.

Wunder gibt es auch heute noch

Huber findet es auch schade, dass so viele Menschen nicht mehr an Wunder glauben; denn: »Wunder gibt es auch heute noch!« Er ist auch überzeugt davon, dass Gott ihn von seinen Allergien (Pollen, Gräser, Hausstaub) geheilt hat. Einige Zeit, nachdem er sich entschlossen hatte, den Glauben konsequent zu leben, seien diese Probleme nicht mehr da gewesen, und dies ohne jegliche Behandlung. Es sei zugegebenermaßen auch für ihn eine Herausforderung, daran zu glauben, dass Jesus in der Hostie real präsent sein soll. »Aber Gott hilft uns auch, daran glauben zu können, indem er uns sogenannte Hostienwunder schenkt.«

Was er in vielen Gesprächen seinen Mitmenschen mitgeben durfte, das will Huber, wenn er eines Tages Priester sein wird, dann auch in der Kirche weitergeben. Er wolle jedenfalls dazu beitragen, dass die Menschen merken, dass Gott wichtig ist, den Menschen vermitteln, dass Gott sie liebt und für sie da ist. Dadurch bekämen sie eine Perspektive für ihr Leben. So wie er sie auch selbst bekommen habe in der Überzeugung, dass er sein Leben in die Hände Gottes legen könne und sich keine großen Sorgen mehr machen brauche. Er will die Menschen begleiten auf ihrem Weg; schließlich sei es die größte Freude, anderen zu helfen. he