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Dem Verkehr wieder Tür und Tor geöffnet

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Nach dem Willen des Traunreuter Hauptausschusses soll die Beschilderung »Anlieger frei« bei der Wohnsiedlung »Frauenbrunn« an der Siemensstraße in Traunwalchen wieder entfernt werden. Damit werden dem Verkehr aus beiden Richtungen wieder Tür und Tor geöffnet. Die Geschwindigkeit soll auf 30 Stundenkilometer begrenzt werden. (Foto: Rasch)

Traunreut – Dem Schildbürgerstreich an der Siemensstraße in Traunwalchen wird nun ein Ende gesetzt. Das Straßenschild »Anlieger frei« in Richtung Oderberg beziehungsweise aus Richtung Oderberg kommend, kommt weg.


Diese Beschilderung, die vor rund zwei Jahren auf Antrag eines Traunwalchners vom Stadtrat beschlossen wurde, obwohl es dort laut Straßenverkehrsordnung gar keine Anlieger gibt, führt seither zu ständigen Verwirrungen. Deshalb hat sich der Hauptausschuss in seiner jüngsten Sitzung mit großer Mehrheit dafür ausgesprochen, den vor zwei Jahren gefassten Beschluss aufzuheben und die Straße als 30-km/h-Zone wieder freizugeben.

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»Landwirtschaftlicher Verkehr« statt »Anlieger frei«?

Der Entscheidung ging ein Antrag eines Anwohners der Siemensstraße voraus, den Bürgermeister Klaus Ritter (FW) und Martin Czepan (Grüne) als einzige unterstützten. Der Antragsteller hatte mehrfach beklagt, dass die Beschilderung zu ständigen Missverständnissen führe. Deshalb beantragte er, das Schild »Anlieger frei« durch ein Schild »Landwirtschaftlicher Verkehr frei« zu ersetzen. Laut Stadtverwaltung habe der Hauptausschuss die Beschilderung »Anlieger frei« beschlossen, obwohl Polizei und Stadtverwaltung für »Landwirtschaftlicher Verkehr frei« gewesen seien.

Das Ganze ist kurios: »Anwohner gibt es in diesem Fall gar nicht«, bestätigte der Geschäftsleitende Beamte der Stadtverwaltung, Josef Maier, dem Traunsteiner Tagblatt. Auf Höhe der Anlieger-Frei-Zone führt nämlich keine Einfahrt zu den Grundstücken in die »Frauenbrunn-Siedlung«. Innerorts wurde die Beschilderung unmittelbar vor der Wohnsiedlung aufgestellt.

Für ortsunkundige Autofahrer bedeutet dies, dass sie vor dem Schild zurückstoßen müssen, um über die Eschenauer Straße auf die neu ausgebaute Kreisstraße zu gelangen. Trotz des Verbotsschildes nutzen aber nach wie vor viele Autofahrer diese Strecke als Abkürzung, um nach Traunreut in die Arbeit zu fahren.

Reinhold Schroll (CSU) sprach sich klar gegen jegliche Beschilderung aus und forderte, das Durchfahrtsverbot wieder aufzuheben. Den Antrag Schrolls unterstützte auch Johannes Danner (Bürgerliste). Dr. Michael Elsen (CSU) schlug vor, die Straße probeweise wieder freizugeben. Die neue Straße (Kreisverkehr) sei zwar die erste Lösung, sagte Ernst Ziegler (SPD). »Wenn es aber nicht funktioniert, sollte man die Siemensstraße wieder öffnen und auf 30 km/h beschränken.«

Sein Fraktionskollege Christian Stoib unterstützte diesen Antrag. Er könne sich vorstellen, dass die Wiederöffnung der Siemensstraße für Autofahrer vielleicht auch ein Anreiz sein könnte, doch über den ausgebauten und wesentlich attraktiveren Kreisverkehr zu fahren, so Stoib.

Schulkinder wieder Gefahren ausgesetzt

Martin Czepan und Bürgermeister Klaus Ritter warnten davor, das Straßenstück wieder für den allgemeinen Verkehr freizugeben. Die Straße bringe nur eine Abkürzung in Richtung Gewerbegebiet und Frühling, erklärte Czepan. Vor allem für die Kinder und Schüler, die auf der Siemensstraße mit dem Rad nach Traunreut zur Schule fahren, bedeute eine Öffnung der Straße ein großes Risiko. Ritter warnte vor den Gefahren, denen die Kinder dort ausgesetzt werden: »Dann haben wir wieder die Kontrollen am Hals.« Die Straße sei in einem sehr schlechten Zustand und sehr schmal. Der Begegnungsverkehr müsse auf die Wiese ausweichen.

Laut Verwaltung sollen die Schilder »Anlieger frei« voraussichtlich nächste Woche nach der Stadtratssitzung abgebaut werden. Üblicherweise werde bei Ausschussbeschlüssen die nachfolgende Stadtratssitzung abgewartet, ehe Beschlüsse endgültig umgesetzt würden, so Maier. Erfahrungen hätten gezeigt, dass der Stadtrat auch beschließende Angelegenheiten, wie in diesem Fall, noch einmal aufgreift und im Gesamtgremium diskutiert. ga