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»Den Freilandhühnern hat die Stallpflicht schon weh getan«

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Draußen sieht man Hühner derzeit nicht. Denn seit gut drei Monaten gilt aufgrund der Vogelgrippe die Stallpflicht. Doch was bedeutet das für die Tiere und die Geflügelzüchter? Wir haben uns bei zwei Betrieben umgehört.

»Mittlerweile haben sich unsere Tiere daran gewöhnt«, sagt Wolfgang Hennes (26). Seit fast drei Monaten gilt wegen der Vogelgrippe die Stallpflicht. Die 30 000 Legehennen des Langenspacher Hofs dürfen – wie alle anderen Geflügel in ganz Bayern und darüber hinaus – nicht nach draußen. Das wird in nächster Zeit wohl auch so bleiben. Es sei nicht abzusehen, wann die Stallpflicht aufgehoben wird, sagt Roman Schneider, der Pressesprecher des Landratsamts Traunstein.


»Jetzt verhalten sie sich wieder ganz normal«

»Die ersten drei, vier Wochen waren unsere Freilandhühner nervös«, erzählt Wolfgang Hennes. »Sie wissen, dass sie normalerweise um 10 Uhr raus dürfen. Als keiner aufmachte, wurden sie unruhig. Mittlerweile haben sie sich aber gut daran gewöhnt und verhalten sich wieder ganz normal.« Und auch bezüglich der Zahl der Eier – täglich rund 25 000 – gebe es keinen Unterschied zu vorher, betont der Tierwirtschaftsmeister.

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Wolfgang Hennes findet die Stallpflicht an sich »eine sinnvolle Sache, denn das Ganze bringt ja ein erhebliches Risiko mit sich«. Was ihm allerdings nicht gefällt ist, dass am 13. Februar die Frist für Freilandeier ausläuft. Bis zu diesem Datum dürfen die Eier der Bauern als Freilandeier verkauft werden, obwohl die Tiere nicht frei herumlaufen. »Wir werden da von der Regierung etwas im Stich gelassen. Da müsste es in diesem Fall doch eine Sonderregelung geben.«

»Dass das für die Geflügelhalter ein Problem ist, ist ganz klar«, sagt Roman Schneider vom Landratsamt. Doch es sei in jedem Fall wichtig, dass die Stallpflicht auch weiterhin eingehalten werde. »Wenn die Vogelgrippe erst mal ausgebrochen ist, dann müsste der ganze Betrieb zu gemacht werden. Das will keiner.« – Massenkeulungen wie beispielsweise in einem von Geflügelpest betroffenen Betrieb in Mecklenburg-Vorpommern, wo 106 000 Tiere getötet wurden, hat es im Landkreis und auch im Freistaat bislang nicht gegeben. Der letzte infizierte Vogel, ein toter Schwan, wurde bei uns in der Region am 30. Dezember am Chiemsee gefunden.

Sechs Veterinäre und drei Veterinärassistenten des Landratsamts sind regelmäßig unterwegs, um zu überprüfen, ob die Stallpflicht eingehalten wird. »Leider gibt es immer wieder welche, die sich nicht daran halten«, sagt Roman Schneider. »Wir reden ihnen dann ins Gewissen und das wirkt meistens.« Zunächst bleibe es also bei einer Verwarnung, wer erneut erwischt wird, müsse mit einer Geldstrafe zwischen 100 und 200 Euro rechnen. Das Veterinäramt am Landratsamt ist in dieser Sache Aufsichtsbehörde, die Entscheidung über eine Verlängerung oder Aufhebung der Stallpflicht trifft das Umweltministerium. »Wir erwarten für den 10. Februar neue Informationen«, sagt Roman Schneider.

Hühner beschäftigen, damit sie nicht aggressiv werden

Von einer »äußerst guten Zusammenarbeit« mit den Mitarbeitern des Veterinäramts spricht Matthias Brandstätter vom gleichnamigen Hof in Langmoos. Der Betrieb hat 2400 Legehennen und 1500 Masthühner. »Den Freilandhühnern hat die Stallpflicht am Anfang schon weh getan«, sagt der 33-Jährige. Er habe sich immer wieder etwas einfallen lassen, damit die Hühner beschäftigt sind – zum Beispiel Strohballen zum Scharren oder eine Maisanlage zum Picken. Denn zwischenzeitlich sei schon zu beobachten gewesen, dass die Hühner aggressiv wurden und sich auch gegenseitig verletzten. »Mittlerweile haben sie sich aber gut daran gewöhnt«, sagt der Tier- und Wirtschaftsmeister für Geflügelhaltung. »Wir haben viel dafür getan, damit es den Tieren trotz Stallpflicht gut geht.« Auch seine Tiere legen nicht weniger Eier, trotzdem hofft Matthias Brandstätter, »dass die Stallpflicht bald vorbei ist« – auch wenn der 33-Jährige sie für absolut richtig hält. KR