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Dem Täter schutzlos ausgeliefert

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Traunstein – Mit acht Jahren Gefängnis muss ein 25-jähriger Asylbewerber aus dem Senegal die vierfache Vergewaltigung einer 19 Jahre alten Angestellten in den Inn-Auen bei Mühldorf büßen.


Die Sechste Strafkammer am Landgericht Traunstein mit Vorsitzendem Richter Dr. Jürgen Zenkel verurteilte den Mann am Donnerstag wegen vierfacher Vergewaltigung und Körperverletzung in den ersten Stunden des 4. September 2015. Der Angeklagte hatte die Tat nach seiner Festnahme noch am gleichen Tag erst gänzlich abgestritten, nach Bekanntwerden von Genspuren an ihm wie der 19-Jährigen von einem »einvernehmlichen Geschlechtsverkehr« gesprochen. Der Verteidiger, Erhard Frank aus Burghausen, kündigte unmittelbar nach der Verhandlung Revision zum Bundesgerichtshof an.

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Der Asylbewerber lebte zuletzt in der Gemeinschaftsunterkunft in Mühldorf. »Er wollte unbedingt eine Frau kennenlernen und war deshalb nachts unterwegs«, berichtete eine Kripobeamtin aus Mühldorf. Nach der Tat habe sich eine andere Frau gemeldet, der er nachts durch die Altstadt von Mühldorf gefolgt war.

Gegen 3.30 Uhr war die 19-Jährige nach dem Volksfest und einem Clubbesuch auf dem Heimweg. An dem Fußweg entlang der Bundesstraße 12 hielt sie der Angeklagte an und verwickelte sie in ein Gespräch. Mit ihm mitzugehen, später auch, ihn zu küssen, lehnte die 19-Jährige klar ab. Als sie ihren Freund anrufen wollte, nahm ihr der 25-Jährige das Handy weg. Dann zog er sie in ein Gebüsch und verging sich gegen ihren Willen mehrmals an ihr. Eine Gruppe junger Leute, darunter ein 26-jähriger Mühldorfer, hörte das Mädchen schreien: »Was es gerufen hat, habe ich nicht verstanden. Ich habe geschrien. 15 Sekunden später kam die Frau in etwa 50 Entfernung aus dem Gebüsch. Sie stand unbekleidet auf dem Fußweg, weinte fürchterlich und sagte, sie sei vergewaltigt worden.«

Ein Spürhund stieß auf die Fährte des 25-Jährigen

Die Passanten kümmerten sich um das Opfer und riefen die Polizei. Spürhunde stießen am Tatort auf die Fährte des anfangs Unbekannten. Nach intensiven Ermittlungen klickten am Nachmittag in der Unterkunft die Handschellen. Der Asylbewerber leugnete zunächst jeden Kontakt mit einer Frau, was Rechtsmediziner schnell widerlegen konnten. Die DNA des 25-Jährigen unter einem Fingernagel der 19-Jährigen und Genmaterial von ihr an seinem Körper waren wichtige Indizien in dem zweitägigen Prozess.

Staatsanwältin Veronika Gnadl forderte eine Freiheitsstrafe von neun Jahren. Die Angaben des 25-Jährigen seien voller Widersprüche, die Aussage der 19-Jährigen hingegen »absolut glaubwürdig«. Das Geschehen in den Inn-Auen sei der »Schrecken aller Eltern«, für die Geschädigte »ein Horror« gewesen. Opferanwältin Sabine Baierlein aus Mühldorf schloss sich an und hob heraus: »Ein Nein ist ein Nein - in jedem Land.« Den Antrag der Staatsanwältin bezeichnete Verteidiger Erhard Frank als »überhöht«, er verzichtete in seinem Plädoyer aber auf einen konkreten Antrag zur Höhe der Strafe. Im »letzten Wort«, das eher von Selbstmitleid geprägt war, bedauerte der 25-Jährige: »Es tut mir wirklich sehr leid. Ich bereue es im Herzen.«

Bei der Urteilsbegründung betonte Dr. Jürgen Zenkel, von »Freiwilligkeit«  seitens des Opfers könne keine Rede sein. Der  Angeklagte   habe    die Geschädigte am Weitergehen gehindert, ihr die Möglichkeit genommen, mit dem Handy Hilfe zu verständigen. Glücklicherweise habe die 19-Jährige schließlich fliehen können. Dass das   Geschehen   nicht freiwillig war, dafür sprach nach Worten des Vorsitzenden Richters auch die Aussage des Opfers –  »ohne Belastungseifer, ruhig und sachlich«. Der 25-Jährige  wäre  gut beraten gewesen, ein Geständnis abzulegen: »Diesen Strafmilderungsgrund aber haben wir nicht. Aber  immerhin  hat  er sein   Bedauern, eine Entschuldigung  geäußert.« Zu bewerten sei auch die totale Hilfslosigkeit der 19-Jährigen: »Sie war dem Täter schutzlos ausgeliefert.« kd