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»Den Ausverkauf der Heimat verhindern«

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Foto: Symbolbild, pixabay

Unterwössen – Mit einem Strategiewechsel will die Gemeinde Unterwössen der Baulandentwicklung künftig eine andere Richtung geben.


Man will weg von brachliegenden Baugrundstücken für Alterssicherung oder Spekulationen, von einem weiteren Anwachsen von Zweitwohnungen und von schwindelerregenden Grundstückspreisen. Stattdessen stehen eine organische Ortsentwicklung, finanzierbare Grundstücke für ortsansässige Familien und bezahlbarer Wohnraum für ortsansässige Singles und Senioren im Fokus. Ein entsprechendes Grundsatzpapier hat der Gemeinderat in der jüngsten Sitzung am Montag einstimmig abgesegnet.

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Schon seit mehr als einem Jahr beschäftigt sich die Gemeinde mit der baulichen Zukunft von Unter- und Oberwössen. Es wurden Arbeitspläne erstellt und Grundlagen ermittelt und in einem Fachseminar zur Ortsentwicklung alternative Gestaltungsspielräume erarbeitet. Bürgermeister Ludwig Entfellner und Geschäftsleiter Thomas Müllinger stellten die Ergebnisse und einen möglichen Strategiewechsel nun erstmals im Gemeinderat vor.

»Unsere Bauflächen sind durch unsere Tallage, Überschwemmungsgebiete und wertvolle Naturräume begrenzt«, umriss Müllinger die Ausgangssituation. Erschwerend käme hinzu, dass aktuell 170 ausgewiesene Baugrundstücke im Ort unbebaut sind und dem Markt nicht zur Verfügung stehen. Außerdem gebe es zu viele Zweitwohnungen, die sich aus bestehenden Baurechten ableiten.

Als Ziele einer künftigen Baulandentwicklung nannte der Geschäftsleiter »eine nachhaltige Entwicklung des Wohnungs- und Immobilienmarktes, die eine ausreichende Versorgung vor allem für ortsansässige Familien und Senioren zu erschwinglichen Preisen sichert.« Außerdem solle Bauland schnell zur Verfügung stehen und kurzfristig bebaut werden. Zusätzliche Zielvorgaben sieht Müllinger in der Verhinderung von unbebauten Baugrundstücken zu Spekulationszwecken, in der ausschließlichen Nutzung von neuen Wohneinheiten als Hauptwohnsitz und in der Stärkung der Dorfzentren. Chancen für preiswerte Wohnungen sieht er auch durch öffentliche Wohnbauträger und Genossenschaften.

Die erste konkrete Maßnahme für die Umsetzung dieser Ziele soll laut Bürgermeister Entfellner eine Bauverpflichtung nach der Ausweisung innerhalb von fünf Jahren sein. Ein uferloses Anwachsen von Zweitwohnungen könnte zudem durch die konsequente Anwendung der Fremdenverkehrssatzung von maximal drei Wohneinheiten gestoppt werden.

Verbesserungen könnten nach Ansicht des Bürgermeisters auch durch einvernehmliche Lösungen mit Bauwerbern erreicht werden, beispielsweise bei der optimalen Ausnutzung von nicht zu großen Bauflächen und bei der vorrangig gewünschten Innenverdichtung. Auch die Erarbeitung eines zeitgemäßen »Familienansiedlungsmodells«, ähnlich dem früheren »Einheimischenmodell« ginge laut Entfellner in die richtige Richtung.

Als mittelfristige Maßnahme sehen beide Verantwortungsträger auch die Überprüfung von Flächennutzungs- und Bebauungsplänen nach sieben Jahren, wenn sie bis dahin nicht realisiert wurden. Es sei rechtskonform, solche Entscheidungen unter bestimmten Voraussetzungen wieder zurückzunehmen, meinte der Bürgermeister.

Die neue Marschrichtung stieß bei allen Gemeinderäten auf eine positive Resonanz, allerdings »nicht als sozialer Fahrplan, sondern als eine umfangreiche Aufgabe«, wie es Hermann Minisini (CSU) formulierte. Auch Zweiter Bürgermeister Barthl Irlinger (OWG) sah in den neuen Überlegungen »lediglich eine gewisse Leitschnur, die einer steten Anpassung bedarf.«

Etwas skeptisch beurteilte Mathias Schweigl (CSU) die Lage: »Wenn wir junge Leute hier halten wollen, müssen wir als Gemeinde Geld in die Hand nehmen, Grund kaufen und ihn zu erschwinglichen Preisen weitergeben.« Johannes Weber (CSU) warnte dagegen: »Die Gemeinde sollte nicht als Makler auftreten.«

Als zusätzliches »Werkzeug« innerhalb der neuen Ausrichtung brachte Bürgermeister Entfellner eine mögliche Plattform bei der Gemeinde zur Beratung und Betreuung seiner Bürger in Sachen Wohnraum ins Gespräch. Nach dem Wunsch des Gremiums sollte diese Anregung festgehalten und gegebenenfalls mit anderen Gemeinden abgestimmt werden.

Letztendlich erhielt der Grundsatzbeschluss grünes Licht. Er soll in Abständen von drei Jahren auf seine Wirksamkeit überprüft und bei Bedarf überarbeitet werden. bvd