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Den Bienen wieder mehr Lebensraum geben

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Barbara Söllner (rechts) aus Hausmoning und Andrea Hafenmayer aus Knappen bei Oberteisendorf wollen den Bienen wieder zu mehr Nahrung verhelfen und gründeten deshalb einen neuen Arbeitskreis. (Foto: Mergenthal)

Teisendorf. Den Bienen in der Region geht es schlecht. Heuer produzierten sie kaum Honig. Doch als Blütenbestäuber sind sie unersetzlich, sollen nicht bei uns »chinesische Verhältnisse« einkehren und Menschen wie im Film »More than honey« von Hand Apfelbäume bestäuben müssen.


Als eine wichtige Ursache von mehreren beim Bienensterben gilt der Rückgang des Nahrungsangebots: In unserer Kulturlandschaft blüht es immer weniger. Um das zu ändern, gründeten die Imkerinnen Barbara Söllner aus Hausmoning bei Ainring-Mitterfelden und Andrea Hafenmayer aus Knappen bei Oberteisendorf den Arbeitskreis »Dohoam blüat's und summt's«.

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Mit einem Maßnahmenkatalog zur »Ersten Hilfe« für die Bienen wollen sie Gartenbesitzer anregen, ihren Garten bienenfreundlicher zu gestalten. Darüber hinaus hat Barbara Söllner mit Unterstützung ihrer Kinder eine kleine Wander-Präsentation für die Obst- und Gemüseabteilungen von Supermärkten in der Region erstellt. Diese soll bewusst machen, welche Früchte alle durch die Bienen bestäubt werden.

Besonders am Herzen liegt es ihnen, die privaten Gartenbesitzer, die oft noch chemische Spritz- und Düngemittel einsetzen und dies nicht wie die Landwirte dokumentieren müssen, für die Not der Bienen zu sensibilisieren. Auch zu ihren Bürgermeistern haben die Initiatorinnen schon Kontakt aufgenommen. »Sie sind grundsätzlich sehr aufgeschlossen. Nähere Gespräche finden noch statt«, erklärt Barbara Söllner.

Wenn schon Spritzmittel, Krankheiten und vermutlich auch Rückstände vom Flugbenzin sowie Experimente der Klimabeeinflussung durch Sprühflugzeuge die Bienen schwächen, wollen die beiden Imkerinnen zumindest erreichen, dass die Bienen und damit auch Wildbienen und andere Insekten das ganze Jahr Nahrung finden. »Es geht nicht mehr um Honig, es geht um das blanke Überleben von Biene und Mensch«, betont Barbara Söllner. »Die Honigbiene zeigt uns nur auf, wie es letztendlich auch um uns steht. Noch bleibt uns etwas Zeit, doch noch alles zum Guten zu wenden, und die sollten wir nutzen.«

Ohne Zufütterung geht es etwa bei Andrea Hafenmayer, die seit zwei Jahren Bienen hält, nicht. Sonst verhungern die Bienen. Die Teisendorferin kocht dafür eine Zuckerlösung mit Biozucker, Kräutern und Salz, nach einem Rezept von Maria Thun, Pionierin des Pflanzenbaus nach den Mondphasen. Dies sei jedoch kein Ersatz für Nektar und Pollen, betont sie.

Die Imker in der Region betrachten die Entwicklung in der Bienenzucht mit Sorge, so auch Simon Angerpointner, Vorsitzender des Imkereivereins Teisendorf-Anger. »Nachwuchs haben wir noch und nöcher«, freut er sich zwar. Die Zahl der Bienenvölker im Vereinsgebiet jedoch habe sich von 1400 bis 1500 auf unter 700 mehr als halbiert. Aktuell gebe es viele kleine Imker mit nur zwei bis drei Völkern.

Seit 20 Jahren hält Angerpointner seine Bienen nach den Demeter-Richtlinien, die zum Beispiel den Schwarmtrieb der Bienen für die Bildung vitaler Völker zulassen, statt ihn zu unterdrücken, und lehrt in den Einführungskursen auch die extensive Bienenhaltung. Es nütze jedoch nicht viel, biologisch zu imkern, wenn die Umwelt nicht stimmt, so der Vorsitzende.

Die Artenvielfalt, die blühenden Kräuter und Unkräuter, die Mohn- und Kornblumen im Getreide, all das sei zurückgegangen. Sogar vom Löwenzahn gelbe Wiesen gebe es kaum mehr wegen des frühen Grasschnitts. Auch er muss im Sommer zufüttern. Heuer habe es im ganzen Verein keinen brauchbaren Honig gegeben, bedauert der Vorsitzende.

Die Gründung des Arbeitskreises begrüßt er sehr. »Alle müssen zusammenhelfen«, betont Angerpointner. Es gelte, die Jugend zu ermutigen, die manchmal frustriert die Imkerei wieder aufgebe: »Die haben das Schicksal in der Hand.«

Imker, Landwirte, Gartenbesitzer und weitere Interessierte, die beim Arbeitskreis mitmachen wollen, können sich bei den beiden Initiatorinnen melden: Barbara Söllner, Telefon 08654/7788881, Andrea Hafenmayer, Telefon 08666/6106.

Einen kostenlosen Einführungskurs in die Bio-Imkerei hält Simon Angerpointner am 25. Oktober ab 10 Uhr zusammen mit Bernhard Zimmer auf der Neubichler Alm. Eine Anmeldung ist nicht nötig. vm