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»Das Ziel muss die Klimaneutralität 2035 sein«

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Ludwig Essig von Fridays for Future sagt, dass die Stadt Traunstein aufgefordert ist, ihren Beitrag zum Pariser Klimaschutzabkommen zu leisten.

Traunstein – Die Klimaaktivisten der Ortsgruppe Traunstein von Fridays for Future fordern, die Emission von Treibhausgasen in der Stadt in den nächsten eineinhalb Jahrzehnten auf Netto-Null zu senken. »Das Ziel muss die Klimaneutralität 2035 sein«, sagt Ludwig Essig von Fridays for Future im Interview mit dem Traunsteiner Tagblatt. Die Stadt beteiligt die Aktivisten, wenn sie daran geht, ein Klimaschutzkonzept für Traunstein aufzustellen.


Die Stadt hat – im Dezember – beschlossen, dass die Klimaaktivisten von Fridays for Future bei der Erstellung eines Klimaschutzkonzepts für Traunstein mitreden dürfen. Was halten Sie von dieser Einbindung?

Die Fridays For Future-Bewegung hat sich ursprünglich zusammengeschlossen, um der Wissenschaft auf der Straße Gehör zu verschaffen. Es war und ist nicht unser Hauptanliegen, in der Politik legislative Aufgaben zu übernehmen. Es ist die Aufgabe unserer gewählten Volksvertreter und Volksvertreterinnen, Wege zu suchen, die das Leben auf der Erde auch in Zukunft sichern. Die Grundlage hierfür ist das Paris-Abkommen. Wir müssen uns immer wieder klar machen, dass es sich dabei bereits um einen gesellschaftlichen Kompromiss handelt, den es jetzt einzuhalten gilt. Trotzdem freuen wir uns, miteingebunden zu werden. Fridays For Future ist die inklusivste Bewegung, die ich je erlebt habe. Sie ist nicht nur die jüngste, friedlichste und internationalste, sondern auch die weiblichste Bewegung. Demokratische Teilhabe ist für uns daher nicht nur graue Theorie.

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Wann startet denn die Diskussion, wer von Fridays for Future beteiligt sich denn wie an dem Prozess?

Uns ist von der Stadt zum heutigen Zeitpunkt noch kein Termin genannt worden, wann der Prozess beginnen soll. Sobald wir diesen kennen, werden wir uns Gedanken darüber machen, wer die zeitlichen Ressourcen aufbringen kann, sich aktiv zu beteiligen. Grundsätzlich soll dies aber jedem in der Ortsgruppe möglich sein. Wir stehen alle hinter den von uns formulierten Forderungen. Diese werden wir unabhängig der Personen, die am Prozess teilnehmen ständig vor- und einbringen.

Einen Forderungskatalog hat Fridays for Future der Stadt übergeben. Welche Anliegen wollen Sie insbesondere in die Diskussion über ein Klimaschutzkonzept für Traunstein einbringen?

Um die Klimakatastrophe zu verhindern, erfordert es insbesondere auch auf kommunaler Ebene weitreichende Veränderungen. Die zwei Hauptforderungen unseres Schreibens sind: Die Stadt Traunstein senkt ihre Treibhausgasemissionen auf ein Nettonull bis spätestens 2035. Sämtliche Maßnahmen zum Klimaschutz und deren konkrete und schnelle Umsetzung müssen an diesem Ziel ausgerichtet werden. Hierfür haben wir den Forderungskatalog in sechs Kategorien unterteilt: Energie, Mobilität, Stadtverwaltung, Stadtplanung/Gebäude, Ressourcen/Abfall, Wirtschaft.

Grundsätzlich ist uns vor allem auch Transparenz wichtig. Wir müssen dringend wissen, wo die Stadt heute beim Klimaschutz steht, und was noch getan werden muss.

Alle Maßnahmen müssen vom Ziel her gedacht sein. Das Ziel muss die Klimaneutralität 2035 sein. Nur so kann die Stadt Traunstein ihren Beitrag zum Pariser Klimaschutzabkommen leisten, welches auch von der Bundesrepublik Deutschland ratifiziert wurde.

Was stimmt Sie zuversichtlich, dass Sie mit Ihren Forderungen für die Erstellung des Konzeptes Gehör finden?

Zuversichtlich stimmt uns, dass in der Stadt zwar noch über Ziele und Maßnahmen gestritten wird, das heißt, das »Wie« ist noch nicht geklärt. Das »Ob« steht jedoch fraktionsübergreifend fest.

Außerdem freuen wir uns über den großen Rückhalt in der Bevölkerung. Es ist uns wichtig zu betonen, dass wir nur fordern, was über 195 Staaten dieser Erde unterzeichnet haben. Das Paris-Abkommen ist sowohl wissenschaftliche Notwendigkeit, als auch gesellschaftlicher Konsens.

Insofern haben wir einen großen, internationalen Rückhalt für unsere Forderungen.

Welche weiteren Maßnahmen in Traunstein halten Sie – nach der Erstellung eines Klimaschutzkonzeptes durch die Stadt – für erforderlich?

Das lässt sich zum jetzigen Zeitpunkt schwer sagen. Zumal ja noch nicht einmal der Prozess zur Erstellung eines Klimaschutzkonzeptes begonnen hat.

Was glauben Sie: Wie wird der Klimaschutz in 50 Jahren in Traunstein ausschauen?

Wenn Deutschland 1,5 Grad kompatibel handeln möchte, müssen wir bis 2035 Nettonull erreicht haben. Die aktuellen Klimaziele der Bundesregierung sehen eine weitgehende CO2-Neutralität bis 2050 vor.

In 50 Jahren darf aber Klimaschutz auf jeden Fall kein Thema mehr sein. Dann wäre es nämlich endgültig zu spät.

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