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Den Faschingsauswüchsen Grenzen setzen

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Faschingsgaudi marsch, aber in geordneten Grenzen. Dazu will die Stadt Traunstein im kommenden Jahr auch auf den Einsatz von Citystreifen zurückgreifen. (Foto: Wittenzellner)

Traunstein – Eine Gaudi für die ganze Familie soll er sein, der Faschingszug in Traunstein. Und die Partyhungrigen und Feierwilligen sollen sich friedlich bei der anschließenden Zeltparty der Veitsgroma Zunft auf dem Stadtplatz austoben können. In diesem Jahr fiel ein dunkler Schatten auf die Traunsteiner Großveranstaltung. Betrunkene, die ungeniert in Hauseingänge am Stadtplatz uriniert haben und als Höhepunkt das sich hartnäckig haltende Gerücht von Mitfahrenden auf einem der 56 Motivwagen, die auf am Straßenrand stehende Kinder gepinkelt haben sollen.


So ganz neu sind die Vorwürfe dabei rund um den »Veitsdance« am Stadtplatz nicht. Erst vor zwei Jahren sprachen Anwohner am Stadtplatz in einem Schreiben von einem »öffentlichen Forum für den Kult des Komasaufens«, der Stadtplatz und die umliegenden Straßen würden zu einer »öffentlichen Müllhalde und Kloake mutieren«. Seither wurden von der Stadt Traunstein und der Veitsgroma Zunft verschiedene Maßnahmen, wie beispielsweise eine Vorverlegung des Veranstaltungsendes, ergriffen, um die Auswüchse in Griff zu bekommen. Das Ergebnis ist indes alles andere als befriedigend.

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Jetzt beschäftigte sich der Hauptausschuss des Traunsteiner Stadtrats mit dem Thema und suchte nach Optionen, wie man die unakzeptablen Zustände besser in den Griff bekommen könnte. Eine der beschlossenen Lösungen: Eine Citystreife, die im kommenden Jahr bei der Faschingsgaudi auf dem Stadtplatz mit dafür sorgen soll, dass das Feiern nicht ausartet.

Oberbürgermeister Christian Kegel machte deutlich, dass der Faschingszug bei der Bevölkerung beliebt sei, auch das Feiern am Stadtplatz habe viele Freunde, wenngleich sich die Freude bei denen, die am Stadtplatz wohnen, zum Teil in Grenzen halte. »Die Veranstaltung wird hervorragend angenommen«, so das Stadtoberhaupt, der auch dem Ausrichter der Feiern auf dem Stadtplatz, der Veitsgroma Zunft bescheinigte, ihr Möglichstes zu tun, dass das Feiern in einem vertretbaren Rahmen abläuft. »Die Zunft hat viel unternommen, um Auswüchsen entgegenzutreten. Wir können die nicht für jeden Wildgewordenen verantwortlich machen.« Nicht alle Besucher würden für ihre Notdurft Toiletten benutzen, wobei das Wildbieseln heuer beim Faschingstreiben auf dem Stadtplatz keine reine Männerdomäne gewesen sei, auch Frauen hatten offensichtlich keine Lust, sich bei zum Teil überfüllten Toiletten anzustellen. Gerade an der Stadtplatz-Südseite und in Richtung Hofgasse habe man unakzeptable Auswüchse festgestellt, die man künftig eindämmen wolle. Kegel: »Die Frage ist, ob man deshalb gleich die ganze Veranstaltung in Frage stellt.«

Weiter führte Kegel aus, dass man – nicht zuletzt aufgrund guter Erfahrungen beim Frühlingsfest – dieser Entwicklung mit dem Einsatz von Citystreifen entgegentreten wolle. Drei Streifen sollen zum Einsatz kommen, die Kosten von bis zu 1000 Euro für die Kontrolleure wolle man im Verhältnis 2:1 zwischen der Stadt Traunstein und der Zunft aufteilen, lautete der Vorschlag der Stadtverwaltung.

Kompletter Ausnahmezustand

Der Leiter des Ordnungsamts, Manfred Bulka, sprach von einem »kompletten Ausnahmezustand« am Faschingssamstag. Zu den Aktivitäten rund um das Faschingszelt der Veitsgroma Zunft laufen Parallelveranstaltungen in den großen Gaststätten auf dem Stadtplatz, »die uns auch Kopfzerbrechen bereiten«, führte Bulka weiter aus, der auch die Grenzen der Sicherheitskräfte erreicht sah. »Die Polizei alleine wird der Situation nicht her.« Auch er plädierte für den Einsatz von Citystreifen, in Abstimmung mit der Veitsgroma Zunft: »Wir haben mit den Veitsgroma ein gemeinsames Interesse.«

Wirte am Stadtplatz mit einbeziehen?

In der Diskussion regte 3. Bürgermeisterin Waltraud Wiesholer-Niederlöhner (SPD) an, dass man die umliegenden Lokale in die Kostenteilung mit einbeziehen solle. »Eigentlich wären wir zu Dritt, das zu stemmen.« Christa Fuchs (CSU) legte nochmals Wert auf die Feststellung, dass auch von Seiten der Veitsgroma Zunft Missstände benannt würden und man gemeinsam gegensteuern wolle. Ihr Fraktionskollege Dr. Christian Hümmer machte deutlich, dass er wenig davon halte, die Gaststätten auf dem Stadtplatz in die Pflicht zu nehmen: »Der Verursacher ist nicht die Wirtschaft, sondern der, der sich daneben benimmt. Es ist wichtig, dass man etwas tut.« Er schlug vor, in einem Jahr die dann gemachten Erfahrungen zu diskutieren. Wilfried Schott (Bündnis 90/ Die Grünen) machte deutlich, dass der Hauptanziehungspunkt auf dem Stadtplatz das Zelt der Veitsgroma sei. Dementsprechend wolle er die Zunft in der Frage der Finanzierung der vorgesehenen Streifen mehr in die Pflicht nehmen. Dem schloss sich auch UW-Fraktionschef Ernst Haider an, der eine hälftige Kostenteilung als »durchaus gerechtfertigt« ansah.

Am Ende der Diskussion waren sich die acht Ausschussmitglieder einig, die Citystreifen im kommenden Jahr am Faschingssamstag am Traunsteiner Stadtplatz einzusetzen, sich im Nachgang zu der Veranstaltung über den Erfolg abzustimmen und über die Finanzierung der drei vorgesehenen Streifen eine für alle Beteiligten annehmbare Kostenteilung zu erreichen. awi