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Das Wetter ist in Waging meistens »interessanter als der Gemeinderat«

Waging am See. Die Waginger Marktratschn (Bernhard Mühlbacher) und der erst 17-jährige Andi Heindl haben das Publikum beim Waginger Starkbierfest begeistert. Die »Werd-scho-gron«-Musi, unter ihnen Franz Murr mit seinem Solo »Geh, Oide, gib a Ruah«, und Sepp Egger mit einigen Geschichten, unnachahmlich komisch vorgetragen, hielten die Stimmung den ganzen Abend im vollbesetzten Vereinsheim der Trachtler hoch.

Die Marktratschn (Bernhard Mühlbacher) traf beim Waginger Starkbierfest mit ihren humorvollen und teils sarkastischen Beiträgen zielgenau dahin, wo es vor allem den Kommunalpolitikern weh tat. (Foto: Eder)

Andi Heindl aus Zaglreit (da wo der Fuchs den Hasen net frisst, weil sonst waar er alloa) ist als Musikant, Gstanzlsänger und Witzeerzähler schon als Elfjähriger vor Publikum aufgetreten. Diesmal glänzte er als Moderator, Geschichten- und Witzeerzähler und Musikant. Dabei ist er auf keinerlei Notizen angewiesen, alles kommt wie automatisch aus ihm raus, und selbst schwierige Texte meistert er souverän.

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Auch Andi Heindl ließ die anwesenden Promis nicht ganz ungeschoren. Ein Lieblingsopfer von ihm ist immer Dritter Bürgermeister Christian Reiter. Mit ihm verbindet den Moderator ein gegenseitiges jahreszeitabhängiges Tratzen: Reiter holt sich als Nikolaus bei den Trachtlern den Andi gern für Sonderaufgaben, und dieser revanchiert sich beim Starkbierfest, indem er ihn den Refrain eines Zungenbrecherliedes ins Mikro stammeln ließ. Bei den Gstanzln von Andi Heindl waren aber nicht die Politiker Hauptopfer, sondern die »Preißn«. Bleibt nur zu hoffen, dass keine anwesend waren, beziehungsweise wenn doch, dass sie ihn in seinem Bairisch nicht verstanden haben.

Als die Marktratschn in den Saal rauschte, aufgestylt, voll motiviert und gepierct wie eh und je, war die Erwartung groß. Und die gewichtige Dame ließ vom ersten Moment an keinen Zweifel daran, dass sie mit Bürgermeistern und Gemeinderäten so überhaupt nicht zufrieden ist: »Das Wetter war letztes Jahr interessanter als der Gemeinderat.«

Wenn jetzt der Wahlkampf beginnt und die Räte immer noch auf Touren kommen, so drohte sie, »dann wird der eine oder andere die Rechnung dafür serviert bekommen, dass er sinnlos rumsitzt und Sauerstoff verbraucht«. Über die Bürgermeister weiß sie genau Bescheid: »Der Erste Bürgermeister ist everybodys darling, der dritte ein kleiner Rambo, der zweite mein Sorgenkind: Der riecht net und stinkt net, von dem hörst nix.«

Die beiden ödp-Gemeinderäte Georg Huber und Christine Rehrl gehen der Marktratschn etwas auf die Nerven mit ihren erneuerbaren Energien. Dabei würden sie außer Acht lassen, dass ihre Kollegen auch immer erneuerbare Energiereserven brauchen, wenn sie sich diese »Woislerei« immer wieder anhören müssen. Beppo Hofmann sei wohl nur deshalb im Gemeinderat, glaubt die Marktratschn, damit er seinen Lebenslauf etwas aufpeppen kann: Denn so weit sie wisse, fehle Hofmann bei 75 Prozent der Sitzungen. Und das werde jetzt, bedingt durch das bevorstehende TSV-Jubiläum, sicher noch mehr.

Der Liebling der Marktratschn aber ist Willi Reiter, »der George Clooney im Gemeinderat«. Der sei zwar ein treuer Anhänger des Bürgermeisters, komme jetzt aber doch allmählich in Gewissenskonflikte, wen er beim Wahlkampf unterstützen sollte: »sein Buberl« (Christian Reiter und damit die CSU) oder doch seinen Bürgermeister. Vielleicht sei ja Blut letztlich doch dicker als die Partei. Die Marktratschn begrüßte dann auch die »eingewechselten« Waginger Gemeinderäte: »die frisch ergraute grüne Gemeinderätin Hedwig Witzleben« und Schorsch Seehuber, den »Kapo vom Waginger Kasperlverein«. Zu anderen, namentlich nicht genannten Gemeinderäten, fiel der Marktratschn nur noch eine Bewertung ein: »Sie sagen halt das, was sie denken - deswegen sagen sie so wenig.«

Weiters stellte die gut informierte Dame fest, dass im letzten Jahr weder Waging noch die Waginger schöner geworden seien: Zum einen gefällt ihr nicht die Kräuterspirale am Kreisverkehr, und bei den Menschen merke man, dass man nach der Schließung der beiden Schleckergeschäfte schon seit geraumer Zeit in Waging keine Körperpflegeprodukte mehr kaufen kann.

Da sollte doch das Dreigestirn von »Waging bewegt« endlich was unternehmen, wo doch in Waging die Abkürzung www. längst nicht mehr für world-wide-web stehe, sondern für Wembacher, Wiedemann, Waldherr. Auch ein anderes heißes Thema ließ sie nicht aus: »In Waging bleiben die Kinder blöd, weil der Direktor auf einem Charity-Golf-Turnier ist.« Damit erkläre sich auch das Abschneiden deutscher Schüler bei der Pisa-Studie.

Der Aufzug im Keller des Seniorenheims und die Sanierung der Bahnhofstraße waren weitere Themen. Von gewaltigem Applaus begleitet, verließ die Marktratschn die Bühne, und das Starkbierfest ging mit den Akteuren Andi Heindl und Sepp Egger noch eine ganze Weile feuchtfröhlich weiter. he