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»Demenz heißt nicht nur vergessen«

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Grassau – Die Zahl der Demenzerkrankten steigt kontinuierlich. 80 Prozent der Erkrankten werden von ihren Angehörigen versorgt. Doch wer kümmert sich um die Angehörigen, die mit dieser Krankheit konfrontiert werden? Für sie wurde nun eine Angehörigen-Gesprächsgruppe von der Alzheimer-Gesellschaft Berchtesgadener Land - Traunstein in Grassau gegründet.


Das Interesse am Informationsabend hielt sich in Grenzen, obwohl das Thema einen großen Bevölkerungskreis betrifft und künftig noch mehr betreffen wird. Roswitha Moderegger, Vorsitzende der Alzheimer-Gesellschaft BGL-TS ging auf die unterschiedlichen Krankheitsbilder und Formen der Demenz ein und erklärte, wie sich die Krankheit äußert und was für den Patienten, aber auch für den Angehörigen, wichtig ist. Denn »Demenz heißt nicht nur vergessen«.

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»Der Demenzkranke will verstanden werden und will verstehen, denn auch diese Menschen brauchen Würde«, sagte sie. Die Alzheimer-Gesellschaft, die bereits sei 16 Jahren in Berchtesgaden und seit fünf Jahren in Traunstein tätig ist, versteht sich als Sprachrohr der Patienten und pflegenden Angehörigen. Auf der ehrenamtlichen Schiene werde versucht, die »Demenz in die Köpfe der Menschen auch in Politik und Pflegeversicherung« zu bekommen, erklärte Moderegger.

Die Angehörigengruppe sei wichtig, um mit anderen ins Gespräch zu kommen. »Das tröstet anders«, meinte sie. Zudem werde gezeigt, wo Hilfe zu erwarten ist und wie es vor allem zuhause mit dem Erkrankten weitergehen soll. Sie stehe dabei von der fachlichen Seite zur Verfügung.

Demenz bedeute für die Erkrankten, dass sie ihre gesamte Lebensplanung umstellen müssen »und das macht traurig«. Ihr jüngster Patient war gerade einmal 41 Jahre alt, viele sind kaum über 60 Jahre, freuen sich auf den Ruhestand und dann ist plötzlich alles anders. Der Umgang mit dem Demenzerkrankten ändert sich und viele Angehörige plagen Schuldgefühle. Dem Erkrankten selbst hingegen geht es gut. Die Gedanken an Zukunft oder Geld gebe es ab einem bestimmten Krankheitsgrad nicht mehr.

Moderegger erklärte, dass auch beim pflegenden Angehörigen ein Lernprozess eintrete, der oft sehr betroffen, manchmal aber auch wütend mache. Wertvolle Tipps möchte die Angehörigengruppe geben. Sie werde die Gruppe, die ab 2017 jeden ersten Mittwoch im Monat von 15 bis 17 Uhr im Familientreff Grassau zusammenkommt, leiten. Zu einigen Treffen werden auch Referenten und Experten kommen und über spezielle Themen, wie etwa eine Patientenverfügung, informieren. tb

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