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Deftiges und Heiteres beim Traunsteiner Starkbier-Fest

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Er hatte zwar Kreide dabei, hatte diese aber nicht gegessen: Fastenprediger Albert Rosenegger teilte kräftig aus. (Foto: Wittenzellner)

Traunstein – Deftig und heiter ging es beim restlos ausverkauften Traunsteiner Starkbier-Fest zu. Kaum einer der heimischen Politiker wurde von dem beißenden Humor von Fastenprediger Albert Rosenegger verschont. Und auch Willi Schwenkmeier als Petrus schenkte teilweise kräftig ein. Es herrschte gute, zünftige Stimmung, es gab einen vollmundigen Fastenbock mit einer Stammwürze von 19,2 Prozent und einem Alkoholgehalt von 7,8 Prozent, eine musikalische Einstimmung der Traunsteiner Stadtmusik und ein reichhaltiges Programm.


Selbst der Bräu, Maximilian Sailer, hatte in seinem Zylinder manche Überraschung dabei. So gab er gleich Farb-Nachhilfe in Sachen Parteien. Er begann mit einer blauen Karte mit rotem Pfeil. Würden beide Farben vermischt, würden sie braun ergeben. Die grüne Karte in Form einer Blume sei ja »ganz liab. Nur in Traunstein mog ma den grünen Daumen ned.«

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Wie wenn der FC Bayern einen 60er-Spieler aufstellte

Wenig Hoffnung machte er auch der SPD mit Kanzlerkandidat Martin Schulz mit der roten Karte: »Des wär ja grad so, wie wenn der FC Bayern an 60er-Spieler aufstellen tät.« Auch die CSU habe ihre liebe Not mit der »Ossi-Tussi«, der Horst Seehofer nicht Herr werde.

Und weil »Bier und Bleamen« gut zusammenpassten, gab es Blumen für die bayerische Bierkönigin Sabrina-Anna Ulrich. Oberbürgermeister Christian Kegel erwies sich routiniert: Zwei Schläge brauchte er, bis er das »Ozapft is« verkünden konnte. Dem Zuprosten mit Hopfen und Malz folgte die gemeinsam gesungene Bayernhymne – der Text war vorsichtshalber auf den Tischen ausgelegt.

Die Partei mit dem »C« für Cash

Dann schimpfte Petrus im weißblauen Kittel über die Partei mit dem »C« – das stehe für Cash. »Ned für den Johnny, sondern fürn Diridari.« So frage er sich – ganz in Anlehnung an den Trump-Wahlkampf in den USA – wann »Bavaria first!« (Bayern zuerst) auf den Plakaten der Partei auftauche. Den Gedanken des Urbayerischen griff auch das NUTS in einem Theaterstück auf. So beklagten die Resi (Christa Fuchs) und die Maria (Gabriele Trattler) Schlagzeilen, in denen der »Schlussverkauf« neudeutsch »Final sale« heiße. In das hin und her, ob in Zeiten der Globalisierung fremde Einflüsse überhaupt aufzuhalten seien, mischte sich der Stani (Franz-Josef Fuchs) mit der Lösung einer Grenzmauer zwischen Bayern und Österreich ganz nach amerikanischem Vorbild.

Während die Resi aber auch weiter ohne Probleme nach Salzburg ins Theater fahren wollte, sah Maria den Vorteil, dass man mit so einer Grenzanlage auch das »Gschwerl« aus dem Land raushalten könne – ganz nach den Vorstellungen Horst Seehofers. Der Stani, Südtiroler Bio-Weinbauer, sah auch den »Bayxit« als logische Konsequenz der bayerischen Zahlermentalität im Länderfinanzausgleich. Was die Engländer könnten, das könnten die Bayern schon lange. Die Folge sei der Siegeszug der Partei AfB, der »Alles für Bayern«.

Albert Rosenegger hatte für seine Fastenrede reichlich Stoff aus dem Traunsteiner Stadtgeschehen. Betonte doch schon Bräu Maximilian Sailer bei der Starkbierverköstigung: »Ihr habt das ganze Jahr über so gut mitgetan, ihr habt alles gegeben.« Um kein lebenslängliches Stadtbetretungsverbot zu riskieren, wolle er lieber erstmal Kreide fressen, damit er sich besser zurückhalten könne.

Jeden Tag eine Sau durch die Stadt

Die Auswahl seiner Themen machten ihm die Kommunalpolitiker nicht leicht. Würden sie doch »jeden Tag eine Sau durch die Stadt treiben.« Die CSU-Stadträte hätten gerade in den letzten Wochen den Mund sehr voll genommen, betonte er in Anspielung auf die Ablehnung des städtischen Haushalts in der ersten Abstimmung. Den Grünen-Stadträten und der Landtagsabgeordneten Gisela Sengl heftete er an, dass sie nach »Grüner-Sitte« etwas verhindern wollten. Er schlug ihnen vor, zwischen Rathaus und Stadtkirche eine Windkraftanlage zu installieren. »Do ziagts eh as ganze Jahr.«

Auch die heimischen Bundespolitiker durften im Rundumschlag nicht fehlen. Für Dr. Bärbel Kofler blieben bei der nächsten Bundestagswahl nur die »Brotsamen, die vom reich gedeckten Tische Dr. Peter Ramsauers herabfallen.« Dabei nährte er für die Wahlen das Gerücht, dass die Bleistifte in den Wahlkabinen so kurz angebunden seien, dass sie auf den Stimmzetteln gerade bis zur CSU reichten.

Landrat Siegfried Walch sei bisher ohne Kreide ausgekommen. »Außer sie fahren nach Rosenheim«, spielte er auf die gescheiterte Tourismusfusion an. Das Ablassen des Chiemsees könne vielleicht die Rosenheimer zum Einlenken bringen, schlug Rosenegger vor. Zauneidechsen seien wohl problemloser umzusiedeln als Asylanten, sagte er mit Blick auf den Standortwechsel einiger Asylbewerber von Bergen nach Petting. »Aber das Zuwandererproblem hams ja guat in den Griff griagt«, bescheinigte er dem Landrat.

Oberbürgermeister Christian Kegel hingegen wechsle ständig die Hüte, um die Bürger im Glauben zu lassen, dass jeweils ein anderer für politische Missgeschicke verantwortlich sei, was auch für die Traunsteiner Elbphilharmonie, die Klosterkirche gelte. Die Güterhalle solle als »Denkmal einer hilflosen Stadtpolitik« unter Denkmalschutz gestellt werden. Er mache bei manchem Stadtrat eine beginnende Demenz aus, würden sich doch einige nicht mehr an früher mitgetragene Beschlüsse erinnern. Bei einer breiten Wiederwahl fürchte er um Engpässe aufgrund der vielen Rollatoren.

Lagerhallen mit Gebirgsblick und Leerstände in der Stadt

Er prangerte Lagerhallen mit Gebirgsblick an. Die Gewerbesteuereinnahmen würden indes nicht spürbar verbessern, die Leerstände in der Stadt wüchsen. Im Rückblick auf den Stadtbrand von 1851 sagte er, damals habe man zwischen den Brandstätten ein großes Konzert mit bedeutenden Interpreten abgehalten. »De Kultur war eahna heilig, auch angesichts rauchender Ruinen.« Dann habe man angepackt und die Stadt gemeinsam wieder aufgebaut. »Wenns aber domois a so vorganga waarn, wias ihr heitzutags vorgehts, dann stands heit no ned.«

Lang anhaltender Applaus zeigte, dass Rosenegger mit seiner knapp halbstündigen Rede den Nagel auf den Kopf getroffen hatte. Landrat Siegfried Walch formulierte es kurz und knapp: »Spitzenmäßig« und brachte damit die Stimmung bei den Nicht-Gescholtenen und wohl auch den meisten der Derbleckten auf den Punkt.

Orden »für nichts und wieder nichts« für Klaus Steiner

Zum Ende des offiziellen Programms erhielt Landtagsabgeordneter Klaus Steiner von Willi Schwenkmeier als Petrus noch den Orden »für nichts und wieder nichts«. Auch wenn der nicht unbedingt auf große Leistungen schließen lässt, ließ Petrus durchblicken, dass der Geehrte nicht unbedingt durch Körpergröße besticht, wohl aber durch andere Werte. Der Landtagsabgeordnete, dem Petrus eine starke Medienpräsenz attestierte, nahm den Orden mit Humor entgegen, ehe die Stadtmusik für einen stimmungsvollen Ausklang des Starkbierfests sorgte. awi