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Dem Hausärzteschwund entgegen steuern

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Traunstein. »Wir müssen handeln, sonst ist es im Bereich der Gesundheitsversorgung in einigen Jahren zappenduster«. Deutliche Worte fand der Traunsteiner Landrat Hermann Steinmaßl anlässlich der Gründung der Regionalen Gesundheitskonferenz Südostoberbayern im Gasthaus Schnitzlbaumer in Traunstein. In einem Modellversuch sollen sich bis zum Ende des kommenden Jahres Arbeitsgruppen in den fünf Landkreisen der Planungsregion 18 Gedanken machen, wie die regionale Gesundheitsversorgung nachhaltig gesichert werden kann.


Denn eines steht jetzt bereits fest: Die Hausärzte in unserer Region werden immer weniger. Mehr als ein Viertel sind bereits älter als 60 und werden wohl bis 2020 ihre Praxen schließen. Nachfolger sind nur wenige in Sicht, denn viele junge Medizinstudenten wollen keine Niederlassung auf dem Land übernehmen. »Zu lange Arbeitszeiten, zu viele Bereitschaftsdienste, ein hoher finanzieller Aufwand und auch ein riesiger Bürokratiewust schrecken viele ab«, erklärt Dr. Karl Dürner. Er ist selbst niedergelassener Allgemeinarzt und zugleich Bürgermeister der Gemeinde Schwindegg im Landkreis Mühldorf. Er unterstützt die Erstellung eines Konzepts der Mitgliedslandkreise des Planungsverbandes Südostoberbayern.

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Welche Themenfelder darin behandelt werden, darauf einigten sich die Vertreter aus Politik, Gesundheitswesen, Versicherungsträgern und weiteren Fachorganisationen aus den Landkreisen Traunstein, Berchtesgadener Land, Altötting, Mühldorf sowie Stadt und Land Rosenheim beim Auftakt in Traunstein.

Wichtiger Punkt wird neben der Regelung der Bereitschaftsdienste auch die Einteilung der Einzugsbereiche sein. Bisher kommt ein Hausarzt auf 1300 bis 1400 Einwohner. Diese Zahl soll sich laut Prognosen bald auf 1700 erhöhen und gleichzeitig die der Praxen auf dem Land immer mehr abnehmen. »Wir brauchen die Ärzte aber nicht nur in den Städten, sondern flächendeckend«, fordert Traunsteins Landrat Steinmaßl. Zwar sei bereits klar, dass künftig nicht jede Gemeinde einen eigenen Arzt haben werde, aber die Entfernungen müssten in einem überschaubaren Rahmen bleiben.

Weiterer wichtiger Punkt sind die Bedürfnisse der neuen Ärztegeneration. So müssen unter anderem Strukturen geschaffen werden, die vor allem der weiblichen Mehrheit der angehenden Mediziner entgegen kommen und diese auch in ihrer Mobilität nicht zu sehr einschränken. Gedanken machen wollen sich die Mitglieder der Arbeitsgruppen auch über die psychotherapeutische Versorgung in der Region, die zahnärztliche Bedarfsplanung und begleitende Maßnahmen auf kommunaler Ebene.

Wissenschaftlich begleitet wird das einjährige Modellprojekt, für das die Staatsregierung Fördermittel von 46 000 Euro zur Verfügung stellt, vom Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit. Damit keine neuen Strukturen und Hierarchien gegründet werden müssen, wird die Gesundheitskonferenz über die existierende Geschäftsstelle des Regionalen Planungsverbandes am Traunsteiner Landratsamt abgewickelt.

Im zweiten Quartal 2014 wollen sich die Teilnehmer erneut treffen und erste Ergebnisse aus den einzelnen Arbeitskreisen vorstellen. Eine Garantie, dass die Verbesserungsvorschläge dann auch umgesetzt werden, gibt es aber nicht. »Wir wissen, dass unsere Ausarbeitungen nur empfehlenden Charakter haben können«, so Landrat Steinmaßl. »Aber wir vertrauen darauf, dass wir als Modellregion mit unseren Forderungen besser Gehör finden werden.« apo